Die Saga rund um den Mercedes-Motor geht in die nächste Runde. Jetzt schaltet sich auch Alpine ein, in deren A526 ebenfalls die Mercedes Power Unit steckt. Für Alpine-Teamchef Steve Nielsen, der im Verlauf seiner Karriere unter anderem auch für die FIA und FOM gearbeitet hat, sind die politischen Spielchen in der Formel 1 nichts Neues.
"Das ist nichts Neues, speziell wenn es sich um eine große Regeländerung handelt. Diejenigen, die so alt sind wie ich, erinnern sich bestimmt noch an die Geschichte mit dem Doppeldiffusor von Brawn GP. Solche Geschichten tauchen immer wieder auf, insbesondere bei großen Regeländerungen. Die Teams schlagen unterschiedliche Wege ein", sagte Nielsen. Mercedes soll einen Weg gefunden haben, um das Verdichtungsverhältnis des Motors im laufenden Betrieb von 16:1 auf 18:1 zu erhöhen und die Technikkontrollen (bei Umgebungstemperatur) trotzdem zu bestehen.
Motorenstreit: Nielsen sieht Gefahrenpotenzial
Die Konkurrenz läuft dagegen Sturm, doch für Nielsen steht die Legalität des Mercedes-Antriebs außer Frage. "Ich mache mir keine Sorgen, denn die Regeln hinsichtlich der Messung des Verdichtungsverhältnisses sind glasklar. Darin steht ganz klar, dass die Messung bei Umgebungstemperatur erfolgt. Das ist ziemlich eindeutig, auch wenn einige Leute etwas anderes behaupten", so Nielsen. Nächste Woche steht in Bahrain eine weitere Sitzung der F1-Kommission an. Zuletzt schwankten die Anzeichen immer wieder zwischen einer kurzfristigen Regeländerung noch vor dem Saisonstart und dem Beibehalten der Motorvorschriften.
Feststeht: Für eine Regeländerung braucht es eine Super-Mehrheit, folglich auch die Zustimmung der FIA. Allerdings warnt Nielsen davor, dass es in der F1 einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen könnte, wenn die FIA eine Änderung der Regeln unterstützt. "Wenn wir sagen, dass sehr klar formulierte, schriftlich festgelegte Regeln auf diese Weise angefochten werden können, was ist dann noch tabu? Dann steht alles zur Diskussion. Wenn bestimmte Teams etwas nicht mögen, das sehr klar formuliert ist. Wenn man plötzlich eine Lobbygruppe gründen und etwas ändern kann, dann befindet man sich in einer ganz anderen Welt", warnte Nielsen.
Den Vorwurf, nicht objektiv zu sein, angesichts dessen, dass Alpine ein Mercedes-Kundenteam ist, lässt Nielsen nicht gelten. "Die Leute investieren sehr viel Zeit und Geld - insbesondere Geld - in diese Sache, sagen wir mal in gutem Glauben. Wenn wir jedoch plötzlich in eine Welt eintreten, in der alles angefochten werden kann - auch wenn es klar formuliert ist - und dass aus anderen Gründen als der Sicherheit, dann denke ich, dass das eine ganz neue Welt ist, in der wir uns bisher noch nicht befunden haben. Die grundlegendere Frage ist daher, ob wir wirklich einen Sport wollen, in dem klar formulierte Dinge einfach angefochten werden können, weil jemand dazu Lust hat. Das muss die FIA beantworten", betonte Nielsen.
Christian Horner will zurück in die Formel 1 - und Alpine könnte ihm das ermöglichen. Wie? Dazu mehr hier:
Nielsen: Sollen die Konkurrenz doch protestieren
Er hofft, dass die FIA noch vor dem Saisonauftakt in Australien zu einer finalen Entscheidung kommt. Der Möglichkeit, dass es in Melbourne eine Welle an Protesten gibt, sollte die FIA die Vorschriften unverändert lassen, blickt der Alpine-Teamchef gelassen entgegen. "Sie haben das Recht zu protestieren. Wenn sie [die Konkurrenz; Anm. der Redaktion] wirklich so überzeugt sind, dann sollen sie etwas riskieren und etwas dagegen unternehmen, betonte Nielsen und spielte auf die Regelverschärfung an, die 2026 in Kraft trat.
Bislang mussten für die Einlegung eines Protestes bzw. eines Right of Review nur 2.000 Euro als Kaution hinterlegt werden. In den Millionenbudgets der F1-Mannschaften ist das eine nicht ins Gewicht fallende Summe. 2026 werden allerdings gleich 20.000 Euro fällig, die bei der Einlegung eines Protests vorgestreckt werden müssen. Falls der Protest keinen Erfolg hat, geht diese Summe für das Team verloren und bleibt in den Händen der FIA. Vor allem aber fehlt sie den Formel-1-Mannschaften somit auch im Budget-Cap.



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