Christian Horner ist seinen Job als Teamchef bei Red Bull Racing los. Das gab Red Bull am Mittwoch bekannt. Damit endet die Ära Horner, die vor über 20 Jahren in Milton Keynes gemeinsam mit der Übernahme von Jaguar begonnen hat und als Erfolgsgeschichte in insgesamt acht Fahrer- und sechs Konstrukteurstiteln mündete. Es ist die logische Konsequenz eines Niederganges des einst umjubelten Senkrechtstarters, der schon mit 31 Teamchef wurde und seit letztem Jahr immer mehr zu einem umstrittenen Buhmann wurde. Die Chronologie bis zum Horner-Aus.
Christian Horner fliegt bei Red Bull raus: Die Chronologie seines Absturzes
22. Oktober 2022: Der Tod von Dietrich Mateschitz
Der Ausgangspunkt hat eigentlich nichts mit Christian Horner selbst zu tun. Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz verstarb am Samstag des USA-GPs 2022. In der Formel 1 und weit darüber hinaus wurde sein Ableben betrauert. Intern hinterließ er aber auch ein Machtvakuum, das schnell zu Reibereien innerhalb des damals tonangebenden Teams der Formel 1 führte.
Herbst 2023: Machtkampf bei Red Bull
Es dauerte weniger als ein Jahr, dass dieses Vakuum zu einem erbitterten Machtkampf innerhalb des Teams führte. Horner soll diesen maßgeblich angezettelt haben, indem er versuchte, Red-Bull-Motorsportchef Dr. Helmut Marko loszuwerden und so nicht nur seine Macht bei Red Bull Racing auszuweiten, sondern vor allem auch die Kontrolle über beide Formel-1-Teams der Energy-Drink-Marke zu erlangen.
Chat-Affäre bringt Christian Horner ins Wanken: Red Bull ermittelt
5. Februar 2024: Red Bull ermittelt gegen Teamchef
Nachdem in den Tagen zuvor Gerüchte über ein mögliches 'persönliches Fehlverhalten' von Horner aufkamen, bestätigte der Mutterkonzern Red Bull am 5. Februar interne Ermittlungen gegen ihn. Dabei ging es um Vorwürfe einer Red-Bull-Mitarbeiterin, dass sich Horner ihr gegenüber 'unangemessen' verhalten habe. Ein externer Anwalt wurde mit der Durchführung der Untersuchung beauftragt. Spekulationen über einen Zusammenhang zwischen dem Red-Bull-Machtkampf und den aufkommenden Vorwürfen hatten Hochkonjunktur, diese wurden aber nie zweifelsfrei bestätigt.
28. Februar 2024: Christian Horner darf bleiben
Etwas mehr als drei Wochen nach dem Beginn der Untersuchung kam diese zu einem Ergebnis und wies die Beschwerde gegen Horner ab. Horner durfte also Teamchef bleiben. Während die US-amerikanischen Partner von Red Bull - in erster Linie Ford - eine lückenlose Aufklärung gefordert hatten, verdankte es Horner wohl den thailändischen Mehrheitseigentümern, dass er während und nach der Untersuchung im Amt bleiben durfte. Die Mitarbeiterin legte in der Folge Einspruch gegen diese Entscheidung ein, dieser wurde am 8. August abgewiesen.
29. Februar 2024: Chat-Affäre nimmt Fahrt auf
Einen Tag nach dem Freispruch erreichte eine Mail FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem, F1-Boss Stefano Domenicali und die anderen neun Teambosse, sowie zahlreiche F1-Medien. In dieser befanden sich angebliche Chatverläufe zwischen Horner und der betroffenen Red-Bull-Mitarbeiterin und Bilder, die das Fehlverhalten beweisen sollten. Deren Authentizität konnte nie nachgeprüft werden. Die Diskussionen rund um die Mail erhöhten aber den Druck auf Horner.
01.-03. März 2024: Horner unter Beschuss
Das darauffolgende Bahrain-Wochenende stand ganz im Zeichen der Chat-Affäre. Horner versuchte die Angelegenheit zu beruhigen und zeigte sich demonstrativ mit seiner Ehefrau Geri Halliwell und Red-Bull-Konzerneigentümer Chalerm Yoovidhya an der Strecke. Die Unterstützung aus Thailand schien ihm also sicher. Gleichzeitig stellte sich Max' Vater Jos Verstappen offen gegen den Red-Bull-Teamboss. "Das Team läuft Gefahr, zerrissen zu werden", behauptete Jos und forderte ein Aus von Horner.
08.–09. März 2024: Mitarbeiterin geht vor Gericht, Drama um Dr. Marko
Am Wochenende des Saudi-Arabien-GPS wurde bekannt, dass die involvierte Angestellte mit einer zivilrechtlichen Klage gegen Horner vorgehe. Gleichzeitig ging der Machtkampf bei Red Bull unvermittelt weiter: Dr. Helmut Marko teilte in einem ORF-Interview mit, dass seine Suspendierung drohe. Nach einem Gespräch mit Mintzlaff und nachdem er Rückendeckung von Verstappen erhalten hatte, wurde der Verbleib von Marko bestätigt.
Formel 1 2024: Verstappen-Gerüchte und sportliche Talfahrt
28. März 2024: Mercedes will Verstappen
Wie porös die Macht von Christian Horner bei Red Bull infolge dieser Affäre war, zeigte der Poker um Max Verstappen. Toto Wolff stellte infolge des Abgangs von Lewis Hamilton in den Raum, dass der Niederländer sein Wunschkandidat wäre. Nur ein erster von vielen Flirts mit dem vierfachen Weltmeister. Dieser zierte sich lange, ein Bekenntnis zu seinem Team abzugeben. Ein Faustpfand im Machtkampf auf Seiten von Marko, mit dem man Horner unter Druck setzen konnte. Erst im Juni lieferte Verstappen ein Red-Bull-Bekenntnis für 2025.
01. Mai 2024: Adrian Newey verlässt Red Bull
Am 01. Mai wurde bekanntgegeben, dass Adrian Newey Red Bull im ersten Quartal 2025 verlassen würde. Wie im Herbst bekanntwurde, zog es den Star-Designer zu Aston Martin. Adrian Newey war lange ein enger Vertrauter von Christian Horner, das Verhältnis zwischen den beiden soll aber durch den internen Machtkampf stark gelitten haben. Er war nur der prominenteste in einer Reihe von Abgängen bei Red Bull: Rob Marshall war schon zuvor zu McLaren gewechselt. Im August wurde bekannt, dass Sportdirektor Jonathan Wheatley zu Sauber gehen würde. Auch Chef-Stratege Will Courtenay kündigte seinen Red-Bull-Abschied 2024 an und geht zu McLaren. Horner verlor dadurch eine Reihe integraler Bestandteile seines Erfolgsteams.
Juli - Dezember 2024: Red Bull verliert Team-WM
Sportlich ging es für Red Bull ab dem Sommer 2024 rapide bergab. Hatte Max Verstappen zuvor noch Siege am laufenden Band gefeiert, stahlen McLaren und zunehmend auch Ferrari den Bullen die Show. Da gleichzeitig auch Sergio Perez eine sportliche Talfahrt hinlegte, entglitt Red Bull die Anfang des Jahres sicher geglaubte Konstrukteurs-WM zunehmend und man landete nur auf Rang 3. Verstappen wurde nur dank seines Punktepolsters vom Saisonbeginn noch Fahrer-Weltmeister. Die sportlichen Probleme führten zu einer Art Waffenstillstand im Machtkampf.
Formel 1 2025: Red Bull und Verstappen ohne WM-Chancen?
Saisonstart 2025: Red Bull immer noch nicht top
Die sportliche Dürrephase für das erfolgreichste Team der Vorjahre setzte sich zu Saisonbeginn 2025 weiter fort. Auch ein Sieg von Verstappen in Japan konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass McLaren das Team ist, das es zu schlagen gilt. Verstappen selbst schrieb schon früh den Titelkampf ab und sah sich auf verlorenem Posten. Die Konstrukteurs-WM war beinahe mit dem Saisonstart schon verloren, da Liam Lawson und später Yuki Tsunoda als Nummer-2-Fahrer hinter Verstappen kaum Punkte beitragen konnten.
Februar - Juni 2025: Bleibt Verstappen bei Red Bull?
Angesichts der sportlichen Probleme schien es beinahe unausweichlich, dass die Zukunft von Verstappen bei Red Bull in Frage gestellt wurde. Zunächst waren es Meldungen rund um Aston Martin, die mit einem Verstappen-Transfer in Verbindung gebracht wurden. Später übernahm Mercedes diese Rolle. Die Rückendeckung Horners durch die thailändischen Red-Bull-Eigentümer geriet angesichts der Unsicherheit um ihren Topfahrer zunehmend in Zweifel.
15. Mai 2025: Gerüchte über Horner-Entlassung
Der drohende Abgang von Verstappen und die mangelnde Performance des RB21 riefen bereits im Mai die ersten Gerüchte auf den Plan, wonach ein Rauswurf von Horner unmittelbar bevorstehe. Das behaupteten jedenfalls italienische Medien, die Imola als entscheidendes Rennen für die Horner-Zukunft ausmachten. Verstappen und Marko widersprachen den Gerüchten entschieden. Auch dass der Niederländer am folgenden Sonntag in Imola siegte, ließ die Gerüchte schnell in Vergessenheit geraten.
26. Juni - 01. Juli 2025: Verstappen und Mercedes
Die Gerüchte um einen Red-Bull-Abgang von Verstappen nahmen rund um das Österreich-Wochenende erneut heftig an Fahrt auf, was ursprünglich auf eine Aussage von George Russell zurückging, der noch immer keinen Mercedes-Vertrag für 2025 hat. Das gipfelte am darauffolgenden Dienstag in schnell dementierten Meldungen, wonach der Niederländer schon eine grundsätzliche Übereinkunft mit Mercedes habe. Intern soll sich laut Informationen von Auto Motor und Sport das Verstappen-Lager für eine Macht-Verringerung von Horner stark gemacht haben.
29. Juni & 6. Juli 2025: WM-Titel verloren?
Sportlich wurden die letzten zwei Formel-1-Rennen zu einer Katastrophe für Red Bull. In Österreich wurde Verstappen auf der ersten Runde von Kimi Antonelli abgeschossen, eine Woche später in Silverstone kostete ihm ein Dreher im Regen ein sicher geglaubtes Podium. Bereits nach Spielberg gab Dr. Helmut Marko zu, dass die WM so gut wie gelaufen sei. Christian Horner formulierte es sanfter, ließ aber im Wesentlichen die gleiche Meinung durchklingen.
9. Juli 2025: Horner fliegt bei Red Bull raus
Am Mittwoch nach Silverstone gab Red Bull offiziell bekannt, dass Christian Horner nach 20 Jahren seinen Job als Teamchef los ist. In der Bekanntgabe dankte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff Horner für seine Dienste. Auf eine Begründung für den Rauswurf verzichtete man. Neben dem sportlichen Niedergang und der Unsicherheit rund um Verstappen soll auch Horners Widerstand gegen interne Umstrukturierungen den Geduldsfaden von Red Bull Thailand zum Reißen gebracht haben.



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