Mick Schumacher arbeitet an einem potenziellen Einstieg in die Indycar-Serie. Nach einem Test auf der Infield-Strecke des Indianapolis Motor Speedway mit Rahal Letterman Lanigan Racing in der vergangenen Woche betonte der ehemalige Formel-1-Fahrer, dass er eine Zukunft in der US-Serie "ernsthaft in Betracht" zieht.
Ist ein Wechsel in die Indycar eine gute Idee? Schumachers ehemaliger F1-Teamchef Günther Steiner äußerte sich am Rande des USA-GPs in Austin positiv zu den möglichen Zukunftsplänen seines einstigen Fahrers. "Das kann sicher funktionieren", schätze Steiner gegenüber Motorsport-Magazin.com.
Günther Steiner: Indycar ist schwierig, wenn man im falschen Auto sitzt
Er geht davon aus, dass Schumacher sich mit der Meisterschaft schnell anfreunden kann, unter anderem, weil die USA für ihn keinen großen Kulturschock darstelle. "Seine Familie besitzt ja in Texas eine Ranch", erinnerte Steiner. "Er kennt die Kultur, verbringt viel Zeit hier [in den USA, d. Red]. Es ist für ihn sicher eine gute, neue Herausforderung - komplett etwas Neues. Deswegen kann das ja auch motivierend für ihn sein", erklärte der in den USA wohnhafte Südtiroler.
Auf dieser Ebene hat der einstige F1-Teamleiter und jetzige MotoGP-Teambesitzer also keine Zweifel, aber er warnt dennoch vor einem Punkt. "Er muss schauen, dass er ein gutes Team findet. Denn auch in der Indycar wird es schwierig, wenn man im falschen Auto sitzt", weiß Steiner. Auch wenn er nie in der Indycar tätig war, kennt sich Günther Steiner mit dem US-Motorportgeschäft gut aus. Er war mehrere Jahre lang am NASCAR-Projekt von Red Bull beteiligt.
In der Open-Wheel-Meisterschaft kommen mit dem DW12 zwar Einheitschassis zum Einsatz und auch die Motor-Auswahl hält sich mit zwei Herstellern (Honda und Chevrolet) in Grenzen, aber in Bezug auf die Abstimmung und letztendlich die Performance sind die Unterschiede zwischen den Rennteams doch zum Teil frappierend. Team RLL, mit dem Schumacher seinen Test absolviert hatte, zählt eher zu den Hinterbänklern der Serie. Graham Rahal landete als bester Fahrer in der vergangenen Saison auf Meisterschaftsrang 19. Auf einen Sieg wartet RLL seit 2023.
Mick Schumacher ohne Oval-Erfahrung - Steiner: Haben noch alle gelernt
Eine besonderes Herausforderung sind außerdem die Ovalstrecken. Schumacher hat noch keine Erfahrung auf diesen Highspeed-Schüsseln, die von vielen europäisch-stämmigen Rennfahrern für zu gefährlich befunden werden. So hielt Micks Vater Michael Schumacher wenig davon und auch Ralf Schumacher warnte bereits mehrmals vor der Gefahr. Doch Ovale sind ein essenzieller Teil des Indycar-Kalenders.
Mick Schumacher scheinen die Bedenken kalt zu lassen. Er betonte nach dem Indianapolis-Test, dass es seiner Ansicht nach falsch sei, nur einen Teil der Rennen zu bestreiten und er deshalb auch auf den Ovalen an den Start gehen will. "Auf den Ovalen muss er sich logischerweise wohlfühlen, aber es haben noch alle Fahrer gelernt, die Ovale zu fahren", schätzt Steiner diese Herausforderung als machbar ein.
Zu den letzten Formel-1-Umsteigern, die in die Indycar-Serie wechselten, zählte Romain Grosjean. Der Franzose ließ in seiner ersten Saison in den USA 2021 die Ovale aus und ging nur bei den Rundkurs- und Stadtkursrennen an den Start. Erst ab seinem zweiten Jahr nahm er alle Rennen in Angriff.
Auch Marcus Ericsson zählt zu den jüngeren Beispielen an Formel-1-Fahrern, die in die Indycar gewechselt sind. Er feierte bei dem berühmten 500-Meilen-Rennen auf der Ovalstrecke in Indianapolis 2022 sogar den Sieg und überquerte die Ziellinie dort seitdem noch zweimal auf der zweiten Position - 2025 allerdings mit einem bitteren Nachschlag.
Indianapolis ist ein speziell dimensioniertes Oval, das mit einer Länge von 2,5 Meilen (4 Kilometern), extrem hohen Geschwindigkeiten von bis zu 380 km/h und eher kurzen Kurvenradien, nicht den Querschnitt abbildet. Die anderen vier Ovalstrecken im Kalender (Phoenix, St. Louis, Nashville und die Milwaukee Mile) liegen bei einer Länge von 1 bis 1,33 Meilen (ca. 1,6 bis 2,1 Kilometer) und verfügen über wesentlich längere Kurvenradien.
Die kleineren Ovale sind trotz ebenfalls hoher Geschwindigkeiten (bis zu ca. 330 km/h) eine gänzlich andere Disziplin, die mit den Windschatten-Schlachten von Indy wenig zu tun hat. Darunter eine spezielle Art des Reifenmanagements, das sich je nach Kurvenüberhöhung stark von jener etwa auf Rundstrecken unterscheidet. Auch Topstars der Serie, wie Dominator Alex Palou, benötigten einige Jahre, ehe sie diese Kunst perfektioniert hatten. So gewann der Spanier erst in diesem Jahr als bereits dreifacher Champion seine ersten Rennen auf dem Oval.



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