Beim anstehenden WEC-Saisonfinale in Bahrain an diesem Wochenende gibt es an allen Ecken und Enden Fragezeichen über die Zukunft. Ein ganz großes speziell aus deutscher Sicht: Wie geht es mit Mick Schumacher weiter? Der 26-Jährige liebäugelt nach seinem IndyCar-Test in Indianapolis bekanntermaßen mit einem Wechsel in die amerikanische Formel-Meisterschaft.
Eine finale Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, versicherte Mick am Donnerstag in Bahrain. "Es ist noch alles offen", sagte er auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Ich muss mir darüber im Klaren werden, was ich machen will. Ich bin noch nicht soweit. Die nächsten Wochen werden wichtig sein, um die richtigen Entscheidungen zu treffen."
Mick Schumacher: Privileg der Entscheidung
Schumacher genießt dabei ein heutzutage seltenes Privileg im Profi-Motorsport: Er kann sich praktisch aussuchen, ob er ein drittes Jahr bei Alpine in der WEC dranhängt, oder doch in die US-amerikanische IndyCar-Meisterschaft wechselt. Die Franzosen würden Mick nach dessen Top-Leistungen gerne halten, wünschen sich aber ebenso eine baldige Entscheidung, um den Fahrerkader zu finalisieren. Mit Antonio Felix da Costa steht ein Neuzugang bereits fest.
"Ich habe das Privileg, diese Entscheidung zu treffen", wusste Schumacher, der sowohl im Prototypen als auch im IndyCar auf Anhieb einen starken Eindruck hinterlassen hat. "Natürlich war die Formel 1 immer das Ziel. Das hat nicht geklappt. Ich habe aber natürlich die Option, woanders Rennen zu fahren, wo es mir auch Spaß macht. Egal, wohin mich die Reise jetzt führt, weiß ich, dass ich eine gute Zeit haben werde."
Schumacher bestätigt Gespräch mit Jota-Cadillac
Gleichzeitig bestätigte Schumacher, dass sein derzeitiges Team im WEC-Fahrerlager die Fühler ausgestreckt hat, um mögliche Optionen zu prüfen. Ebenso, dass es Gespräche mit dem Cadillac-Werksteam Jota gab, wie in den Medien bereits spekuliert worden war. Wer bei den Amerikanern die Nachfolge von Jenson Button antritt, ist öffentlich noch nicht bekannt. Der aus der DTM bekannte Brite Jack Aitken (fährt am Sonntag den Rookie-Test im Cadillac) steht angeblich auf der Pole Position.
Schumacher sagte: "Es gab einen Austausch mit anderen Teams und man kommt ins Gespräch über eine potenzielle gemeinsame Zukunft. Es gab eine Situation, wo wir mit Jota und Cadillac eine Konversation hatten. Man muss abwägen, wohin man gehen will. Ich glaube, dass alle Teams in der WEC sehr stark sind und das Potenzial haben, vorne mitzufahren."

Schumacher nach erstem IndyCar-Test begeistert
Lauschte man Schumachers Aussagen nach dem IndyCar-Test, scheint die Entscheidung rein gefühlsmäßig schon fast gefallen zu sein. So positiv, wie er sich über den US-Formelwagen äußerte, hatte er nie über den LMDh-Prototypen mit weniger Leistung und mehr Gewicht gesprochen. Diesen Eindruck hatten so ziemlich alle Experten in den Fahrerlagern dieser Welt.
Schumacher jetzt dazu auf Nachfrage: "Es ist kein Geheimnis, dass ich Single-Seater mag. Ich bin sehr gerne in meinem eigenen Auto, einem mit Downforce und viel Leistung. Das IndyCar hat sich ähnlich angefühlt wie ein Formel-2-Auto, nur ein bisschen stärker und schneller. Und meine Zeit in der Formel 2 (Meister 2020; d. Red.) war ja sehr stark. Kein Wunder, dass ich mich relativ schnell wohlgefühlt habe."
Mick: "Lohnt sich, IndyCar-Rennen zu gucken"
Beim Indy-Test mit dem Mittelfeld-Team RLL habe er allerdings noch nicht das ganze Spektrum dieses Fahrzeuges erfahren: "Auf meinem Plan standen keine Long Runs. Ich bin relativ viele kurze Stints gefahren, wir haben vieles ausprobiert. Ich habe noch nicht ganz ein Gefühl dafür bekommen, wie es sein würde, wenn man viele Runden hintereinander fährt. Mir ist aber aufgefallen, dass du mit frischen Reifen zwischen der ersten und der 25. Runde nur fünf Zehntelsekunden verlierst. Wenn du das mit Pirelli-Reifen machen würdest, würde man gleich zwei bis drei Sekunden verlieren."
Dass die IndyCar-Meisterschaft zumindest in Deutschland weitgehend unter dem Radar fährt und sich das Interesse bei den Motorsport-Fans hierzulande in Grenzen hält, würde Schumacher im Falle eines Wechsels übrigens nicht stören: "Egal wohin ich gehe, glaube ich, dass ich einen relativ großen Anteil meiner Follower mitnehmen würde. Wenn ich in die Indy-Car Serie gehen sollte, würde sie in Deutschland populärer werden. Das ist eine coole Meisterschaft und es lohnt sich, die Rennen zu gucken. Nur mit den Zeiten (wegen der mehrstündigen Zeitverschiebung; d. Red.) wäre es relativ schwierig."



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