Die Entscheidung ist gefallen: Mick Schumacher verlässt die WEC nach zwei Jahren und wechselt 2026 in die IndyCar-Meisterschaft. Die Redaktion von Motorsport-Magazin.com diskutiert: Hat der 26-Jährige die richtige Wahl für seine weitere Karriere getroffen? Schreibt uns eure Meinung gerne unten in die Kommentare!
PRO: Neuanfang ohne F1-Hintergedanken - Florian Niedermair
Die WEC war die perfekte Anlaufstelle für Mick Schumacher, um nebenbei noch einen Fuß in der Formel-1-Tür zu halten und auf eine Gelegenheit in der Königsklasse zu spekulieren. Bei acht Rennen im Jahr lässt sich das schließlich noch gut mit einem Testfahrer-Cockpit verbinden und mit dem Shootout im letzten Jahr hätte das bei Alpine ja beinahe auch geklappt, aber eben nur beinahe.
Inzwischen scheint Mick aber mit der Königsklasse abgeschlossen zu haben und auch auf dem Radar der Formel-1-Teams spielt Schumacher keine Rolle mehr. Im Alpine-Hypercar war er zwar schnell, aber im Herzen ist und bleibt er ein Monoposto-Liebhaber. Schon vor seinem IndyCar-Test meinte Mick: "Sportwagen haben Spaß gemacht, aber Single-Seater sind etwas, für das ich brenne und was ich liebe."
Die IndyCar ist jetzt die perfekte Anlaufstelle, um sich vollkommen ohne den Hintergedanken Formel 1 eine neue Karriere aufzubauen. Die Boliden in der US-Formelserie kommen vom gleichen Hersteller wie die F2- und F3-Autos, in denen er jeweils im Nachwuchs erfolgreich war. Die Rennen sind das hochklassigste, was eine klassische Formelserie abseits der Königsklasse zu bieten hat, mit einem namhaften Starterfeld und in einer Kultur, die für Schumacher kein absolutes Neuland ist, seine Familie besitzt schließlich eine Ranch in Texas.
Nicht zuletzt gibt es nicht wenige Rennfahrer, die in der Formel 1 nie den Durchbruch schafften, und dann in den USA große Erfolge einsammelten. Alex Zanardi ist ein historisches Beispiel. Marcus Ericsson und Takuma Sato sind Indy-500-Champions.
Ganz zu schweigen von Serienmeister Alex Palou, der jetzt schon als einer der besten IndyCar-Fahrer der Geschichte gehandelt wird - und in der Formel 3 übrigens an dem ehemaligen Haas-Pilot scheiterte. Das gibt ihm natürlich keine Erfolgsgarantie, aber es zeigt: Mick Schumacher wird dort nicht nur Spaß haben, er hat auch das Talent, um in der IndyCar zu bestehen.
CONTRA: Neuanfang im Niemandsland - Robert Seiwert
Es ist kein Geheimnis, dass Mick Schumacher den Formelsport liebt. Eigenes Auto, viel Downforce, keine Kompromisse. Einen Weg zurück in die Formel 1 gab es trotz vieler Anläufe nicht, da schien ihm die IndyCar-Serie die attraktivste Alternative gewesen zu sein.
Trotz der Rückkehr ins Formel-Cockpit dürfte die F1-Türe damit vollständig geschlossen sein, denn: In der Formel 1 interessiert sich niemand für die IndyCars. Das beste Beispiel ist Alex Palou, der sagenhafte vier Meisterschaften innerhalb von nur fünf Jahren gewonnen hat, aber bei keinem F1-Team auf dem Radar ist.
In der IndyCar tritt Schumacher bald gegen Fahrer an, die außerhalb der USA kaum jemand kennt. Die Top-5 in der abgelaufenen Saison: Palou, Patricio O'Ward, Scott Dixon, Kyle Kirkwood und Christian Lundgaard... Schon mal gehört? Vielleicht habe ich ein bisschen zu sehr die deutsche Brille auf, aber gegen solche Fahrer wird es schwierig, ein Vermächtnis im globalen Motorsport aufzubauen.
In der WEC, wo sich Schumacher innerhalb von nur zwei Jahren zu einem der schnellsten Piloten entwickelt hat, trat er gegen Marken wie Ferrari, Porsche, BMW oder Toyota an - das sind Gegner von Welt, wenngleich auch hier nicht alle Fahrer bekannt sind.
In der Langstrecken-WM stand ein Wechsel zum Cadillac-Werksteam in Aussicht - hier hätte Mick ein Top-Team mit direkter Formel-1-Verbindung vorgefunden. Und womöglich wäre er mal als Ersatzmann ins Cockpit gerutscht, während Colton Herta - einer der bekanntesten IndyCar-Fahrer - jetzt gegen Nachwuchsfahrer in der Formel 2 antritt...
Schumachers neues Team RLL zählt in der IndyCar-Serie zu den Hinterbänklern, der letzte Sieg liegt zweieinhalb Jahre zurück. Es könnte mehrere Saisons dauern, bis Mick vorne mitkämpfen kann. 'Spaß haben' ist schön und gut, aber letztendlich werden Rennfahrer an Ergebnissen gemessen.

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