Ayhancan Güven wird 2026 nicht mehr in der DTM antreten, um seinen Titelgewinn zu verteidigen. Der frischgebackene Porsche-Werksfahrer hat seinen Rückzug am Sonntag via Instagram öffentlich gemacht. Güven wird nächstes Jahr höchstwahrscheinlich in der WEC an den Start gehen, wo er wieder auf sein Manthey-Team trifft, wie Motorsport-Magazin.com am 30. November exklusiv berichtet hatte. Passend dazu: Am heutigen Montag soll die Starterliste für die WEC-Saison 2026 veröffentlicht werden.

Update: Manthey machte Güvens Wechsel in die Langstrecken-WM am Montagmittag offiziell. "Ayhancan wird mit uns sein WEC-Debüt feiern", bestätigte Manthey-Rennleiter Patrick Arkenau. "Gerne wären wir mit ihm auch auf die Mission Titelverteidigung in der DTM gegangen, aber jetzt freuen wir uns sehr, gemeinsam mit ihm die nächste FIA WEC Saison zu bestreiten."

DTM-Aus für den Champion! So plant Porsche die Zukunft (08:46 Min.)

"Ich werde 2026 nicht in der DTM-Startaufstellung stehen", bestätigte Güven die von Porsche getroffene Entscheidung. "Diese Meisterschaft war mein Kindheitstraum, etwas, auf das ich viele Jahre lang hingearbeitet habe. Ich beende nun eine unglaubliche Saison, in der ich den Titel gewonnen habe und all meine Mühen sich ausgezahlt haben."

Trotz DTM-Aus: Karriere-Aufstieg für Ayhancan Güven

Es sei keine einfache Entscheidung gewesen, die DTM zu verlassen. Faktisch handelt es sich dabei allerdings um einen Aufstieg in Güvens Karriere: Er soll neben seinem diesjährigen WEC-Engagement vor allem auf die Formel E vorbereitet werden, wenn Porsche ab der übernächsten Saison zwei weitere Autos an den Start schickt. Dabei handelt es sich nicht nur um eine FIA-Weltmeisterschaft, sondern obendrein um ein Werksengagement. Die DTM verbucht Porsche hingegen unter Kundensport.

Güven weiter: "Ich erinnere mich noch genau an die Aufregung meines allerersten DTM-Rennens. Mit einer einmaligen Renngelegenheit in einem Auto, das ich zuvor noch nie gefahren hatte, konnte ich mich beweisen und bekam im folgenden Jahr ein Stammcockpit. Diese Chance führte zu drei wunderbaren Jahren und letztlich dazu, DTM-Champion zu werden - eine wahre Traumgeschichte."

Güven: DTM-Debüt einst im Ferrari

Güven sprang in der DTM-Saison 2022 einmalig beim Ferrari-Team AF Corse ein und ersetzte Stammfahrer Nick Cassidy auf dem Norisring. Der Türke wusste auf Anhieb in den Qualifyings (P3 und P7) zu überzeugen und punktete im Sonntagsrennen als Siebter. In jenem Jahr gewann Güven zudem die Vize-Meisterschaft im ADAC GT Masters, womit seine GT3-Karriere zusätzlich an Fahrt aufnahm. 2023 gab er beim Team von Porsche-Ikone Timo Bernhard sein Vollzeit-Debüt in der DTM, blieb aber hinter den Erwartungen.

2024 wechselte Güven dann zu Manthey, dem letzten verbliebenen Porsche-Team in der DTM. Nachdem er zum Jahresbeginn den Sieg bei den 12 Stunden von Bathurst errungen hatte, war er in der DTM seinem Teamkollegen Thomas Preining deutlich unterlegen. 2025 wendete sich das Blatt: Güven gewann fünf der 16 Saisonrennen und sicherte sich nach einem epischen Showdown in Hockenheim den Titelgewinn.

Zu diesem Zeitpunkt wussten die Porsche-Verantwortlichen längst, dass Güven für das hauseigene Formel-E-Engagement in Frage kommt. Er hatte sowohl beim Rookie-Test in Berlin als auch im Simulator überzeugt. In der WEC soll Güven 2026 die nötigen Superlizenz-Punkte ergattern, die er für den Einstieg in die Formel E benötigt. Manthey ist in der Langstrecken-WM das Maß aller Dinge und räumte seit der GT3-Einführung 2024 sämtliche Titel und Klassensiege bei den 24 Stunden von Le Mans ab.

Güven-Nachfolger in DTM steht schon bereit

Ein prominenter Nachfolger bei Manthey in der DTM steht bereits in den Startlöchern: Ricardo Feller soll Güvens Cockpit an der Seite von Preining übernehmen. Der Schweizer kommt vom Team Land-Motorsport, das mit einem Porsche 911 GT3 R in die DTM zurückkehrt und Rookie Bastian Buus an den Start schickt. Feller zählt zudem zum neuen IMSA-Aufgebot des Rennstalls aus Meuspath.

Für die DTM und den Promoter ADAC bedeutet der Abschied von Champion Güven dennoch einen bitteren Verlust - diese Geschichte lässt sich nicht weitererzählen. Güven und sein Landsmann, der MotoGP-Aufsteiger Toprak Razgatlioglu, hatten mit ihren Titelgewinnen einen regelrechen Motorsport-Boom bei den sportbegeisterten türkischen Fans ausgelöst. In den letzten 20 Jahren der DTM-Geschichte trat nur viermal ein Meister (Paul Di Resta 2010, Gary Paffett 2005 und 2018, Rene Rast 2020) nicht mehr zur Titelverteidigung an.