Im Endspurt des Formel-1-Rennens von Monza konzentrierte sich alles auf den Kampf um den Sieg zwischen den beiden Mercedes-Piloten, doch etwas weiter hinten entlud sich ein nicht minder brisantes Teamduell. Mit Lando Norris und Oscar Piastri kämpften die beiden McLaren-Piloten und Titelrivalen des Vorjahres um die vierte Position.
Für Piastri ging es nach Monaten der teaminternen Niederlagen darum, endlich den Trend zu brechen. Für Norris ging es um zwei Pünktchen, um seine - wenn auch geringen - Chancen im Formel-1-Titelkampf aufrechtzuerhalten. Mit Monza geschah das ausgerechnet auf jener Strecke, auf der im Vorjahr eine umstrittene Teamorder eine Trendwende im Titelkampf einleitete.
Lando Norris tadelt Piastri am Funk: "Das ist einfach nur gefährlich"
Die Intensität, mit der dieser Kampf geführt wurde, ließ darauf schließen, dass es beiden Fahrern um mehr ging, als nur um den für sich gesehen relativ unbedeutenden Platz neben dem Podium. Auf den letzten Runden ging es dabei sehr haarig zu. Im 51. Umlauf geriet Lando Norris bei einer Attacke auf seinen Teamkollegen am Ende der Curva Grande sogar auf das Gras.
Anschließend war die Stimmung bei Norris auf dem Siedepunkt. Er lamentierte am Funk: "Er hat mich von der Strecke gedrückt", und fügte in Laufe der nächsten Minuten mit etwas Abstand hinzu: "Das ist einfach nur gefährlich"; "Er hat nur auf mein Manöver reagiert, was nicht erlaubt ist." Der Ärger im Cockpit war groß, aber der Kampf damit noch nicht entschieden.
Formel-1-Weltmeister macht Rückzieher: Piastris Fahrweise war fair
Obwohl er zuvor in Kurve 1 nach einem Verbremser in die Auslaufzone geraten war, konnte Norris auf der letzten Runde zwischen der zweiten Lesmo und der Ascari-Schikane mit viel Überschuss an Piastri vorbeifahren. Das brachte dem amtierenden Weltmeister Position 4 ein und besänftigte ihn offenbar, denn nach dem Zielstrich war sein Ärger auf den Teamkollegen verflogen: "Ich denke, was er getan hat, war fair."
"Ich denke, es war nur die Wahrnehmung im Auto, wenn jemand scheinbar die Lücke ein bisschen aufmacht und gerade weiterfährt", erklärte Norris seine erhitzten Funksprüche. "Wenn man sich in diesem Moment befindet und halb auf dem Gras ist, dann realisiert man, wie schnell die Dinge schiefgehen könnten. Es geschah also im Eifer des Gefechts."
Damit befand er sich auf einer Linie mit Teamchef Andrea Stella, der ebenfalls an dem Defensivmanöver von Piastri wenig auszusetzen hatte. "Als wir es uns angesehen haben, stellten wir fest, dass es viel milder als war, als es vielleicht in dem Moment ausgesehen hatte", so der Italiener.
Oscar Piastri verdaute die Niederlage im direkten Duell offenbar schnell. Wohl auch deshalb, weil seine Performance nach dem Negativ-Trend der letzten Wochen schon ein klarer Schritt nach vorne war. Er ärgerte sich stattdessen eher über sich selbst und seine Energieeinteilung: "Ich denke, wir wählten andere Strategien. Als er vorbeikam, dachte ich, dass ich eine Chance haben würde, nochmal an ihm vorbeizugehen. Aber letztendlich kam ich knapp nicht mehr dazu." Er kündigte an: "Ich weiß, was ich beim nächsten Mal anders mache."
Keine Teamorder: Hat McLaren das Podium verschenkt?
Auch wenn schließlich kein böses Blut zwischen den McLaren-Fahrern herrscht und sie sogar Spaß an dem direkten Duell hatten, ist es für das Formel-1-Team natürlich nicht ideal, dass seine beiden Fahrer so sehr mit sich gegenseitig beschäftigt waren und so Zeit verlieren. Im Kampf um das Podium entwischte ihnen beispielsweise Max Verstappen im letzten Rennabschnitt, nachdem man lange die Verfolgerposition hinter dem Vierfach-Champion innehatte.
"Wir werden das im Kontext mit dieser Art des Racings untersuchen müssen. Denn es ist natürlich korrekt, dass man möglicherweise Zeit verliert, sobald man mit sich gegenseitig kämpft", versprach Andrea Stella deshalb und stellte offen die Frage: "Gab es einen besseren Weg, einen Kampf mit Verstappen aufzunehmen?" Während des Rennens habe man diese Frage damit beantwortet, dass es "wichtiger war, sie gemäß unserer Philosophie racen zu lassen", wie er betonte.
Auch im Kampf um den Sieg gab es ein teaminternes Duell. Hier könnt ihr den Rennbericht nachlesen:



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