Ein letztes Mal Porsche gegen Ferrari. Beim WEC-Saisonfinale in Bahrain an diesem Samstag (Rennstart um 12:00 Uhr deutscher Zeit) treffen die beiden Schwergewichte der Langstrecke im Kampf um die Hersteller- und Fahrer-Weltmeisterschaft aufeinander. Ferrari gilt nicht erst seit dem Qualifying als Favorit, aber die Zuffenhausener wollen vor dem werksseitigen Ausstieg noch einmal für Furore sorgen.
"Wir sind Zweiter in der Hersteller-WM und in der Fahrer-WM 'nur' Dritter - aber die Punkteabstände sind gering. Das wird ein harter Kampf, den wir unbedingt gewinnen wollen", kündigte Porsches LMDh-Werksleiter Urs Kuratle im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com an. "Acht Stunden Rennen, viel davon in der Dunkelheit und bei kühleren Bedingungen - da rechnen wir uns gute Chancen aus."
Ferrari-Boss glaubt: Porsche bald wieder in der WEC
In der Hersteller-Wertung liegt Ferrari mit 39 Punkten Vorsprung auf Porsche an der Spitze und hat gute Aussichten, den ersten Marken-Titel seit 1972 in der Langstrecken-Weltmeisterschaft einzufahren. 66 Zähler werden hier beim achten und letzten Saisonrennen im Wüstenstaat noch vergeben. Unter den Fahrern geht es enger zu: Der Vorsprung der führenden Ferrari-Crew Giovinazzi/Calado/Pier Guidi (Startplatz 7) auf Porsches Titelverteidiger Kevin Estre und Laurens Vanthoor (nur Startplatz 18) beträgt 21 Punkte.
Wie auch immer die potenziell epische Schlacht der beiden Luxusautobauer enden wird: Ferraris Sportwagenchef Antonello Coletta erwartet lediglich einen Abschied auf Zeit des ärgsten Konkurrenten der vergangenen drei Jahre. "Ich bin sicher, dass Porsche wahrscheinlich 2027 oder 2028 wieder bei uns sein wird", meinte der Italiener im Rahmen einer Interviewrunde mit ausgewählten Medienvertretern, darunter Motorsport-Magazin.com.
Ob das tatsächlich überhaupt und dann auch noch so schnell kommen wird, steht in den Sternen beziehungsweise in den Konzernzahlen der kriselnden Porsche AG. Auch Ferrari hätte ein Interesse daran, dass die Zuffenhausener noch einmal zurückkehren, wie Signore Coletta ausführte: "Der Ausstieg von Porsche ist für uns keine gute Nachricht, denn für alle Hersteller ist es wichtig, die Besten dabeizuhaben. Ferrari und Porsche haben beide eine große Tradition im Langstreckensport. Ich hoffe, dass Porsche in Zukunft zurückkehrt."

Macht Proton-Porsche in der WEC weiter?
Die Chancen, dass Porsche nächstes Jahr der WEC zumindest in Form des Kundenteams Proton Competition erhalten bleibt, schwinden laut 'Radio Fahrerlager' immer mehr. Laut Statuten muss jeder Hersteller zwei Prototypen in der Hypercar-Klasse einschreiben - Proton fährt aktuell nur mit einem Porsche 963.
Das deutsche Team setzt zeitweise ein zweites Auto in der IMSA ein, aber: "Es ist kompliziert", zeigte sich Teamchef Christian Ried gegenüber Medienvertretern eher skeptisch. Zumindest an Porsche solle es laut Werksleiter Kuratle nicht scheitern: "Wir unterstützen unsere Kunden so, wie wir es bisher getan haben. Die Entscheidung des Werksprogramms in der WEC hat nichts mit den Kunden zu tun."

Coletta: "Nicht direkt den Untergang ausrufen, wenn jemand aussteigt"
Dass das vorrangig wirtschaftlich getriebene Aus von Porsche keine gute Nachricht für die WEC ist, dürfte kein Geheimnis sein. Dass sie mit ihren LMDh-Prototypen werksseitig in der IMSA-Meisterschaft engagiert bleiben, umso weniger. Vorteil WEC: Mit acht engagierten Marken - 2027 sogar bis zu zehn mit den Neueinsteigern Ford und McLaren - steht die Serie auf äußerst stabilen Beinen.
Fand auch Coletta: "Die WEC ist nach der Formel 1 inzwischen die wichtigste Meisterschaft der Welt, weil so viele Hersteller involviert sind. Ich glaube, sie wird für viele, viele Jahre erfolgreich sein. Gleichzeitig bin ich sicher, dass weitere Hersteller kommen und gehen werden. Man sollte meiner Meinung nach nicht direkt den Untergang ausrufen, wenn jemand aussteigt. Es wäre auch normal, wenn es im Laufe der Zeit Wechsel gäbe. Ich halte den Erfolg der WEC dennoch für unbestreitbar."
Ferrari schiebt Gerüchten zu IMSA-Einstieg einen Riegel vor
Dass Ferrari künftig selbst einen Einstieg in die IMSA-Serie anstreben und dort wieder auf Porsche treffen könnte, wischte Coletta derweil vom Tisch: "In naher Zukunft wird das nicht passieren. Wir konzentrieren uns auf die WEC." Und das soll noch lange so bleiben: Ferrari hatte beim Werkseinstieg 2023 einen 5-Jahres-Plan anberaumt. Nachdem ACO und FIA die Homologation der Fahrzeuge inzwischen auf 2029 ausgeweitet haben, will Ferrari hier mitziehen. Coletta: "Wir können bestätigen, dass wir bis 2029 weitermachen. Was danach passiert, werden wir dann sehen."



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