Drei rote Flaggen und ein überfahrenes Murmeltier – das Freitagstraining unterstrich einmal mehr, dass Kanada immer für eine Überraschung gut ist. Dabei ging das einzige Training an diesem Sprint-Wochenende bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel über die Bühne. Ganz andere Bedingungen sind für den Formel 1 Grand Prix am Sonntag vorhergesagt.

Aktuell rechnen die Meteorologen mit dichter Bewölkung, starkem Wind und einer Regenwahrscheinlichkeit von 60 Prozent. Zwar werden derzeit nur leichte Schauer erwartet, doch das könnte ausreichen, um für Chaos zu sorgen. Schließlich sind die Piloten die neuen 2026er-Boliden noch nie unter nassen Rennbedingungen gefahren. In Miami wurde der Rennstart zwar nach vorne verlegt, um drohenden Gewittern auszuweichen.

Regen-Alarm in Miami! F1 mit Spezialregeln und früherem Start (19:33 Min.)

Da sich die Reifendimensionen für 2026 geändert haben, können Reifenhersteller und Teams nur begrenzt auf Vergleichsdaten zurückgreifen. Pirelli nutzte bereits mehrere Gelegenheiten, um das Wissen über die neue Fahrzeuggeneration bei Nässe zu erweitern. Im April testete Lewis Hamilton die Regenreifen auf der künstlich bewässerten Strecke in Fiorano. Der geplante Test nach dem Japan-GP fiel buchstäblich ins Wasser fiel, was Pirelli abermals die Chance bot, Runden auf den Intermediates und Full-Wets zu absolvieren.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die Eigenheiten der Autos im Nassen bekam kürzlich Pierre Gasly. Für den Alpine-Piloten stand vor dem Kanada-GP ein Abstecher nach Magny-Cours an, um für Pirelli die Regenreifen für 2027 zu testen. Auf das Fahrverhalten der neuen Fahrzeuggeneration angesprochen, betonte Gasly: "Ihr werdet schockiert sein. Ich bin froh, dass ich diese zwei Tage absolviert habe."

Martin Brundle weiß um die Herausforderung, mit denen sich die Piloten konfrontiert sehen. "Diese Autos verfügen über jede Menge Leistung, aber über weniger Abtrieb und weniger Grip. Wir könnten also einiges an Drama erleben", meinte Brundle im Gespräch mit Sky.

Rückblick 2011: Krass, Krasser, Kanada

Kanada, Regen, Drama – das gab es doch schon einmal. Der Große Preis von Kanada im Jahr 2011 ging mit 4 Stunden, 4 Minuten, 39 Sekunden und 537 Tausendstel als längster GP in der Geschichte der Königsklasse ein. Das Rennen musste damals hinter dem Safety-Car gestartet werden. Als das Feld endlich freigegeben wurde, sorgten zwei Unfälle prompt für die nächste Neutralisierung. In Runde 25 folgte schließlich der endgültige Abbruch und eine zweistündige Zwangspause im Dauerregen.

Safety Car führt den Kanada GP an
Das Safety-Car kam 2011 sechsmal zum Einsatz., Foto: imago/HochZwei
Lewis Hamilton und Mark Webber drehen sich im Regen
In den nassen Bedingungen passierten einige Unfälle, Foto: imago sportfotodienst
Lewis Hamilton hängt am Abschleppseil
Auch Hamilton fand sich irgendwann am Abschleppseil wieder, Foto: imago sportfotodienst
Streckendienst versucht das Wasser von der Strecke zu entfernen
In der zweistündigen Pause versuchte man die Strecke vom Wasser zu befreien, Foto: imago sportfotodienst

Inklusive Start und dem Restart nach der langen Unterbrechung kam das Safety-Car satte sechsmal zum Einsatz. Immerhin das Finish ging unter grüner Flagge über die Bühne – andernfalls hätte es wohl einen anderen Sieger gegeben. Erst in der letzten Runde nutzte Button einen Fehler von Sebastian Vettel aus und zog vorbei.

Der McLaren-Pilot hatte zuvor sage und schreibe sechs Boxenstopps absolviert, eine Durchfahrtsstrafe abgesessen und lag zwischenzeitlich am Ende des Feldes. Mittlerweile darf ein Rennen inklusiver roter Flaggen maximal drei Stunden dauern.