Mick Schumacher betritt mit seinem Wechsel in die US-amerikanische IndyCar-Meisterschaft weites Neuland. Ein neues Auto, unbekannte Rennstrecken inklusive der Ovalkurse, ein anderer Stil des Rennfahrens und nicht zuletzt ein neues Team: Der 26-Jährige geht 2026 für RLL (Rahal Letterman Lanigan Racing) an den Start und muss sich gegen seine Teamkollegen, den 36-jährigen Teamchefsohn Graham Rahal sowie den Rookie des Jahres, Louis Foster aus Großbritannien, beweisen.

Schumacher wird der erste deutsche IndyCar-Fahrer in der über 35-jährigen Geschichte des US-Rennstalls und der einzige heimische Vertreter im Starterfeld. Rennfahrer aus Deutschland sind der RLL-Mannschaft allerdings aus anderen Programmen wohlbekannt: Die Truppe um Teamchef Bobby Rahal sowie den Mitbesitzern David Letterman und Mike L anigan führte 17 Jahre lang durchgängig die Werkseinsätze von BMW in den USA durch.

IndyCar zu gefährlich? Mick Schumacher: Akzeptiere das Risiko (12:36 Min.)

Schumacher-Manager holte US-Titel mit RLL

So gewann etwa Dirk Müller, Schumachers heutiger Manager, im Jahr 2011 auf einem RLL-BMW M3 die American Le Mans Series. Zu späteren USCC/IMSA-Zeiten zählten deutsche BMW-Werksfahrer wie Dirk Werner, Lucas Luhr (BMW Z4 GTE) oder Martin Tomczyk (BMW M6 GTE und BMW M8 GTE) zum GT-Aufgebot von RLL. Die Rahal-Mannschaft übernahm ab 2023 auch den Werkseinsatz für BMW in der GTP-Prototypen-Klasse, konnte mit Fahrern wie Marco Wittmann oder Rene Rast aber kaum an vergangene Erfolge anknüpfen. BMW beendete die Zusammenarbeit nach der Saison 2025.

In der IndyCar-Serie, dem zweiten RLL-Standbein, liegen die Erfolge ebenfalls eine ganze Weile zurück. Den letzten der insgesamt 30 Siege im US-Singleseater-Sport erzielte Christian Lundgaard vor zweieinhalb Jahren in der Saison 2023.

Schumachers neuer Teamkollege, der erfahrene Graham Rahal, wartet gar seit 2017 auf seinen nächsten IndyCar-Sieg. In der abgelaufenen Saison holte RLL mit Louis Foster zwar den Titel 'Rookie des Jahres', doch der 22-Jährige belegte in der Gesamtwertung nur den 23. Platz. Veteran Rahal erzielte mit P19 das beste Resultat des Teams, das mit Honda-Motoren an den Start geht.

RLL in IndyCars: Erfolge liegen weit zurück

Die RLL-Bilanz der letzten Jahre liest sich ernüchternd: Seit 2021 errang das Team nur fünf Podestpätze und mit Rahals siebtem Gesamtplatz in jenem Jahr das bis heute beste Resultat. Beim wichtigsten Rennen des Jahres, den 500 Meilen von Indianapolis, gelang RLL im Jahr 2020 mit Takuma Sato der zweite Sieg der Teamgeschichte nach Buddy Rice (2004). Teamboss Bobby Rahal gewann den Klassiker als Fahrer im Jahr 1986 und zudem dreimal die CART-Meisterschaft (1986, 1987, 1992).

RLL zählt in der IndyCar-Serie eher zu den Hinterbänkler-Teams mit Potenzial für Einzelerfolge, während die 'Big Guns', Chip Ganassi Racing und Team Penske, regelmäßig die Titel abräumten. Seit 2008 gingen die Fahrer-Meisterschaften mit nur einer Ausnahme (Andretti 2012) an eines der beiden Teams. Zuletzt hatte die Truppe von Chip Ganassi mit Superstar und Dauer-Champion Alex Palou (Meister 2021, 2023, 2024, 2025) die Nase vorn.

Fahrer fliegt trotz Vertrag für Schumacher raus

Für Rookie Schumacher und Co. besteht immerhin Hoffnung auf Besserung: RLL lotste im April 2025 mit Jay Frye den langjährigen IndyCar-Präsidenten als neuen Motorsportchef an den Teamsitz in Zionsville, Indiana. Mit der jüngsten Verpflichtung des früheren Arrow-McLaren-Teamchefs Gavin Ward ist Rahal ein weiterer Personal-Coup gelungen. Ward verbrachte einen Großteil seiner Karriere bei Red Bulls Formel-1-Team, bevor er 2019 als Josef Newsgardens Renningenieur die IndyCar-Meisterschaft gewann.

Auch in Sachen Schumacher legte sich RLL mächtig ins Zeug: Für Mick musste der finanziell gut ausgestattete Kanadier Devin DeFrancesco sein Cockpit räumen, obwohl sein Vertrag eigentlich bis Ende 2026 lief. Eine nicht erfüllte Leistungsklausel in seinem Arbeitspapier soll die vorzeitige Trennung ermöglicht haben.