Seit Montag ist es offiziell: Mick Schumacher wird 2026 in der IndyCar-Meisterschaft an den Start gehen. Der ehemalige Formel-1- und WEC-Pilot fährt für Rahal Letterman Lanigan Racing, nachdem er schon im Oktober einen Test in Indianapolis für das Team bestritt, das unter anderem dem berühmten TV-Host David Letterman und dem ehemaligen IndyCar-Fahrer Bobby Rahal gehört.

Das Team zählt zu den Hinterbänklern der Serie, deshalb dürfen von Schumacher vor allem in seiner ersten Saison keine Wunderleistungen erwartet werden. Aber anders als etwa in seiner ersten Haas-Saison in der Formel 1 bedeutet das nicht, dass er chancenlos sein wird. Denn im Gegensatz zur Königsklasse kommen in der IndyCar-Serie Einheitschassis zum Einsatz, die Unterschiede zwischen den Teams fallen dementsprechend gering aus. Doch um was für ein Auto handelt es sich dabei? Motorsport-Magazin.com erklärt alle Details.

IndyCar zu gefährlich? Mick Schumacher: Akzeptiere das Risiko (12:36 Min.)

Mick Schumachers IndyCar-Auto: Das ist der Dallara DW-12

Das Chassis, das in der IndyCar-Serie zum Einsatz kommt, hört auf den Namen Dallara DW-12. Hergestellt wird es im US-Hauptsitz der italienischen Chassis-Manufaktur in Speedway, Indiana und damit in fußläufiger Entfernung zum weltberühmten Indianapolis Motor Speedway. Es wird bereits seit dem namensgebenden Jahr 2012 gefahren und ist damit schon etwas in die Jahre gekommen. Diskussionen über die Einführung eines neuen Chassis treten aber seit Jahren auf der Stelle.

Benannt ist das Chassis, das ursprünglich auf den Namen IR-12 getauft werden sollte, nach dem ehemaligen IndyCar-Champion Dan Wheldon. Der zweifache Indy-500-Sieger war 2011 maßgeblich an der Entwicklung des Autos beteiligt, ehe er im selben Jahr bei einem Unfall beim Saisonfinale auf dem Las Vegas Motor Speedway tödlich verunglückte.

Grundsätzlich kommt bei allen Rennen der DW-12 zum Einsatz. Jedoch gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Autos, die auf Rundkursen verwendet werden, und jenen, die auf den Ovalen fahren. Vor allem, was das Aero-Paket und die mechanische Abstimmung angeht, aber auch bei zahlreichen weiteren Details. Die Abstimmungsunterschiede gehen soweit, dass die meisten Teams dezidierte Rundkurs- und Oval-Chassis verwenden.

Mick Schumachers erster IndyCar-Test in Indianapolis mit dem Team RLL
Mick Schumachers Rennauto in der IndyCar-Serie, Foto: IndyCar/Penske Entertainment

Wie beschreibt Mick Schumacher das Fahrgefühl im IndyCar?

Mick: "Das IndyCar hat eine Windschutzscheibe, weshalb deutlich weniger Luft direkt auf den Fahrer trifft. Im Vergleich zur Formel 1 ist das Geschwindigkeitsgefühl dadurch nicht ganz so extrem. Was vor allem auffällt, ist die Beschleunigung und die Kurvengeschwindigkeit in Kombination mit dem vorhandenen Abtrieb."

"Natürlich haben wir im IndyCar deutlich weniger Downforce und deutlich weniger Leistung, weshalb sich das Fahrgefühl eher in Richtung eines Formel-2-Autos bewegt - nur mit besseren Reifen. Es ist ein Auto, das man richtig über die Strecke pressen muss. Man kämpft viel mit dem Fahrzeug und neigt dazu, es in manchen Bereichen zu überfahren, um Performance herauszuholen. Das unterscheidet sich komplett von allen Autos, die ich bisher gefahren bin."

Wie schnell ist ein IndyCar?

Wie bei so vielen Details in der IndyCar-Meisterschaft, unterscheidet sich das natürlich wiederum zwischen den Spezifikationen für die einzelnen Streckentypen. In der Highspeed-Metropole von Indianapolis erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 380 Km/h. Auf den Rundkursen bewegt sich der Topspeed rund um 300 Km/h.

Im Rundenzeit-Vergleich ist ein IndyCar natürlich deutlich schneller als ein LMDh-Prototyp, den Schumacher zuletzt für Alpine in der WEC gesteuert hatte. Im Durchschnitt beläuft sich der Unterschied gemessen an den Strecken, die sowohl in der IMSA als auch in der IndyCar 2025 im Kalender standen, auf einer Qualifying-Runde auf etwa sieben Prozent zugunsten des Dallara DW-12 gegenüber den Hypercar-Prototypen.

Welche Motoren gibt es in der IndyCar-Serie?

In der IndyCar-Serie kommt seit dem Vorjahr Hybrid-Antrieb zum Einsatz, wobei der Anteil der Elektro-Komponenten im Vergleich etwa zur Formel 1 deutlich geringer ausfällt. Der 2.2-Liter-V6-Twinturbomotor liefert etwa 650 bis 700 PS. Das Hybrid-System kann bis zu 150 zusätzliche PS beisteuern.

Im Gegensatz zum Chassis sind die Motoren nicht bei allen Autos identisch. Mit Honda und Chevrolet teilen sich zwei Motorhersteller das Feld untereinander auf. Mick Schumachers Team, RLL Racing, setzt auf Honda-Power. Unterschiede gibt es dabei nur beim Verbrennungsmotor. Das Hybrid-Kit, das aus einer MGU (Motor Generator Unit) und einem ESS (Energy Storage System) besteht, wurde gemeinsam von Honda und Chevy entwickelt.

Über den maximalen Ladedruck werden Leistungs-Unterschiede je nach Streckentyp reguliert. Beim Indianapolis 500, dem derzeit einzigen Superspeedway im Kalender beträgt der maximale Ladedruck 1.300 Millibar, auf den Rundkursen und Kurzovalen, sowie im Qualifying-Run des Indy 500 1.500 Millibar.

Über den Ladedruck wird auch der 'Push-to-Pass' geregelt. Dabei handelt es sich um eine Überholhilfe, die für 200 Sekunden pro (Rundkurs)-Rennen nach freiem Ermessen eingesetzt werden kann (also entgegen dem Namen auch zum Verteidigen einer Position). Wird der Push-to-Pass aktiviert, kann ein Fahrer einen Ladedruck von 1.600 Millibar abrufen.

Nachtanken ist in der IndyCar-Serie noch erlaubt. Eine Tankladung enthält ca. 70 Liter, zum Einsatz kommt Sprit der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt. Mit Shell ist auch der Treibstoff-Lieferant für alle Teams einheitlich.

Wie viel wiegt ein IndyCar?

Das Minimalgewicht unterscheidet sich etwas je nach Streckentyp. Auf den Rundkursen liegt es bei 1.785 Pfund (ca. 810 kg), auf kurzen Ovalstrecken bei 1.775 Pfund (805 kg) und auf Superspeedways (im Moment betrifft das nur das Indy 500) bei 1.740 Pfund (ca. 789 kg). Dazu kommt ein Fahrergewicht von 185 Pfund (ca. 84 kg). Wie auch in der Formel 1 wird das Gewicht jener Piloten, die weniger auf die Waage bringen, mit Ballastgewichten im Auto ausgeglichen.

Wie groß ist ein IndyCar?

Das Auto kommt auf eine Länge von ca. 5,12 Meter und eine Breite von 1,92 bis 1,94 Meter, wobei es auf den Ovalstrecken minimal breiter ist. Die Höhe beziffert sich vom Unterboden bis zur Spitze des Überrollbügels auf etwa einen Meter. Der Radstand beträgt 2,98 bis 3,08 Meter.

Welche Reifen fährt die IndyCar?

In der IndyCar-Serie kommen Einheitsreifen vom US-Reifenhersteller Firestone zum Einsatz. Diese erlauben den Fahrern in der Regel deutlich länger und näher am Limit unterwegs zu sein, als das beispielsweise in der Formel 1 der Fall ist. Reifenmanagement ist in der IndyCar kein so großes Thema wie in der Königsklasse, auch wenn seit der Einführung der Hybrid-Antriebe laut zahlreichen Fahrern ein bisschen mehr davon erforderlich ist.

"Mir ist aufgefallen, dass du mit frischen Reifen zwischen der ersten und der 25. Runde nur fünf Zehntelsekunden verlierst", erzählte Schumacher nach seinem ersten Test in Indianapolis. "Wenn du das mit Pirelli-Reifen machen würdest, würde man gleich zwei bis drei Sekunden verlieren."

Grundsätzlich stehen an einem Rundkurs-Rennwochenende zwei Slick-Reifenmischungen zur Auswahl, wobei beide im Rennen zum Einsatz kommen müssen, was für strategische Abwechslung sorgt. Bei den Ovalrennen experimentierte die IndyCar zuletzt ebenfalls mit jener Regel, ansonsten ist dort meist nur eine Reifenmischung in Verwendung. Der rot markierte Reifen ist die schnellere Mischung, der schwarz markierte die langsamere. Das Reifendelta zwischen den beiden Mischungen ist häufig relativ hoch.

Mick Schumacher verlässt die WEC und Alpine nach zwei Jahren, um in der IndyCar-Serie eine neue Herausforderung in Angriff zu nehmen. Wir haben mit Micks Ex-Teamkollegen, Jules Gounon, über den Abschied gesprochen: