Die FIA schiebt vor der neuen Saison Protesten durch die Formel-1-Teams eine höhere finanzielle Hürde vor. Im finalen F1-Reglement für das kommende Jahr wurde eine drastische Erhöhung der Gebühr für einen Einspruch gegen eine Entscheidung, beziehungsweise auch für ein 'Right of Review' (Recht auf Neubeurteilung) eingeführt.
Bislang mussten für die Einlegung eines Protestes bzw. eines Right of Reviews nur 2000 Euro als Kaution hinterlegt werden. In den Millionenbudgets der F1-Mannschaften eine nicht ins Gewicht fallende Summe.
In der kommenden F1-Saison werden nun allerdings gleich 20.000 Euro als Kaution fällig, die bei der Einlegung eines derartigen Protests vorgestreckt werden müssen. Falls der Protest keinen Erfolg hat, geht diese Summe für das Team verloren und bleibt in den Händen der FIA. Vor allem aber fehlt sie den Formel-1-Mannschaften somit auch im Budget Cap.
Die Regelwerk-Anpassung war im Vorfeld der FIA-Gala Mitte Dezember in Taschkent abgesegnet worden, wo der Motorsport-Weltrat zum letzten Mal in diesem Jahr zusammengekommen war. Im direkten Anschluss an das Meeting wurden eine Reihe an Regelanpassungen verkündet. Die Erhöhung der Protest-Kaution war damals nicht explizit genannt worden. Die weiteren Regelanpassungen könnt ihr hier nachlesen:
Reaktion auf Red-Bull-Protest? Diskussionen schon im Sommer
Proteste und vor allem Right of Reviews werden von den Teams dazu genutzt, um unliebsame oder umstrittene Entscheidungen auf den Prüfstand zu stellen. Allzu häufig wurden von ihnen aber auch in Fällen Gebrauch gemacht, in denen nur geringe Erfolgsaussichten bestanden.
Die Regelverschärfung kommt, nachdem das Thema schon im Sommer scharf diskutiert worden war. George Russell hatte im Juni eine Erhöhung gefordert, nachdem Red Bull einen Protest nach seinem Sieg in Kanada eingelegt hatte. Dieser war von den Formel-1-Stewards vollumfänglich abgewiesen worden. Anschließend kam das Thema erstmals bei einer Sitzung der F1-Kommission auf den Tisch, ursprünglich ohne unmittelbare Regelanpassung.
Right of Review in der Formel 1 2025: Zweimal erfolgreich
In der vergangenen Saison waren zwei Entscheidungen nach Right of Reviews zurückgenommen worden. Einmal eine 5-Sekunden-Strafe gegen Andrea Kimi Antonelli aufgrund eines angeblichen Unsafe Releases in Australien, und dann eine Strafe gegen Carlos Sainz nach einer Berührung mit Liam Lawson beim Niederlande-GP. In zweiterem Fall war die Strafe schon während dem Rennen abgesessen worden, weshalb Sainz nur die verhängten Strafpunkte erlassen werden konnten.
Zuvor muss man allerdings schon mehr als zwei Jahre zurückgehen, um einen weiteren Fall zu finden, in dem ein Protest durch ein Formel-1-Team von Erfolg gekrönt gewesen ist: Beim Saudi-Arabien-GP 2023 wurde Fernando Alonso eine ursprünglich ausgesprochene Zeitstrafe gestrichen, nachdem er angeblich eine vorherige Strafe beim Boxenstopp nicht ordnungsgemäß abgesessen habe. Doch das Team konnte die Stewards vom Gegenteil überzeugen.
Ein 'Right of Review' kann im Gegensatz zu einem Protest, dessen Einsatzgebiet stark eingegrenzt ist, auch bei Tatsachen-Entscheidungen der Stewards - wie etwa Strafen - geltend gemacht werden. Er kann außerdem bis zu 96 Stunden nach dem Ende eines Wochenendes noch eingelegt werden. Außerdem fiel für ihn bis Ende 2023 auch keine Kaution an. Ein weiterer Grund, weshalb die Formel-1-Teams dieses Rechtsmittel einem offiziellen Protest vorzogen. Erst 2024 wurden die finanzielle Hemmschwelle von 2000 Euro dafür überhaupt eingeführt.



diese Formel 1 Nachricht