Der erste Sieg in der Formel 1. Jeder Fahrer kann sich daran erinnern. Für Isack Hadjar soll dieser Traum 2026 in Erfüllung gehen. Als er in Bahrain gefragt wurde, ob sein Bauchgefühl ihm sagt, dass der RB22 das Auto ist, mit dem er seinen ersten Sieg feiert, folgte die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Ja."

Dabei lief es für den neuen Teamkollegen von Max Verstappen bisher eher turbulent. Beim Shakedown in Barcelona verlor er am zweiten Tag die Kontrolle über den RB22 und schlug mit der rechten Fahrzeugseite in die Tecpro-Barriere ein. In Bahrain lief es für ihn abermals nicht optimal – diesmal war ein Hydraulikproblem schuld. Nach einer Installationsrunde am Vormittag verschwand der Red Bull in der Garage und tauchte erst wieder am Nachmittag auf.

Heute Nachmittag sitz Hadjar wieder im RB22. Wie er sich schlägt, erfährst du in unserem Liveticker:

Hadjar vollen Lobes für Red Bull-Mannschaft

"Natürlich hat der Tag aufgrund des Problems nicht so begonnen, wie wir es uns erhofft hatten, aber es ist Vorsaison und solche Dinge passieren nun einmal. Das Team hat hart gearbeitet, um mich kurz vor dem Ende der Vormittagssitzung zurück auf die Strecke zu bringen, wodurch wir für den Nachmittag gut aufgestellt waren", lobte Hadjar seine Mannschaft. Generell zeigte sich der 21-Jährige beeindruckt davon, was die Mannschaft in Milton Keynes auf die Beine gestellt hat.

Denn obwohl für den Großteil der F1-Welt Mercedes als Top-Favorit für die Saison 2026 galt, hat vor allem Red Bull für Aufsehen gesorgt. Selbst Toto Wolff räumte ein: "Im Moment ist auf jeden Fall Red Bull die Messlatte. Sie konnten auf den Geraden viel mehr Energie einsetzen als alle anderen. Wir reden hier von einer Sekunde länger, über aufeinanderfolgende Runden." Auch wenn die Frage nach der Favoritenrolle im Moment reine Spekulation ist, so darf mit Fug und Recht behauptet werden, dass die komplett neue Power Unit von Red-Bull-Ford-Powertrains kaum Kinderkrankheiten aufweist.

Damit hatte man selbst intern nicht gerechnet, wie Hadjar in Bahrain verrät. "Die Eindrücke am Ende der letzten Saison waren nicht so positiv: Sagen wir mal so: Selbst innerhalb des Teams gab es Gerüchte. Und dann kam ich nach Barcelona und bin am ersten Tag gleich 110 Runden gefahren. Angesichts dessen, dass das Projekt erst vor drei Jahren gestartet wurde, wurden meine Erwartungen bei Weitem übertroffen." Trotzdem stellt er klar, dass vor dem Saisonauftakt in Australien noch eine Menge Arbeit vor ihm und dem Team liegt.

"Wir werden sicher nicht perfekt vorbereitet nach Melbourne kommen. Niemand wird das", stellte Hadjar klar. Dazu gibt es einfach noch viel zu viel zu lernen. "Man muss einfach mehr Szenarien erleben, um über das Verhalten der Reifen, die Drehmomentabgabe und solche Dinge zu lernen. Es braucht einfach mehr Übung."

Hadjar über aktuelle F1: Man muss mehr sein Gehirn einschalten

In Bahrain sorgte Max Verstappen für Schlagzeilen, als er die aktuelle Formel 1 als "Formel E auf Steroiden" bezeichnete. Hadjar kann den Unmut seines Teamkollegen verstehen, auch wenn er sich vor ähnlich harter Kritik hütet. "Natürlich möchte ich Autos fahren, mit denen ich Rundenrekorde aufstellen kann. Davon habe ich als kleiner Junge geträumt. Aber natürlich bleibt die Vorfreude, gegen die Top-Fahrer um Siege zu kämpfen, bestehen und das ist das Wichtigste für mich. Wenn ich es noch in superschnellen Autos tun könnte, wäre es noch ein bisschen besser", so Hadjar.

Max Verstappen vernichtet Autos 2026: F1-Karriereende droht (09:06 Min.)

Nicht nur Verstappen zeigt sich gegenüber der neuen Fahrzeuggeneration kritisch. Denn beinahe die Hälfte des Antriebs wird elektrisch generiert, während die MGU-H verschwand. In Kombination mit der Maximalleistung von bis zu neun Megajoule pro Runde führt das dazu, dass die Elektropower stark gemanagt werden muss.

Energiesparmaßnahmen wie Lift & Coast auf der Geraden oder ein ungewöhnlicheres Muster bei den Schaltvorgängen sind die Folge davon. "Es ist für alle schwieriger. Das Fahren fühlt sich weniger natürlich an und man muss sein Gehirn etwas mehr anstrengen. Gleichzeitig hat man mehr Möglichkeiten, etwas zu bewirken", erklärte Hadjar politisch korrekt. Eine Aussage konnte er sich dann doch nicht verkneifen: „Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Zeit damit verbracht, den ersten Gang einzulegen."