Mercedes und Red Bull. Seit den Testfahrten in Barcelona fallen diese beide Namen am häufigsten, wenn im Formel-1-Paddock nach Favoritenrollen für die kommende Saison gefragt wird. Vor allem im Lager der Silberpfeile scheint man es sich in den letzten Tagen zum Auftrag gemacht zu haben, der Mannschaft rund um Vierfach-Weltmeister Max Verstappen die Favoritenrolle zuzuschieben.

Nur wenige sprechen allerdings von Ferrari. Dabei war es die Scuderia, die in Barcelona die allgemeine Test-Bestzeit für sich verbuchen konnte, in Bahrain am Donnerstag die schnellste Zeit stellte und noch dazu gute Longruns ablieferte. Außerdem scheinen das Chassis und die Motoren aus Maranello immun gegen Defekte zu sein. Abgesehen von Lewis Hamilton, der wenige Minuten vor dem Ende des letzten Testtages am Streckenrand ausrollte, gab es keine Probleme zu vermelden.

Fred Vasseur freut sich über Außenseiter-Rolle

Ist Ferrari also der Geheimfavorit nach den bisherigen zwei Testwochen? Ferrari-Teamchef Fred Vasseur lacht bei dem Gedanken, dass sich alle Schlagzeilen um Mercedes und Red Bull drehen und dabei sein Team übersehen wird. "Es ist mega, dass niemand über uns redet", freut er sich. "Ich mag diese Situation. So können wir uns auf uns selbst fokussieren."

Nach den Testfahrten in Barcelona und Bahrain liegt Ferrari mit über 4.300 absolvierten Kilometern in der Distanz-Wertung klar vorne. Das spricht Bände für die Power Unit der Italiener und die Langlebigkeit ihres Boliden, der beim Shakedown erst einmal dezidiert als Basisvariante ausgerollt wurde und erst im Laufe der Testfahrten mit Upgrades ausgestattet wird.

Unbestätigte Meldungen darüber, dass Ferrari die gesamte bisherige Distanz beider Tests mit einer einzigen Power Unit absolviert habe, wollte Vasseur nicht bestätigen: "Ich glaube nicht, dass wir bekanntgeben müssen, welchen Motor wir benutzen." Dass der Antrieb aber kaum Schwierigkeiten macht, ist offenkundig.

Zuverlässigkeitsmonster Ferrari: "Besser als erwartet"

"Das wichtigste Ziel in einer Situation wie in dieser Saison ist es, dass man Distanz zurücklegt, viele Runden fährt und Daten sammelt, um zu sehen, ob die Korrelation zwischen der Fabrik, dem Windkanal und dem, was wir auf der Strecke sehen, stimmt. Dafür benötigt man Zuverlässigkeit. Und bisher lief es von unserer Seite sehr gut", zog Vasseur ein positives Gesamtfazit.

"Fast 4500 Kilometer in sechs Tagen. Das ist gut und es ist mehr als wir erwartet haben", so der Franzose weiter. Der nächste Schritt besteht nun darin, vermehrt aktiv an der Performance des Autos anzusetzen, betont er. Aber durch die problemfreien Auftritte bislang scheinen die idealen Grundlagen dafür geschaffen zu sein.

Zu viel Bedeutung will Vasseur vor der letzten Testwoche und damit drei Wochen vor dem Saisonstart in Australien den Zeiten und GPS-Daten aller Formel-1-Teams nicht zukommen lassen. Zu ungewiss seien zahlreiche Parameter: "Niemand weiß, wie sehr etwa Mercedes bei seinem Longrun den Motor ans Limit gepusht hat oder nicht. Auch wenn es nicht danach aussieht… Niemand weiß beim Shortrun, ob man 20 Kilogramm, 40 Kilogramm oder 60 Kilogramm an Bord hatte. Und diese Dinge machen viel mehr aus als der Unterschied zwischen den Autos."

Klar ist für den Ferrari-Teamboss, dass sich unter diesen Voraussetzungen im Moment noch keine Favoritenrolle verteilen lässt. Sein Motto lautet deshalb: "Das Beste ist es, einfach sein Maul zu halten und sich auf sich selbst zu konzentrieren."

Mercedes schlägt Alarm! Red Bull Motor eine Sekunde schneller? (09:52 Min.)