Der erste WEC-Sieg von Cadillac war die große Geschichte des Rennens in Sao Paulo, doch ein weiterer Debütsieger sorgte ebenfalls für Schlagzeilen: In der LMGT3-Klasse, die hinter den Hypercars meist nur die zweite Geige spielt, gewann Lexus sein erstes Rennen in der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Toyota-Werkspilot Jose Maria Lopez, Clemens Schmid aus Österreich und der rumänische Amateur-Fahrer Petru Umbrarescu führten den #87 Lexus RC F GT3 zum Triumph.

Der in die Jahre gekommene Rennwagen von Toyotas Luxustochter, der schon 2015 seine ersten Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife bestritt und voraussichtlich 2026 von einem Nachfolgemodell abgelöst werden soll, zählt seit dem Saisonbeginn konstant zum Favoritenkreis. In den Qualifyings mischten die beiden Lexus des französischen Teams Akkodis ASP regelmäßig um die Spitzenplätze mit, in den Rennen ging es aber meist rückwärts.

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Lexus: "Keine Chance auf WEC-Siege mit Medium-Reifen"

Nicht so in Sao Paulo, wo LMGT3-Reifenlieferant Goodyear erstmals die neue Hart-Mischung für das Rennen nominierte. Die Reifen mit den rot markierten Seitenwänden sollen laut Herstellerangaben eine noch höhere Haltbarkeit auf Rennstrecken mit starkem Verschleiß bieten. Nach der Premiere auf dem neu asphaltierten Kurs in Sao Paulo, kommen die Hart-Reifen außerdem in Austin und beim Saisonfinale in Bahrain zum Einsatz - also Strecken mit rauem Asphalt bzw. hohen Temperaturen.

Die neuen Mischungen seien laut ASP-Teamchef Jerome Policand ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg zum ersten Lexus-Sieg gewesen. "Wir hatten den nötigen Speed seit Saisonbeginn, aber in Le Mans hatten wir während der dritten Stints Probleme mit den Reifen, und bei allen anderen Rennen bei den zweiten Stints", so der frühere Rennfahrer zu Autosport. "Es gab keine Chance, mit den Medium-Reifen zu gewinnen, weil immer die Reifentemperaturen an der Vorderachse steigen und wir Grip verlieren. Mit den harten Reifen ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht."

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Lexus-Sieger: Jose Maria Lopez, Clemens Schmid und Petru Umbrarescu, Foto: IMAGO/PsnewZ

Neue Reifen helfen Lexus bei erstem WEC-Sieg

Das Lexus-Kundenteam habe laut Policand seit dem vergangenen November mehrere Testtage eingelegt, um sich ausgiebig mit den neuen Goodyear-Mischungen vertraut zu machen. Die Erfahrung - und nicht zuletzt eine vorteilhafte BoP-Einstufung seit dem Saisonbeginn - haben sich in Sao Paulo ausgezahlt. "Wir waren manchmal knapp dran, aber hatten Probleme oder Fahrfehler", sagte Schmid, der nach Teilzeit-Einsätzen 2024 seine erste volle WEC-Saison bestreitet. "Jose Maria (Lopez) hat sich dafür eingesetzt, dass wir nur am Reifen-Management arbeiten, und das hat sich gelohnt."

Dabei büßten die beiden GT3-Lexus in Sao Paulo auch auf einer schnellen Runde nichts von ihrem Speed ein. Schmid legte mit Startplatz zwei den Grundstein für den späteren Sieg der #87, während das deutsche Nachwuchstalent Finn Gehrsitz das #78 Schwesterauto (Gehrsitz, Nakayama, Robin) zur dritten Position in der Startaufstellung führte. Schmid fehlten im Hyperpole-Qualifying nur 0,024 Sekunden zum #10 Aston Martin um Lokalmatador Eduardo Barrichello, der später im Rennen unter dem Jubel der brasilianischen Fans den dritten Platz errang.

Lexus in Sao Paulo: LMGT3-Sieg trotz Durchfahrtstrafe

Im Rennen etablierten die beiden ASP-Lexus zwischenzeitlich eine Doppelführung und wechselten sich mehrfach an der Spitze ab. Hier zeigte sich die Weltklasse des früheren Toyota-Hypercar-Fahrers Lopez, der alleine in seinem ersten Stint mehr als 30 Sekunden Vorsprung auf Amateur-Fahrer Arnold Robin in der #78 herausfuhr. "Das ist ein spezieller Tag für mich", jubelte der argentinische Le-Mans-Gesamtsieger von 2021. "Mit der alten Lady endlich ein Rennen zu gewinnen, macht mich sehr glücklich."

Die Crew des #87 Lexus war derart überlegen, dass sich Lopez sogar eine Durchfahrtstrafe wegen überhöhter Geschwindigkeit in der Boxengasse leisten konnte, die Schmid absitzen musste. Der 34-jährige Tiroler hatte mit seinem Triple-Stint einen gehörigen Anteil daran, dass das Sieger-Trio in 167 der 216 Runden das Rennen anführte. "Dieser Sieg bedeutet uns unglaublich viel", sagte Schmid, der durch seine drei Jahre in der DTM (2022-24) fahrerisch einen großen Fortschritt gemacht hat. "Interlagos ist fahrerisch extrem fordernd - und wenn man hier gewinnt, ist das eine Auszeichnung."

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Kann doch noch Rennen gewinnen: Der Lexus RC F GT3, Foto: IMAGO/PsnewZ

Lopez in seiner eigenen Lexus-Liga

Lopez übernahm die #87 für den finalen Doppel-Stint und baute seinen Vorsprung zur Zweitplatzierten #81 Corvette von TF Sport (Van Rompuy, Andrade, Eastwood) bis zum Zieleinlauf von 10 auf 37 Sekunden aus. Das #78 Schwesterauto, in Abwesenheit des verletzten Stammfahrers Ben Barnicoat ohne einen Platin-Fahrer an Bord, konnte die Pace am Ende nicht mitgehen und belegte den fünften Platz.

"Es ist großartig, dass wir als Team mit dem Auto absolut siegfähig sind und die ganze Mannschaft hat hart dafür gearbeitet", sagte #78 Silber-Fahrer Gehrsitz. "Das war eines der härtesten Rennen meiner bisherigen Karriere. Die Strecke fordert dich permanent, und mit fast drei Stunden im Auto war das körperlich extrem anstrengend. Aber ich konnte über das gesamte Wochenende zeigen, was ich kann und darauf bin ich sehr stolz."