Für einen Großteil der Formel-1-Welt ist Mercedes der Top-Favorit für die Saison 2026. Beim ersten Testtag in Bahrain konnten die Silberpfeile noch nicht groß aufzeigen. George Russell wurde mit fast eineinhalb Sekunden Rückstand auf die Bestzeit nur Sechster, Kimi Antonelli konnte aufgrund von Problemen keine schnelle Rundenzeit aufstellen. Für Toto Wolff, der die Favoritenrolle ohnehin scheut, hat am Mittwoch ein anderes Team das Geschehen bestimmt.
"Im Moment ist auf jeden Fall Red Bull die Messlatte", sagte der Mercedes-Teamchef in der Mittagspause. Eine kleine Spitze in Richtung seines größten Rivalen konnte er sich auch beim Lob nicht verkneifen: "Ich hatte gehofft, dass sie schlechter sind, als sie es waren. Aber das Auto, die Power Unit – sie haben einen guten Job gemacht."
Die Vormittagsbestzeit stellte Max Verstappen im RB22 auf, er brauchte auf dem C2-Reifen 1:35.433 Minuten um den Bahrain International Circuit. Von Lando Norris' Tagesbestmarke ist das zwar über sieben Zehntelsekunden entfernt, aber die Pace auf eine Runde war nicht das, was Wolff so an den Bullen beeindruckte.
"Schau dir den Energie-Einsatz an. Sie konnten auf den Geraden viel mehr Energie einsetzen als alle anderen. Wir reden hier von einer Sekunde länger, über aufeinanderfolgenden Runden", behauptete Wolff. Ob diese Zahlen der Wahrheit entsprechen, kann mit den derzeit verfügbaren Informationen von außen nicht bestätigt werden. Sollte das jedoch der Fall sein, wäre das eine sensationelle Leistung von Red Bull – und ein enormer Vorteil gegenüber der Konkurrenz.
Effizienter Red Bull? Wolff ist sicher: Mercedes kann nicht gleichziehen
Energiemanagement spielt in dieser Regelperiode der Formel 1 eine essenzielle Rolle. Aufgrund der begrenzten Batteriekapazität und Rekuperationsmenge steht den Fahrern nur eine gewisse Vollgas-Zeit pro Runde zur Verfügung. In der Regel wird mit maximal 37 Sekunden im Qualifying und 24,3 Sekunden im Rennen gerechnet. Lewis Hamilton klagte bereits darüber, dass er beim Shakedown in Barcelona 600 Meter Lift-and-Coast auf einer Qualifying-Runde machen musste, um genügend Energie aufzuladen.
Eine Sekunde länger auf die volle Batterieleistung zugreifen zu können, würde einen höheren Top-Speed von rund 5 bis 10 km/h bedeuten. Es würde auch heißen, dass Red Bull die Energie entweder effizienter zurückgewinnt, durch ein effizienteres Aero-Paket weniger verbraucht oder ein überlegenes Batteriemanagement hat – oder alles zusammen. Damit hätten sie vom Qualifying bis zum Zweikampf die Nase vorn und könnten die anderen Teams dominieren. Aber wie bereits erwähnt: Ob die Zahlen wirklich stimmen, kann nicht gesagt werden.
Der Mercedes-Boss ist sich jedenfalls sicher, dass er so etwas noch nicht auf einer Longrun-Simulation gesehen hat. "Auf eine Runde haben wir es bereits gesehen. Aber das waren zehn Runden hintereinander mit demselben Energie-Einsatz auf der Geraden. Ich würde sagen, dass sie am ersten offiziellen Testtag – und das ist immer die Warnung dabei – einen guten Job gemacht haben", so Wolff. Könnte Mercedes mit diesem Energiemanagement gleichziehen? "Nein, nicht heute."
Natürlich komme noch dazu, welcher Fahrer im Cockpit des RB22 sitzt. "Sie haben Max [Verstappen, Anm. d. Red.] im Auto. Die Kombination ist stark", schwärmte der Österreicher, der kein Geheimnis aus seiner Bewunderung für den vierfachen Weltmeister macht. Letztes Jahr flirtete er öffentlich mit Verstappen und wollte ihn von Red Bull abwerben. Daraus wurde nichts – zumindest in der Formel 1. Verstappens GT3-Team tritt dieses Jahr bei der GT World Challenge in einem Mercedes-AMG GT3 Evo an. Für einen potenziellen Start des Weltmeisters bei den 24h Nürburgring in einem Mercedes sind die Weichen gestellt. Mehr dazu gibt es hier:



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