Vor der Jahreshauptversammlung der FIA wurde in der usbekischen Hauptstadt Taschkent die letzte Sitzung des Motorsport-Weltrates (WMSC) in diesem Jahr abgehalten. Große Reformen blieben dabei erwartungsgemäß zwar aus, dafür wurden aber eine Reihe von Formel-1-Reglements adaptiert und auch die Superlizenz unter die Lupe genommen. Bei dieser wurde das Punktesystem für eine Serie angepasst.

Namentlich handelt es sich dabei um die US-amerikanische IndyCar-Meisterschaft. Diese wird nun in der Punkteverteilung für die gerne als F1-Führerschein betitelte Superlizenz besser berücksichtigt. Konkret profitieren jene Piloten, welche die Formelmeisterschaft in den USA auf den Positionen 3 bis 9 abschließen.

Mehr Superlizenz-Punkte für IndyCar

Während der Champion mit 40 Punkten weiterhin automatisch die für die Formel 1 geforderte Summe an Lizenz-Punkten erhält, bleibt auch der Vize-Meister bei 30 Zählern. P3 wird nun aber mit 25 Punkten belohnt und P4 mit 20 Zählern. Zuvor wurden diese beiden Positionen nur mit 20 bzw. 10 Punkten bedacht. Anschließend setzt sich die erhöhte Punkteverteilung über die weiteren Positionen bis P9 fort. P10 erhält nach wie vor einen Zähler, während alle außerhalb der Top-10 auch weiterhin keine Punkte erhalten. Die genauen Punktezahlen könnt ihr der Tabelle entnehmen.

Formel 1 Superlizenz: So viele Punkte bringt die IndyCar 2026 vs. 2025

ab 2026bis 2025
P14040
P23030
P32520
P42010
P5158
P6106
P784
P863
P932
P1011

Die Anpassung wurde mit einer steigenden Signifikanz der US-Serie begründet. In den letzten Jahren hatte es vor allem in den USA häufig Kritik an der Punkteausschüttung gegeben. Für die Formel-1-Saison 2023 verhinderte diese etwa einen Wechsel von IndyCar-Star Colton Herta zu AlphaTauri (heute: Racing Bulls). Der US-Pilot hatte nicht ausreichend Punkte vorweisen können. Nach dem neuen System wäre der Wechsel möglich gewesen.

Superlizenz-Punkte laufen automatisch nach drei Jahren ab, was es erschwert, die 40 Zähler für ein F1-Cockpit einzusammeln. Nach wie vor gibt es in der Formel-2-Serie am meisten SL-Punkte zu holen, dort kommen die Top-3 automatisch auf die 40 geforderten Zähler. Auch wenn gerne vom F1-Führerschein die Rede ist, gelten Superlizenz-Punkte inzwischen auch als Hürden bei anderen Serien. So etwa für die Formel E, was Porsche und DTM-Champion Ayhancan Güven Kopfzerbrechen bereitet. Hier alle Infos dazu:

Auf Mick Schumacher, der ab der kommenden Saison in der IndyCar-Meisterschaft an den Start geht, hat die Änderung übrigens keine Auswirkung, denn für ihn sind Superlizenz-Punkte ohnehin irrelevant. Als ehemaliger Formel-1-Fahrer verfügt er über eine Superlizenz und auch im Falle einer Neu-Beantragung reicht eine Einzelfallprüfung unabhängig von der Punkteanzahl.

Formel 1 kann Sprint-Training verlängern

Der WMSC verabschiedete auch eine Reihe an Anpassungen des sportlichen und technischen Reglements. Im sportlichen Regelwerk sticht eine Ausnahmeregelung hervor. Zum einen soll es in Zukunft nun möglich sein, dass ein F1-Training nach einer roten Flagge verlängert werden kann. Das gilt allerdings nur bei den Sprint-Events, die nur mit einer Trainings-Session auskommen.

Damit soll sichergestellt werden, dass auch an jenen GP-Wochenenden, an denen ein Sprint ausgefahren wird, relevante Trainingszeit gesammelt werden kann. Ebenfalls in Bezug auf rote Flaggen wurden auch die Regeln zu Rennunterbrechungen und den anschließenden Fortsetzungen angepasst. Die FIA spricht von einer Vereinfachung, was das allerdings konkret bedeutet, kann noch nicht nachvollzogen werden. Das aktualisierte Reglement wurde noch nicht veröffentlicht.

Regel-Eigenheit für Sprint-Qualifying geschlossen

Zudem wurde eine weitere Regel-Eigenheit für Sprint-Wochenenden geglättet. In Zukunft wird die Reifen-Limitierung bei einem Sprint-Qualifying (also verpflichtend Medium in SQ1 und SQ2; Soft in SQ3) auch dann greifen, wenn zuvor ein Abschnitt des Sprint-Qualifyings als Wet, also als verregnet, deklariert wurde. Bisher war es möglich, wenn ein SQ unter nassen Bedingungen begann und dann auftrocknete, die Soft-Pneus in SQ1 und SQ2 aufzuziehen. Das soll damit abgeschafft werden.

Außerdem dürfen die Teams in der kommenden Formel-1-Saison mehr Personal für den Betrieb der Autos an der Strecke einsetzen. Dieses sogenannte "operational personnel" war bisher auf 58 Mitarbeiter begrenzt, 2026 sind es 60. Der Regel-Passus soll aber nur vorübergehend sein, um die neue Fahrzeug-Generation effizient betreiben zu können.

Ebenfalls fixiert wurde, dass ab 2027 wieder nur je ein Test vor der Formel-1-Saison abgehalten wird. Das war bereits in den letzten Jahren der Fall, 2026 gibt es nur eine Ausnahme aufgrund des Starts in die neue Regelperiode und dem damit einhergehenden zusätzlichen Test-Bedarf. Zudem wurden im sportlichen Reglement auch Regelungen zu den Pirelli-Reifentests und zum Adjustable Bodywork, das ab dem nächsten Jahr Einzug hält, verabschiedet. Ohne allerdings weiter ins Detail zu gehen.

In Bezug auf das technische Reglement wurden nur kleinere Veränderungen in Bezug auf die Flügel-Biegsamkeits-Tests verkündet, sowie Anpassungen in Bezug auf das Energie-Management. Konkrete Details wurden auch hier wiederum nicht genannt. Zudem wurde die Strukturierung der verschiedenen Reglements-Zweige innerhalb des Regelwerks für mehr Übersichtlichkeit vereinheitlicht. Auswirkung auf die Formel-1-Regeln selbst ergeben sich daraus aber keine.

Formel 1 Superlizenz erklärt: Wer bekommt den F1-Führerschein? (11:36 Min.)