Franco Colapinto hat sich beim Formel-1-Rennen in Austin im Kampf um die goldene Bananenschale mächtig Ärger eingehandelt. Der Argentinier ignorierte eine Teamanweisung und überholte seinen Alpine-Teamkollegen Pierre Gasly wenige Runden vor Schluss. Sein Lohn: Platz 17. Seine Strafe: Eine offene Rüge vom Team, in der potenzielle Konsequenzen offengelassen wurden.

Ein heikles Thema für den bisherigen Null-Punkte-Fahrer bei Alpine, der um sein F1-Cockpit für das kommende Jahr zittert. Christian Danner versteht im AvD Motorsport Magazin die Aufregung nicht und bedenkt Colapinto sogar mit viel Lob für die eigenwillige Aktion. "Dass das natürlich auch ein bisschen Ärger im Team gibt, war klar. Ob das klug war? Ich sag ehrlich: Ich glaube ja", preschte Danner vor.

Christian Danner erklärt: Deshalb war die Colapinto-Aktion klug

In den Augen von Danner setzte Colapinto mit seinem Überholmanöver ein Statement. "Er hat gesagt, ich bin hier nicht die Vollpfeife, die sich immer da hinten anstellen muss", interpretiert der ehemalige Formel-1-Fahrer die Entscheidung des Rookies. Danner vermutet, dass der folgende Gedankengang Colapinto antrieb: "Klar, habe ich viel falsch gemacht, klar, bin ich nicht so gut gefahren wie ich hätte fahren sollen oder können. Aber jetzt bin ich gut und dann zeige ich es euch auch."

Eine Gefahr für den Südamerikaner glaubt Danner dadurch keine zu erkennen. Denn er sitze nicht nur aufgrund seines Talents sondern auch aufgrund seiner starken Geldgeber fest im Sattel, ist er überzeugt. Colapinto galt von Anfang seiner Alpine-Laufbahn an als kommerzieller Erfolgsgarant. Er brachte eine Reihe südamerikanischer Unternehmen als Sponsoren in das französische Formel-1-Team, darunter Mercado Libre, die sich sogar für eine Sonderlackierung verantwortlich zeichnen. Diese kam in Austin erstmals ans Auto und wird auch in Mexiko und Brasilien den A525 zieren.

Was sagt Flavio Briatore dazu? Danner: Kann mir vorstellen, dass er es gut fand

Christian Danner vermutet, dass aber auch unabhängig davon Colapinto keinen Ärger im Team zu befürchten hat. Ganz im Gegenteil: Bei de-facto Teamchef Flavio Briatore habe hat er sich dadurch sogar Bonuspunkte verdient, ist Danner überzeugt: "Ich kann mir fast vorstellen, dass er das besser findet, als wenn er pariert hätte." Dass die Ansage im Rennen vom Italiener ausging, glaubt er kaum: "Die Diskussion, wer wird Letzter oder Vorletzter, die kommen nicht von Flavio. Deswegen kann ich mir eigentlich fast eher vorstellen, dass er es ganz gut fand."

Teamorder ignoriert! Droht Colapinto das Aus bei Alpine? (04:28 Min.)

Der angedrohte Ärger geht in den Augen der deutschen Motorsport-Koryphäe nur von den britischen Gepflogenheiten des im mittelenglischen Enstone beheimateten Teams aus. Nach dem Rennen hatte sich Managing Director Steve Nielsen verschnupft über die Befehlsverweigerung seines jungen Formel-1-Fahrers gezeigt. "Als Team ist jede Anweisung der Boxenmauer endgültig", so seine Erinnerung.

Für die kommende Saison erwartet Danner nicht nur wegen dem USA-Rennen, dass Colapinto seinen Job behalten darf. In dem derzeit klar unterlegenen Renault-Team, das den letzten Platz in der Konstrukteurs-WM so gut wie sicher hat, sei Kontinuität für den Gang in die neue Regelgeneration ein wichtiger Baustein. "Ich glaube das Vernünftigste ist, sie machen mit dem weiter, was sie haben", sagte er.

"Es wird nächstes Jahr zwar alles anders. Aber an das ganze Arbeitsgefühl, an die ganzen Abläufe haben sie sich bereits gewöhnt. In der heutigen Formel 1, in der Training immer weniger wird und auch immer weniger gefahren wird, ist es das Beste mit beiden weiterzumachen", rät Danner den WM-Zehnten. Es hängt ohnehin nur noch Colapintos Zukunft in der Luft. Pierre Gasly hatte schon vor diesem Jahr einen Formel-1-Vertrag für 2026 in der Tasche und unterzeichnete im Vorfeld des Italien-GPs eine weitere Verlängerung, die ihn bis 2028 an die Equipe aus seinem Heimatland bindet.