Auf dem Transfermarkt der GT- und Sportwagen-Szene ist die Hölle los! Als Auslöser für den diesjährigen Wechsel-Wahn gilt die Langstrecken-WM: Durch den werksseitigen Ausstieg von Porsche und die Ankunft der drei Autobauer Genesis/Hyundai (2026), Ford und McLaren (beide 2027) wollen sich derzeit viele Fahrer und deren Managements für einen Platz im Prototypen in Stellung bringen - hier winkt schließlich ein deutlich besseres Gehalt als in den diversen GT-Kundensportprogrammen.

Hinzu kommen weitere relevante Bausteine, die den Fahrermarkt derzeit nachhaltig beeinflussen: Porsches Ankündigung, das Formel-E-Werksprogramm künftig auszuweiten, dazu Fragezeichen über die Verfügbarkeit bzw. Konkurrenzfähigkeit des neuen Lamborghini Temerario GT3. Und nicht zuletzt die Ankunft des gut vernetzten Italieners Giorgio Sanna bei McLaren als neuem Kundensportchef, der von seinem früheren Arbeitgeber Lamborghini auf wenig galante Art und Weise vor die Tür gesetzt wurde.

Vom Felgenputzer zum DTM-Teamchef: Biermaiers ABT-Aufstieg (45:20 Min.)

Saison 2026: DTM droht Verlust von vier Star-Fahrern

Das alles hat Auswirkungen auch auf das nächstjährige Starterfeld der DTM, der stärksten GT3-Rennserie der Welt - und die klingen im ersten Moment nicht unbedingt positiv: Der DTM drohen 2026 vier Stars wegzubrechen. Beziehungsweise: Vier Piloten aus den Top-8 der Gesamtwertung sind nächstes Jahr womöglich nicht mehr dabei.

Konkret handelt es sich dabei um den amtierenden Meister Ayhancan Güven (Manthey-Porsche, Platz 1), den dreifachen DTM-Champion Rene Rast (Schubert-BMW, Platz 6), Vollzeit-Debütant Jordan Pepper (GRT-Lamborghini, Platz 7) sowie den pfeilschnellen Briten Jack Aitken (Emil-Frey-Ferrari, Platz 8). Also vier Fahrer, die der abgelaufenen Saison mit immerhin elf Siegen (Güven 5, Rast 3, Aitken 2, Pepper 1) in 16 Läufen ihren Stempel aufgedrückt haben und bis zum letzten Rennen in Hockenheim Chancen auf den Titelgewinn hatten.

Champion Ayhancan Güven vor DTM-Aus

Vor allem das Aus von Güven würde schmerzen: Denn in den letzten 20 Jahren der DTM-Geschichte trat nur viermal ein Meister (Paul Di Resta 2010, Gary Paffett 2005 und 2018, Rene Rast 2020) nicht mehr zur Titelverteidigung an. Der Türke, jüngst von Porsche zum Werksfahrer ernannt, könnte 2026 nach Informationen von Motorsport-Magazin.com ins WEC-Programm von Manthey wechseln und parallel auf sein Debüt in der Formel E zur übernächsten Saison vorbereitet werden.

Vielen Fans würden Güvens DTM-Abschied wohl missfallen und auch beim ADAC wäre man mit dieser Porsche-Entscheidung überhaupt nicht happy, wie wir aus Kreisen des Automobilklubs erfahren haben. Güven und sein Landsmann, der MotoGP-Aufsteiger Toprak Razgatlioglu, haben mit ihren Titelgewinnen einen regelrechen Motorsport-Boom bei den sportbegeisterten türkischen Fans ausgelöst. Das Video von Güvens Hockenheim-Duell mit Marco Wittmann ging viral und erreichte in den sozialen Medien zweistellige Millionenaufrufe. Steigt er aus der DTM aus, ließe sich diese Story nicht weiterführen.

DTM 2026: Rene Rast weg - folgen auch Aitken und Pepper?

Der Abschied von Superstar Rast steht seit längerer Zeit fest: Der BMW-Werksfahrer hatte sich am Rande des Saisonfinales - vorerst - aus der DTM verabschiedet. Rast dachte nach dem verlorenen Titelgewinn zwar intensiver über eine zügige Rückkehr nach, doch die soll erst einmal kein Thema sein. Rast wird die DTM - vorerst - aus der Ferne betrachten und sein WEC-Programm mit BMW fortsetzen.

Der Südafrikaner Pepper, der bei seinem DTM-Vollzeitdebüt im GRT-Lamborghini für Furore sorgte und sich gute Titelchancen ausrechnen konnte, startet 2026 vermutlich nicht in der DTM. Pepper ist inzwischen von Lamborghini zu BMW gewechselt, wo 2026 für ihn ein Hauptprogramm in der GT World Challenge vorgesehen ist.

Als Favorit für das durch Rast freigewordene Cockpit gilt Kelvin van der Linde nach seiner Wahnsinns-Premiere beim Münchner Autobauer, die ihn unter anderem zum Gewinn der Gesamt- und Sprint-Meisterschaft in der GT World Challenge, zum Titelgewinn in der Intercontinental GT Challenge und Siegen bei den 24h Nürburgring sowie 12h Bathurst führte. Der Fanliebling wäre immerhin ein adäquater Ersatz im Schubert-BMW neben Marco Wittmann.

Eine vierte Saison von Aitken in der DTM bei Emil-Frey-Ferrari gilt als ausgeschlossen. Der Brite tritt 2026 bei Jota-Cadillac die Nachfolge seines Landsmanns Jenson Button in der WEC an. Parallel startet Aitken weiter mit dem Cadillac-Prototypen in der IMSA - bei zwei anspruchsvollen Werksprogrammen ist keine Zeit mehr für die DTM. Aitken wird bei Emil Frey Racing eine Lücke hinterlassen, die der Rennstall aus der Schweiz nicht so leicht schließen kann: In 46 Rennen seit 2023 erzielte er sechs Siege, neun Podestplätze und acht Pole Positions. Aitken war drei Jahre lang der unangefochtene Anführer beim Ferrari-Kundenteam.

DTM-Starterliste 2026: Land-Porsche macht den Anfang

Bis zum Saisonstart Ende April 2026 auf dem Red Bull Ring wird sich noch einiges auf dem Fahrermarkt der DTM tun. Das neue Porsche-Kundenteam Land-Motorsport hat bereits den Anfang gemacht und mit Rookie Bastian Buus den ersten Fahrer präsentiert. Der Einsatz eines zweiten Land-Porsche gilt nach unseren Informationen als nicht ausgeschlossen.

Selbst wenn die DTM vier Fahrer aus den diesjährigen Top-8 der Gesamtwertung verliert, stehen ausreichend weitere Kandidaten parat, die Titel-Potenzial mitbringen. Dazu zählt Ricardo Feller, der vor dem Wechsel von Land-Audi zu Manthey-Porsche als Güvens Nachfolger steht. Ebenso Ex-Champion Mirko Bortolotti, dessen DTM-Zukunft bei Abt Sportsline oder auch seinem früheren Team GRT liegen könnte. Nicht zu vergessen Nicki Thiim, der nach schwachen Jahren im Lamborghini bald endlich in einen werksunterstützten Aston Martin Vantage GT3 seines britischen Arbeitgebers klettern könnte.

Große Fragezeichen bei Mercedes-AMG

Fragezeichen bleiben derweil bei Mercedes-AMG. Der Stachel über den verlorenen Fahrer-Titelgewinn von Lucas Auer sitzt tief. Die Affalterbacher fühlten sich ab der zweiten Saisonhälfte in der Balance of Performance benachteiligt und haben vom DTM-Promoter ADAC klare Antworten eingefordert.

Bis das nicht geklärt ist, bleibt offen, wie viele Mercedes-AMG GT3 2026 in der DTM-Startaufstellung stehen werden. Dazu mehr in einem der nächsten Artikel. Mit Auer (P2), Maro Engel (P3) und Jules Gounon (P9) landeten drei der vier AMG-Piloten in den Top-10 der Tabelle.