Beim DTM-Saisonauftakt am Red Bull Ring hatten wir am Freitagabend prognostiziert, dass es keiner der vier neuen Lamborghini Temerario GT3 von Abt Sportsline und GRT in die Top-10 der Startaufstellung schaffen würde. Diese Vorhersage sollte sich am Samstag bewahrheiten. Im Qualifying landete Mirko Bortolotti (GRT) als bestplatzierter Lambo-Fahrer auf Platz 17 und im Rennen auf der zwölften Position - inklusive einem geschenkten Platz in Folge der Strafe für Bastian Buus.
Im Lager von Lamborghini herrscht große Ernüchterung. Der Temerario GT3 als Nachfolger des Huracan ist schlichtweg noch nicht konkurrenzfähig. Die Äbte und GRT hatten ihre Fahrzeuge so spät ausgeliefert bekommen, dass eine ordentliche Vorbereitung praktisch unmöglich war. Auch mehren sich Stimmen im Fahrerlager, die der Ansicht sind, dass Lamborghini selbst ein halbes bis ein Jahr mehr Entwicklungszeit gebraucht hätte.
Lamborghini mit "gewaltigem Rückstand" bei DTM-Auftakt
"Ich weiß nicht mal, ob wir das Maximum herausgeholt haben, weil wir so wenige Erfahrungswerte haben", brachte es Abt-Teamchef Thomas Biermaier im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com auf den Punkt. Der Rückstand auf die Konkurrenz sei gewaltig, meinte der Bayer, "wir hatten keine Chance. Es war ein schwieriger Tag nicht nur für uns, sondern für die komplette Lamborghini-Familie."
Damit schloss Biermaier das GRT-Team bei dessen Heimspiel ein. Die Mannschaft von Teamchef Gottfried Grasser, die 2025 bis zuletzt um die Meisterschaft gekämpft hatte, ging auf ähnliche Weise baden. Lambo-Star Bortolotti rettete ansatzweise die Ehre, während Teamkollege Maximilian Paul und die Abt-Fahrer Luca Engstler sowie Marco Mapelli abgeschlagen am Ende des Feldes fuhren.
"Wir machen da unseren eigenen Markenpokal, und das darf natürlich nicht sein", sagte Biermaier. "Das ist ein absolutes No-Go." Eher ein Markenpokal der Verlierer, Franz Beckenbauer lässt grüßen. GRT-Chef Grasser dürfte es ähnlich gesehen haben. Der Österreicher war am Samstagabend an der Strecke aber derart tief in Gespräche verwickelt, dass wir sein erstes Fazit zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen müssen. Dass es nicht nach Plan laufe, hatte uns Grasser schon am Freitag bestätigt.
Abt-Chef kann BoP-Änderung am Red Bull Ring nicht nachvollziehen
Was nicht nur Biermaier verwunderte: Bei der BoP-Änderung in der Nacht auf Samstag erhielt die Lamborghini-Fraktion keinerlei Zugeständnisse. Im Gegenteil: Stattdessen durften BMW, Aston Martin, Ferrari und Ford Mustang zwischen 10 und 20 Kilogramm Gewicht ausladen.
"Ich kann die Änderungen an der BoP nicht verstehen", sagte Biermaier. "Das soll keine Ausrede sein. Für uns hatte das nur negative Auswirkungen. Wir fahren hinterher. Ich hoffe, dass sich schnell etwas ändert, aber am Sonntag wartet ein schwerer Tag."

Schon nach erstem Saisonrennen: BoP-Zoff in der DTM
Die Balance of Performance war ohnehin das größte Streit-Thema nach dem Samstagsrennen. Kurzfassung: Fünf der acht Marken waren unzufrieden und warfen ihren Konkurrenten BoP-Spielchen vor. Der ADAC hatte alle Hersteller angewiesen und dazu verpflichtet, in der 20-minütigen Qualifying-Simulation am Freitag die volle Performance zu zeigen. Wer sich daran gehalten hat, wer nicht, und wie die Beschuldigten argumentieren, dazu mehr in einer anderen Geschichte...
Belegen lässt sich nach dem Samstag nur, dass der neue Lamborghini Temerario GT3 in Spielberg das schwächste Auto ist. Abt-Pilot Luca Engstler war als schnellster Lambo-Vertreter (1:29.564) mehr als acht Zehntelsekunden langsamer als Land-Porsche-Pilot Bastian Buus (1:28.739), dem die schnellste Rundenzeit im Rennen gelang.
Ein Vorzeichen für den weiteren Verlauf der DTM-Saison? "Kurz nach dem Rennen würde ich sagen, dass uns ein langer Prozess erwartet", ahnte Biermaier. Etwas ulkig: In der Rahmenrennserie ADAC GT Masters gewann ein GT3-Lamborghini des Team Engstler prompt das Samstagsrennen - allerdings in Form eines alten Huracan...
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