Wer startet am besten in die neue Ära der Formel 1? Auf diese Frage haben die wenigsten eine definitive Antwort. Glaubt man Wettbüros und ChatGPT, hat ein Team sehr gute Karten: Mercedes gilt als Favorit für die kommende Saison. Schließlich haben die Silberpfeile den Umstieg auf den Turbo-Hybrid-Motor 2014 perfekt gemeistert und die Königsklasse jahrelang dominiert. Eine Wiederholung 2026 wäre nicht undenkbar. Doch nach dem erfolgreichen Shakedown ist Teamchef Toto Wolff vorsichtig mit frühzeitigen Feierlichkeiten.

F1 2026 - Barcelona-Bilanz: TOPS & FLOPS der Testwoche (31:44 Min.)

"Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich uns definitiv nicht als klaren Favoriten einordnen, dafür ist es einfach zu früh", sagte er im Rahmen der Mercedes-Teampräsentation am Montag. "Ich würde uns dazurechnen, dass wir mit den anderen Teams vorne dabei sind, nicht mehr und nicht weniger. Realistisch sollten wir im Kampf um Siege dabei sein und dann hoffentlich auch um eine Weltmeisterschaft."

Die bescheidenen Worte des Teamchefs lassen aufhorchen, denn die bisherigen Ergebnisse erzählen eine andere Geschichte: Bei den 'geheimen' Testfahrten in der vergangenen Woche präsentierte sich Mercedes als ernstzunehmender WM-Kandidat, George Russells schnellste Runde reichte um nur wenige Hundertstelsekunden nicht für die Bestzeit der Woche. Auch Kimi Antonelli fehlte keine Sekunde auf Lewis Hamilton, den schnellsten Mann des Barcelona-Shakedowns.

Longruns, Wetter und Gewicht: Darum zweifelt Toto Wolff an Favoritenrolle

Dazu zeigte die neue Power Unit keine gravierenden Zuverlässigkeitsprobleme, was bei insgesamt über 1.000 abgespulten Runden eine beeindruckende Leistung für den halbelektrischen Antrieb ist. "Ein Highlight des Tests waren die Kilometer, die wir gefahren sind. Das Auto hat von Anfang an funktioniert. Wir haben viel von der Interaktion zwischen Power Unit und Chassis gelernt, wie wir die verschiedensten Modi tunen können. Wir haben viele Daten gesammelt ", freute sich Wolff über die erfolgreichen Tage.

Ebenso hätten die Longruns im Vergleich mit der Konkurrenz sehr gut ausgesehen. Doch auch hier warnte Wolff vor verfrühtem Übermut: "Wir haben nicht gesehen, was ein Max Verstappen auf Qualifying-Runden oder einem Longrun kann. Wir haben einen Longrun von McLaren mit Lando Norris gesehen, aber das war kein wirklicher Longrun. Alles ist ein bisschen ungewiss." Außerdem herrschten winterlich kühle Temperaturen in Barcelona – die Lieblingsbedingungen der Mercedes-Boliden.

Bei den nächsten Testfahrten (11. bis 13. Februar) im heißen Bahrain mit abrasivem Asphalt könnte die Situation bereits ganz anders aussehen. "Diese vermeintliche Favoritenrolle kann sich sehr schnell in eine negative Wahrnehmung verwandeln. Wenn wir jetzt auf 'Wir sind zu gut' machen und dann in Bahrain feststellen, dass wir die Reifen killen, dann stehen wir natürlich blöd da", mahnte Wolff, den guten Start mit Vorsicht zu genießen.

Zumindest in Sachen Gewicht sei Mercedes einigermaßen gut aufgestellt. Die diesjährigen Formel-1-Boliden sind um 30 Kilogramm leichter als die Vorjahresmodelle. Spekulationen, dass die Teams vor allem im ersten Jahr Probleme mit Übergewicht haben werden, gab es zuhauf – nicht zuletzt über Mercedes-Kunde Williams.

Aber auch das ist für Wolff zu hinterfragen, schließlich wäre es möglich, dass die Konkurrenz beim Test mehr Ballast an Board hatte. "Es geht nicht nur um Sprit, sondern auch, wie viel Sensorik haben in den Autos war. Zehn Kilogramm mehr oder weniger, da sprechen wir von drei Zehnteln", gab der Österreicher zu bedenken. Ob Mercedes seiner Favoritenrolle gerecht werden kann, bleibt also noch abzuwarten.

Ob Mercedes 2026 die Weltmeisterschaft gewinnt oder nicht, eines ist jedenfalls klar: George Russell wird Spaß beim Fahren haben. Er ist verliebt in die neuen Autos, die bereits viel Kritik einstecken mussten. Was gefällt dem Mercedes-Piloten so gut? Lest es hier: