Die Nachricht verbreitete sich am Dienstag wie ein Lauffeuer im Formel-1-Kosmos: Dr. Helmut Marko verlässt mit Ende des Jahres 2025 Red Bull Racing. Der 82-Jährige geht nach mehr als zwei Jahrzehnten beim österreichischen Rennstall in den wohlverdienten Ruhestand. Doch wie kam er überhaupt zu seiner Position? Wir lassen die lange Karriere des F1-Urgesteins Revue passieren.
Die Anfänge: Aufsteigender Formel-1-Stern von Stein abgeschossen
Helmut Markos Motorsport-Karriere begann lange vor Max Verstappen und Red Bull. Während der Schulzeit war er mit dem späteren Formel-1-Weltmeister Jochen Rindt befreundet. Die gemeinsame Begeisterung für den Rennsport fing mit Wettfahrten auf dem Weg zur Schule in einem VW Käfer an. Nach dem Schulabschluss wurde Rindt professioneller Rennfahrer, 1964 stieg er in die Formel 1 auf. Seine Erfolge ebneten den Weg für Marko, der zuvor – um dem Wunsch seines Vaters gerecht zu werden – mit einem Doktortitel in Rechtswissenschaften promovierte.
Direkt nach seinem Studium stieg er 1967 in die Formel V ein, es folgte der Aufstieg in die Formel 3 und Auftritte in Sportwagenrennen. Seinen größten Erfolg feierte er 1971, als er die 24 Stunden von Le Mans in einem Porsche 917 gewann. Im selben Jahr gab er sein Formel-1-Debüt beim Großen Preis von Deutschland. Sein Heimrennen in Spielberg beendete er auf Rang 11.
Der Schlüsselmoment in seiner Karriere war der Frankreich Grand Prix 1972. Das erste Mal fuhr Marko mit einem modernen Chassis, nachdem er davor nur mit Vorjahres-Modellen antrat. Dafür war er jedoch etwas zu groß, wie er 2019 im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com verriet. Diese zehn Zentimeter veränderten sein Leben: In Runde 9 durchschlug ein von seinem Vordermann hochgeschleuderter Stein Markos Helmvisier und traf sein linkes Auge. Er konnte seinen BRM noch sicher neben der Strecke abstellen, bevor er ohnmächtig wurde. Wegen der schlechten Erstversorgung konnte sein Auge nicht gerettet werden. Das bedeutete das Ende von Markos Rennkarriere.
Das ganze Interview mit Helmut Marko von 2019, in dem er über seinen Werdegang, seine Freundschaft mit Jochen Rindt und seine Red-Bull-Erfolge spricht, gibt es hier zu sehen:
Helmut Marko und Red Bull: Vom Zufallstreffen zur Formel-1-Größe
Es war ein bitteres Karriereende für Marko, der bereits einen Vorvertrag mit Ferrari für die Formel-1-Saison 1973 hatte. Anstatt sein JUS-Studium zu nutzen, ging er in die Hotelbranche. Den Rennsport ließ er nie gehen, 1984 gründete er sein eigenes DTM-Team RSM-Marko und stieg damit auch in die deutsche Formel 3 sowie die Formel-3000-Meisterschaft ein. Fahrer wie Gerhard Berger und Christian Danner gingen für ihn an den Start.
Seine Verbindung zu Red Bull entstand durch Zufall. Firmengründer Dietrich Mateschitz war Gast in einem von Markos Hotels, als sich das Unternehmen in der Anfangsphase befand. Die beiden verband eine Affinität zum Motorsport, der Red-Bull-Chef war Zuschauer bei Markos Bergrennen gewesen. Als Red Bull in den 90er Jahren abhob, wurde der Energy-Drink-Konzern Sponsor von Markos Team.
Als Mateschitz 2004 das Formel-1-Team Jaguar Racing kaufte, wurde Marko als Motorsportberater und -chef ins Boot geholt. Sein Hauptaugenmerk lag auf dem Entdecken junger Talente – was ihm mit Sebastian Vettel gleich auf Anhieb gelang. Der Deutsche war der erste Red-Bull-Junior und holte mit vier Weltmeistertiteln die ersten großen Erfolge für den österreichischen Rennstall. Mit dem Projekt Max Verstappen gelang ihm eine Wiederholung des Meisterstücks. Insgesamt ist Marko für die Karrieren von 18 Formel-1-Fahrern mitverantwortlich. Hier ist eine Übersicht zu Markos Red-Bull-Junioren.
| Name | F1-Jahre bei einem Red-Bull-Team |
|---|---|
| Christian Klien | 2005 bis 2006 |
| Vitantonio Liuzzi | 2005 bis 2007 |
| Scott Speed | 2006 bis 2007 |
| Sebastian Vettel | 2007 bis 2014 |
| Sébastian Buemi | 2009 bis 2011 |
| Jaime Alguersuari | 2009 bis 2011 |
| Jean-Éric Vergne | 2012 bis 2014 |
| Daniel Ricciardo | 2012 bis 2018, 2023 bis 2024 |
| Daniil Kvyat | 2014 bis 2020 |
| Max Verstappen | seit 2015 |
| Carlos Sainz Jr. | 2015 bis 2017 |
| Pierre Gasly | 2017 bis 2022 |
| Brendon Hartley | 2017 bis 2018 |
| Alexander Albon | 2019 bis 2020 |
| Yuki Tsunoda | 2021 bis 2025 |
| Liam Lawson | seit 2023 |
| Isack Hadjar | seit 2025 |
| Arvid Lindblad | ab 2026 |
Nach dem Tod von Dietrich Mateschitz 2022 brach ein Machtkampf zwischen ihm und dem damaligen Red-Bull-Teamchef Christian Horner aus. Im Sommer 2025 wurde Horner nach einem anhaltenden Performance-Abfall entlassen. Doch der Verlust des fünften WM-Titels traf den Grazer, der trotz eines Rückstandes von 104 Punkten nie an Verstappens Erfolg zweifelte. Mit Markos Abgang verlässt das letzte Überbleibsel der alten Formel-1-Generation das Fahrerlager. Wer seine Rolle in Zukunft füllen wird, ist noch nicht klar. In kürzerer Vergangenheit fiel aber immer wieder Sebastian Vettels Name – nicht zuletzt von Marko selbst.
Im Rahmen des Brasilien Grand Prix war Sebastian Vettel im F1-Fahrerlager anwesend und wurde zu einer möglichen Marko-Nachfolge befragt. Seine Antwort? Die gibt es hier zu lesen:



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