Die Gerüchte der letzten Tage bestätigen sich heute offiziell. Wie Red Bull in einer Pressemitteilung am Dienstag um 15 Uhr bekanntgab, verlässt Dr. Helmut Marko das Formel-1-Programm der Bullen mit Ende des Jahres und wird damit in der kommenden Saison nicht mehr als Motorsportchef bzw. -berater mit von der Partie sein.

Bereits am Sonntag hatte sich angekündigt, dass Marko Red Bull möglicherweise verlassen wird. Der 82-Jähriger ließ in einem Interview mit Motorsport-Magazin.com offen, ob man ihn nächstes Jahr noch in der Königsklasse sehen werde. Er hatte erklärt, dass dies Teil von Gesprächen sein werde und er sich nicht sicher sei, ob er noch Lust auf die Formel 1 habe.

Red Bull: Marko-Abschied auf eigenem Wunsch hin

Über die Gründe für den Abschied von Marko herrschte bis zuletzt Ungewissheit. Red Bull spricht nun aber davon, dass Marko Red Bull auf eigenen Wunsch hin verlässt. Am Montag machten unbestätigte Meldungen die Runde, dass ein Zerwürfnis mit der Red-Bull-Führung in Bezug rund um F2-Fahrer Alex Dunne ein Auslöser für den Abschied sein könnte.

Demnach habe Marko dem ehemaligen McLaren-Junior schon einen Vertrag ausgehändigt, obwohl die weiteren Red-Bull-Entscheidungsträger nicht von dem Iren überzeugt waren. Außerdem sei man nicht glücklich über die kritischen Aussagen von Marko über Kimi Antonelli in Katar gewesen, so die Gerüchte.

Marko wurde in der Pressemitteilung aber folgendermaßen zitiert: "Ich bin nun seit sechs Jahrzehnten im Motorsport tätig, und die vergangenen mehr als zwanzig Jahre bei Red Bull waren eine außergewöhnliche und äußerst erfolgreiche Reise. Es war eine wunderbare Zeit, die ich mitgestalten und mit so vielen talentierten Menschen teilen durfte. Alles, was wir gemeinsam aufgebaut und erreicht haben, erfüllt mich mit Stolz."

Als Grund für seinen Abschied gibt Marko das Ende der F1-Saison 2025 an, in der Verstappen den Titel gegen Lando Norris nur um zwei Punkte verpasst hatte: "Das knappe Verpassen der Weltmeisterschaft in dieser Saison hat mich sehr bewegt und mir klar gemacht, dass für mich persönlich nun der richtige Moment gekommen ist, dieses sehr lange, intensive und erfolgreiche Kapitel zu beenden."

"Ich wünsche dem gesamten Team weiterhin viel Erfolg und bin überzeugt, dass sie auch im nächsten Jahr wieder um beide Weltmeistertitel kämpfen werden", so Marko abschließend. Oliver Mintzlaff, der als CEO Corporate Projects and Investments bei Red Bull zuständig für das F1-Programm ist, sagte: "Helmut ist mit dem Wunsch auf mich zugekommen, seine Rolle als Motorsportchef zum Ende des Jahres zu beenden."

"Ich bedauere seine Entscheidung zutiefst, denn er war über mehr als zwei Jahrzehnte eine prägende Figur und sein Abschied markiert das Ende einer außergewöhnlichen Ära. Helmut hat in über 20 Jahren unvergleichliche Verdienste für unser Team und die gesamte Red-Bull-Motorsportfamilie erworben. Er war maßgeblich an allen entscheidenden Weichenstellungen beteiligt, die Red Bull Racing zu dem gemacht haben, was es heute ist: ein mehrfacher Weltmeister und eine feste Größe im internationalen Motorsport", so Mintzlaff weiter, der auch die Verdienst von Marko rund um das Nachwuchs-Team hervorhob.

Dr. Helmut Marko: Formel-1-Ära geht zu Ende

Mit dem Aus von Marko geht eine Ära von über zwei Jahrzehnten zu Ende. Dr. Helmut Marko war mit der Übernahme von Jaguar durch Red Bull 2005 als Motorsportchef der Getränkemarke in der Formel 1 eingestiegen, nachdem er bereits über zwei Jahrzehnte lang sein eigenes Rennteam geführt hatte. Neben seiner Rennsport-Tätigkeit ist der promovierte Jurist auch als Hotelier in seiner Heimat tätig. In Graz besitzt er mehrere Hotels.

Der ehemalige F1-Pilot und Le-Mans-Sieger, der bei einem Zusammenstoß mit einem Stein beim Frankreich-GP 1972 ein Auge verloren hatte, fungierte im Paddock lange Jahre als direkter Draht zu dem 2022 verstorbenen Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz und verfügte über eine breite Entscheidungsgewalt bei beiden Rennställen der Marke – also auch bei den Racing Bulls. Er zeichnete sich unter anderem dafür verantwortlich, dass Max Verstappen in jungen Jahren in die Formel 1 und gleichzeitig ins das Red-Bull-Camp kam.

Nach dem Tod von Mateschitz übernahm Oliver Mintzlaff als Teil eines Nachfolger-Trios die Zuständigkeit für die Sportaktivitäten des Energy-Drink-Konzerns. Schon in den letzten Jahren war die Stellung von Marko als Motorsport-Berater im Rahmen eines Machtkampfes mit Red-Bull-Racing-Teamchef Christian Horner mehrmals unter Bedrängnis geraten. 2024 hatte sich das Verstappen-Lager klar hinter Marko gestellt und damit seinen Verbleib gesichert.

Horner wurde im Sommer trotz laufenden Vertrags aus seiner Rolle als Teamleiter entfernt. Sein Nachfolger war mit Laurent Mekies der ehemalige Racing-Bull-Teamboss. Auch Marko verfügte eigentlich noch über einen gültigen Vertrag für die nächste Saison. Anfang 2024 war eine dreijährige Vertragsverlängerung verkündet worden, die somit auch das Jahr 2026 umfasste.

Ob es für die Rolle von Marko einen Nachfolger geben wird, oder wer ansonsten die Aufgaben des Grazers im F1-Programm der Bullen übernehmen wird, ist nicht bekannt. Sebastian Vettel war mehrfach lose als Kandidat für die Nachfolge ins Gespräch gebracht worden. Wie konkret diese Ideen sind oder waren, ist allerdings nicht bekannt. Neben seiner repräsentativen Funktion leitete Marko auch das Nachwuchsprogramm der von Red Bull, das mit Vettel und Verstappen zwei vierfache Champions hervorbrachte und auch abgesehen davon einer Reihe von aktiven F1-Piloten zu ihrem Einstieg in die Königsklasse verhalf.