Max Verstappen sorgte während der Testfahrten in Bahrain mit scharfer Kritik an den neuen Formel-1-Boliden für Aufsehen. Er verglich sie aufgrund des starken Energiemanagements mit der Formel E und bezeichnete diese Fahrdynamik als "Anti-Racing." Auch beispielsweise Lewis Hamilton oder Liam Lawson kritisierten die neuen Autos, wenn auch nicht ganz so scharf. Verstappen deutete sogar an, dass er mittelfristig der Königsklasse deshalb den Rücken kehren könnte.

Doch nicht alle Fahrer stimmen in den Kritik-Tenor mit dem vierfachen Weltmeister und dem Rekord-Champion ein. Der amtierende Formel-1-Titelträger Lando Norris hat einen anderen Blickwinkel auf die neuen Boliden und kann deshalb mit der Kritik nicht viel anfangen. "Es macht sehr viel Spaß. Ich genieße es", lautete sein Fazit. Auf Verstappens verklausulierte Rücktrittsandeutung reagierte der Brite gelassen: "Wenn er zurücktreten will, dann kann er ja zurücktreten."

Max Verstappen vernichtet Autos 2026: F1-Karriereende droht (09:06 Min.)

Lando Norris sieht keinen Grund für Klagen: Wir bekommen absurd viel Geld bezahlt

Dass sich Verstappen so stark auf die neuen Regeln einschießt, kann der Brite nicht nachvollziehen. "Die Formel 1 ändert sich die ganze Zeit. Manchmal ist es etwas besser zu fahren, manchmal weniger. Aber wir bekommen eine absurde Menge Geld bezahlt dafür, dass wir fahren. Also kann man sich am Ende des Tages nicht wirklich beschweren", so Norris.

"Jeder Fahrer kann losziehen und etwas anderes zu tun finden. Es ist nicht so als ob jemand hier sein müsste", erklärte der McLaren-Fahrer weiter. In Bezug auf das Marketing der Formel 1 wäre es dennoch ein Super-GAU, falls sich Verstappen tatsächlich relativ bald zurückziehen würde, denn der Holländer ist eines der bekanntesten Gesichter der Königsklasse. Genauso wie natürlich Lewis Hamilton, der ja ebenfalls kein Freund des neuen Reglements ist. Charles Leclerc hatte schon 2025 nach ersten Simulator-Erfahrungen ebenfalls Zweifel am Reglement eingeräumt. In Bahrain stellte er sich bislang noch nicht den Medien.

Insofern ist es für die Formel 1 wohl ein Segen, wenn mit Norris einer der Topstars des Sports eine Lanze für die schon vor ihrer Einführung scharf kritisierten Technik-Regeln bricht. "Es macht mehr Spaß, denn man spürt die Beschleunigungsunterschiede und man spürt die Geschwindigkeit und all solche Dinge", sagte Norris. In der Beschleunigungsphase sind die neuen Autos deutlich stärker, dort lässt sich auch die meiste Rundenzeit generieren. Allerdings mitunter zu Lasten der Energie am Ende der Geraden. Außerdem geht in der neuen Regelgeneration Abtrieb verloren.

Deshalb kann der elffache Grand-Prix-Sieger verstehen, warum die neuen Autos nicht allen zusagen. "Es fühlt sich vielleicht nicht ganz so schnell an wie vor einigen Jahren und das Handling der Autos ist nicht ganz so perfekt und so weiter", so Norris. Allerdings sei das ohnehin nur temporär: "Wenn man vorspult bis ans Ende des Jahres oder ins nächste Jahr, dann werden wir dort schon viel schneller sein."

Neue Formel-1-Regeln: Norris gefällt die Herausforderung

Was Lando Norris persönlich an dem neuen F1-Reglement zusagt, ist, dass er dabei zahlreiche Elemente seiner Fahrweise neu erlernen und anpassen muss: "Es ist eine Herausforderung, aber eine spaßige Herausforderung, für die Ingenieure und für die Fahrer. Man muss die Autos anders fahren und ein anderes Verständnis für viele Dinge aufbringen", sagte er.

Die Ablehnung zahlreicher Fahrer verwundert ihn deshalb. "Man kann immer noch diese Autos fahren und um die Welt reisen und dabei viel Spaß haben, also gibt es nichts, worüber man sich beschweren könnte."

Verstappen spricht es offen aus, doch hinter vorgehaltener Hand gibt es viele im Paddock - auch Fahrer - die mit den neuen F1-Autos überhaupt nichts anfangen können. Hat sich die Formel 1 diese Krise selbst eingebrockt?