Während der Formel-1-Pause im April arbeitet die Königsklasse gemeinsam mit der FIA und den Teams an Methoden, um die Auswirkungen des aktuellen Reglements in den Griff zu bekommen. Vor allem die Auswüchse der Energiearmut im Qualifying und die Gefahr von hohen Geschwindigkeits-Unterschieden stehen dabei im Fokus. Unabhängig von diesen primären Problemstellen hat man aber an einem Detail bereits Hand angelegt.

Wie das britische Motorsport-Medium 'The Race' vermeldet, unterband der Motorsport-Weltverband einen Trick, der von den Teams mit Mercedes- und Red-Bull-Motoren im Qualifying angewendet wurde. Der Trick bestand darin, dass die beiden Motorhersteller den vorgeschriebenen Power-Rückgang auf der Geraden über eine Hintertür temporär aushebeln konnten. Schlagend wurde der Trick allerdings nur auf den letzten Metern einer schnellen Runde.

So tricksten Red Bull und Mercedes am Motor

Konkret funktionierte der Trick folgendermaßen: Um einen plötzlichen Geschwindigkeitsverlust zu verhindern, müssen die Formel-1-Autos ihre Leistung auf der Gerade pro Sekunde schrittweise um 50 KW reduzieren. Doch im Falle von technischen Problemen lassen es die Regeln zu, dass diese Reduktion über einen Shutdown-Modus ausgesetzt werden kann.

Dass man diesen Modus also auch missbräuchlich anwenden könnte, um temporär mehr Energie abrufen zu können, war bekannt. Deshalb hatten die Regelmacher dem grundsätzlich auch schon einen Riegel vorgeschoben. So kann etwa die MGU-K anschließend für 60 Sekunden nicht mehr genutzt werden, sobald dieser Notfall-Modus einmal aktiviert wurde. Theoretisch würde sich also der kleine kurzzeitige Zeitgewinn nicht lohnen.

Außer natürlich am Ende einer schnellen Qualifying-Runde, da einem Formel-1-Team der Zeitverlust auf einer Cooldown-Runde relativ egal sein kann. Mercedes und Red Bull Powertrains machten offenbar bisher von dieser Regellücke Gebrauch. Große Zeitgewinne waren damit aber ohnehin nicht zu erzielen. Die Rede ist davon, dass sich die ersparte Zeit je nach Strecke im Hundertstel-Bereich bewegt haben soll.

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Jetzt soll der Trick ein für alle Mal Geschichte sein, denn die FIA soll eine technische Klarstellung an die Teams verschickt haben, aus welcher klar hervorgeht, dass die Benutzung dieses MGU-K-Shutdowns nur noch in tatsächlichen technischen Notfällen gestattet sein wird. Der Einsatz dieses Modus für Performance-Gewinne wird nicht weiter toleriert. Bei Verstößen drohen signifikante Strafen. Da es sich um ein technisches Vergehen handelt, sind sogar Disqualifikationen denkbar.

Angeblich geht der Vorstoß der FIA auf Initiative von Ferrari zurück. Die Italiener sollen, nachdem sie diese Praxis in Australien und Japan an den Autos der Konkurrenz erkannt hatten, bei dem Weltverband Meldung erstattet haben.

Die Bedenken des Weltverbandes gehen vor allem auf die Sicherheit zurück. Denn sowohl in Australien als auch in Japan bewegten sich mehrmals nach Push-Runden im Qualifying Piloten anschließend in extrem langsamer Fahrt durch den ersten Sektor. Alex Albons Williams blieb beim zweiten Training in Suzuka einmal plötzlich unvermittelt zwischen Kurve 1 und 2 stehen. Dieser Vorfall soll auch auf diesen Trick zurückzuführen sein. Mercedes soll die Nutzung des Systems in Japan bereits vor dem Qualifying eingestellt haben, da der Zeitgewinn minimal war.

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