Die versammelte Motorsport-Welt blickt mit Spannung auf Mick Schumachers Renndebüt in der IndyCar-Serie. Bevor die Saison am 01. März 2026 auf dem Stadtkurs von St. Petersburg beginnt, steht dem 26-Jährigen mit dem Team RLL ein strammes Vorbereitungsprogramm bevor. Sieben Testfahrten sind bis zum Auftakt auf Strecken mit unterschiedlichen Charakteristiken geplant: vier auf Oval-Kursen, zwei auf Rundstrecken sowie ein weiterer auf einem Stadtkurs.

Vor allem die Oval-Rennstrecken werden außerhalb der IndyCar-Meisterschaft kritisch beäugt. Micks Onkel, Ralf Schumacher, meinte etwa mehrfach, dass die Rennen angesichts der enorm hohen Geschwindigkeiten durchaus gefährlich seien. Eine Ansicht, die nicht wenige Beobachter in Motorsport-Europa teilen. Die 700 PS starken Formelautos erreichen in den Ovalen bis zu 370 km/h - und das bei durchgängig eng geführtem Racing.

IndyCar zu gefährlich? Mick Schumacher: Akzeptiere das Risiko (12:36 Min.)

Mick Schumacher über Ovale: "Ich akzeptiere das Risiko"

Schumacher ist sich der neuen Highspeed-Herausforderung bewusst, will aber die komplette IndyCar-Saison mit allen 17 Rennen - darunter sechs auf Ovalen - bestreiten. Andere Fahrer aus Europa hatten in der Vergangenheit darauf verzichtet.

"Natürlich denkt man darüber nach", sagte Schumacher am Dienstag in einer Online-Runde mit ausgewählten Medienvertretern, darunter Motorsport-Magazin.com. "Aber Motorsport ist insgesamt gefährlich, egal wo. Ich sehe nicht, warum diese eine Sache gefährlicher sein sollte als andere Dinge. Ich nehme das nicht auf die leichte Schulter. Die Geschwindigkeiten sind verrückt und wir fahren Seite an Seite. Aber ich akzeptiere das Risiko wegen der Faszination am Racing."

Schumacher hat sich natürlich mit seinen Vertrauten ausgetauscht, aber ebenso mit Jay Frye, dem Motorsportchef von RLL. Der US-Amerikaner war zuvor zehn Jahre lang als IndyCar-Präsident tätig und kennt die Serie in- und auswendig. "Jay hat eine große Rolle dabei gespielt, damit das Fahren in der IndyCar sicherer wird", sagte Mick. "Wir hatten mehrere Gespräche, und in meinen Ohren klangen sie positiv. Deshalb habe ich diese Entscheidung getroffen."

"Gespräche mit Leuten, die sowohl positive als auch negative Ansichten hatten"

Schumacher hatte nach seinem ersten und bisher einzigen Test auf dem Rundkurs von Indianapolis nicht lange gebraucht, um für sich eine Entscheidung über die Zukunft zu treffen - und das Team RLL um Gründer und Ex-Rennfahrer Bobby Rahal sich mächtig ins Zeug gelegt, um Schumacher zu überzeugen. "IndyCar war für mich die beste Option", sagte er. "Ich musste es nur für mich selbst und für alle um mich herum bestätigen, dass ich mir das langfristig vorstellen kann."

Mick weiter: "Ich freue mich auch auf die Oval-Tests, die noch anstehen. Das war mir wichtig: nicht etwas Halbgares zu machen, sondern wirklich komplett einzusteigen - und dazu gehören die Ovale nun mal. Ich hatte viele Gespräche mit Leuten, die sowohl positive als auch negative Ansichten hatten. Am Ende musste ich einen Mittelweg für mich finden - und habe die Entscheidung getroffen."

Schumacher beim Indy 500: "Gut, dass deutsche Flagge wieder dabei ist"

Schumacher könnte der erste Deutsche seit mehr als 100 Jahren sein, der beim Indy 500 an den Start geht. Zusätzlichen Druck bereite ihm dieser Meilenstein aber nicht: "Ich sehe das relativ neutral. Es wäre gut, dass die deutsche Flagge wieder dabei ist, wenn ich das Indy 500 fahren kann."

Konkrete Ziele wollte sich Schumacher für sein IndyCar-Debüt wie üblich nicht stecken. "Alles wird neu für mich sein - Strecken, Racing, Abläufe", erklärte er. "Ein Erfolg wäre für mich, dass wir alles umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Konkrete Ziele definieren wir im Verlauf der Saison."

Was ist für Mick in IndyCar drin? "Die Sonne geht am Horizont auf"

Wunderdinge sind zumindest vom Team RLL nicht zu erwarten: Das Team wartet seit rund zweieinhalb Jahren auf den nächsten IndyCar-Sieg und errang seit 2021 lediglich fünf Podestplatzierungen. Den letzten Sieg beim Indy 500 sowie den zweiten in der Teamgeschichte holte Takuma Sato anno 2020.

Für 2026 will die RLL-Mannschaft weiter aufrüsten und hat die Verpflichtung von zehn zusätzlichen Mitarbeitern angekündigt. Zuletzt wechselte der frühere Red-Bull-F1-Ingenieur und Arrows-McLaren-Teamchef Gavin Ward zum Team. Teamchef Rahal: "Wir haben dieses Jahr gute Leistungen gezeigt, auch, wenn sich das nicht immer in den Ergebnissen widergespiegelt hat. Es deutet vieles darauf hin, dass wir noch konkurrenzfähiger werden. Die Sonne geht am Horizont auf und hoffentlich haben wir eine gute Saison 2026."

Was steckt hinter Mick Schumachers neuem IndyCar-Team Rahal Letterman Lanigan Racing? Wir haben uns das US-Team genauer angeschaut. Alle Infos erhältst du in diesem Artikel:

IndyCar-Rennkalender 2026: Rennen, Startzeit, Strecken

RennenDatumOrtRennstrecke
127.02.-01.03.2026St. PetersburgSt. Petersburg (Stadtkurs)
206.03.-07.03.2026PhoenixPhoenix Raceway (Oval)
313.03.-15.03.2026ArlingtonArlington (Stadtkurs)
427.03.-29.03.2026AlabamaBarber Motorsports Park
517.04.-19.04.2026Long BeachLong Beach (Stadtkurs)
608.05.-09.05.2026Indianapolis IIndianapolis Motor Speedway (Rundkurs)
712.05.-24.05.2026Indianapolis 500Indianapolis Motor Speedway (Oval)
829.05.-31.05.2026DetroitDetroit (Stadtkurs)
906.06.-07.06.2026MadisonWorld Wide Technology Raceway (Oval)
1019.06.-21.06.2026Elkhart LakeRoad America
1103.07.-05.07.2026LexingtonMid-Ohio Sports Car Course
1218.07.-19.07.2026NashvilleNashville Superspeedway (Oval)
1307.08.-09.08.2026PortlandPortland International Raceway
1414.08.-16.08.2026MarkhamMarkham Centre (Stadtkurs)
1528.08.-29.08.2026Milwaukee IThe Milwaukee Mile (Oval)
1630.08.2026Milwaukee IIThe Milwaukee Mile (Oval)
1704.09.-06.09.2026MontereyLaguna Seca Raceway