Gut zwei Wochen hat Rene Rast nach dem dramatischen DTM-Saisonfinale in Hockenheim geschwiegen. Die Emotionen müssen extrem gewesen sein: Am Freitag vor dem letzten Rennen hatte der BMW-Star seinen vorläufigen Rückzug aus der DTM bekanntgegeben - am Sonntag konnte er sich gute Chancen auf den Titelgewinn ausrechnen. Der Ausgang ist bekannt: Rast wurde nach einem Zweikampf mit dem neuen Meister Ayhancan Güven unglücklich aus dem Rennen genommen. Damit verpasste der 38-Jährige nicht nur die Chance auf Titel Nummer 4, sondern auch die Gelegenheit, sich würdig von den Fans zu verabschieden.

An diesem Dienstag hat sich Rast zum ersten Mal nach dem Finale zu Wort geäußert. In einer Online-Runde stellte er sich den Fragen ausgewählter Medienvertreter, darunter Motorsport-Magazin.com. Hier lest ihr die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch.

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Rene Rasts Antwort auf die Frage,...

...wie er auf seinen Ausfall in der ersten Runde zurückblickt: "Ich hätte gerne bis zum Schluss gekämpft. Das ging leider nicht. Deshalb fehlt mir besonders die letzte Runde. Ich hatte mir vorgenommen, mich bei den Fans zu bedanken, ein paar Donuts zu drehen und vielleicht noch andere Dinge zu machen, um mich richtig zu verabschieden. Es ist extrem bitter, sich auf diese Weise aus seinem vorläufig letzten Rennen zu verabschieden. Das Team Schubert, meine Mechaniker, haben so viel Herzblut und Arbeit hineingesteckt. Ich kann ehrlich sagen: Meine Crew lebt diesen Sport wie kaum eine andere. Ich habe selten ein Team erlebt, das so viel Leidenschaft in die DTM gesteckt hat. Für sie tut es mir besonders leid. Es schmerzt mich sehr, dass ich den Jungs diesen Erfolg nicht schenken konnte."

...wie er jetzt den Zweikampf mit Ayhancan Güven bewertet: "Ich wusste, dass ich vor Ayhancan ins Ziel kommen muss, um die Meisterschaft zu gewinnen - und er wusste das genauso. Deshalb haben wir beide viel Risiko genommen. Ich in der ersten Kurve, er in Turn 6 (Spitzkehre). Er hat sehr spät gebremst, auf der Innenseite - was sein gutes Recht war. Er hat seinen Bremspunkt aber leicht verpasst. Ich war außen - und so sind wir beide weitgefahren. Ich wurde am Ende getroffen und aus dem Rennen gerissen - aber es hätte genauso ihn treffen können. Es war einfach ein Risiko, das er eingegangen ist. Er wusste, dass er es nehmen muss - und er hat es getan. Er hat nichts falsch gemacht, sondern ist hart, aber innerhalb des Regelwerks gefahren. Mich hat es leider getroffen."

...ob er das Duell mit Güven rückblickend anders angegangen wäre: "Wahrscheinlich hätte ich nichts anders gemacht. Wenn du eine Gelegenheit hast, dann musst du sie nutzen. Du sagst dir nicht: "Das Risiko ist mir zu groß, ich warte lieber." Deshalb habe ich sie genutzt, bin an ihm vorbeigefahren. Der BMW ist auf der Geraden stärker, dafür in den Kurven langsamer - das wussten wir. Dass er dann aber so stark zurückkommt, habe ich nicht erwartet. Natürlich könnte man im Nachhinein sagen: Ich hätte weiter innen bleiben können, um die Kurve noch besser abzudecken. Aber dann wäre mein Eintrittswinkel in Turn 6 so eng gewesen, dass ich extrem stark hätte verzögern müssen. Das wiederum hätte die Gefahr erhöht, dass jemand von hinten ankommt, das nicht mitbekommt und mich torpediert."

...wie lange er gebraucht hat, um das DTM-Finale zu verarbeiten: "Es hat tatsächlich ein bisschen gedauert, bis ich das Ganze verarbeitet hatte. Solche Rückschläge sind ja nichts Neues für mich - in meiner Karriere gab es davon schon einige. 2006 habe ich zum Beispiel im Seat-Cup den Titel in genau derselben Kurve verloren, im letzten Rennen. Und es gab viele weitere Tiefschläge - etwa all die DTM-Sichtungen, die wir nie erfolgreich beenden durften und bei denen ich kein Cockpit bekommen habe. Das waren immer wieder sehr harte Momente. Dieses Mal hat sich der Tiefschlag ähnlich angefühlt. Ich würde sagen, es hat etwa eine Woche gedauert, bis ich im Kopf wieder einigermaßen klar war - bis ich nicht mehr jeden Tag daran denken musste. Natürlich macht man sich Gedanken: Was hätte ich anders machen können? Habe ich irgendwo falsch gehandelt? Aber in der zweiten Woche war es dann deutlich entspannter. Ich konnte abschalten, jetzt geht es mir gut."

Rene Rasts BMW nach dem Unfall in Hockenheim 2025
Rene Rasts BMW nach dem Ausfall in Hockenheim, Foto: IMAGO/Beautiful Sports

...ob es rückblickend besser gewesen wäre, wenn er seinen vorläufigen DTM-Rücktritt nicht kurz vor dem letzten Rennen bekanntgegeben hätte: "Stell dir vor, ich hätte direkt nach dem Rennen die Entscheidung verkündet. Das hätte dann vielleicht so gewirkt, als wäre ich beleidigt, weil ich die Meisterschaft verloren habe, und würde deshalb den Stecker ziehen. Aber mein vorläufiger Rücktritt hat nichts mit dem Ergebnis zu tun. Es war einfach der Wunsch, ein bisschen mehr Zeit für mich selbst zu haben und neue Dinge auszuprobieren. Das Ergebnis des Finales war dafür nicht ausschlaggebend. Trotzdem - die letzte Runde hätte ich mir schon gewünscht. Die fehlt mir in meiner Vita."

...ob er nach dem Finale mit seiner Rücktritts-Entscheidung gehadert hat: "Natürlich hat mich die Entscheidung in der Woche nach dem Rennen stark beschäftigt. Es ist extrem, wie die Emotionen in so einer Zeit schwanken - hoch, runter, hin und her. Jeden Tag findet man neue Argumente: mal dafür, mal dagegen. Die erste Woche war in dieser Hinsicht wirklich interessant. Jetzt, zwei Wochen danach, stehe ich aber weiterhin zu dem, was ich gesagt habe. Aber wer weiß, was im Januar oder Februar ist - vielleicht hat sich dann schon wieder was geändert. Man soll ja niemals 'nie' sagen. Im Moment bin ich zufrieden und glücklich mit der Situation. Schauen wir mal, was Anfang nächsten Jahres auf dem Plan steht."

...ob ein DTM-Comeback möglich ist: "Was meine Zukunft betrifft, habe ich momentan keine Tendenz. Es kann alles passieren - von einer Ehrenrunde über ein Rennen bis hin zu zehn weiteren Jahren DTM. Ich weiß es nicht."

...wie er die Kommentare und teilweise auch Anfeindungen gegen den neuen DTM-Champion Ayhancan Güven auf Social Media wahrgenommen hat: "Ich selbst habe mich sehr rausgehalten aus den sozialen Medien. Natürlich habe ich gehört, dass die Meinungen gespalten waren. Jeder darf seine Meinung äußern, aber bitte auf respektvolle Weise. Was ich schwierig finde, ist, wenn Leute urteilen, die nie selbst in einem Rennauto saßen. Von außen ist es leicht zu sagen, jemand hätte dies oder jenes anders machen müssen. Aber man steckt eben nicht in den Schuhen von Ayhancan Güven, der um den DTM-Titel kämpft. Kritik ist okay, solange sie respektvoll bleibt - aber unter die Gürtellinie sollte es nicht gehen, sonst ist die Linie überschritten."