Geheimsache Güven: Der amtierende DTM-Champion Ayhancan Güven erhielt am Samstagabend großen Beifall von den rund 450 geladenen Gästen bei der traditionellen Porsche Night of Champions in Weissach. Als die epische letzte Runde beim Hockenheim-Finale noch einmal auf den Monitoren abgespielt wurde, stieg der Geräuschpegel im schick dekorierten Festsaal doch merklich. Im Reigen der zahlreichen ausgezeichneten Champions bekam Güven eine Einzelehrung - nur eine Frage blieb öffentlich ungeklärt: Geht der Türke 2026 wieder in der DTM an den Start, um seinen Titel zu verteidigen?
Offizielle Nachfragen zu Güvens Zukunft wurden am Samstagabend von allen Seiten mit einem höflichen Schulterzucken abgeblockt. Weder Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach noch Güvens Meister-Team Manthey wollten sich äußern. Wie das aber so ist in einem Raum mit hunderten Motorsport-Menschen, machte das eine oder andere Gerücht die Runde...
Ayhancan Güven: 2026 in WEC und Formel E statt DTM?
Die heißeste Spekulation, die Motorsport-Magazin.com am Abend aufgeschnappt hat: Güven soll 2026 nicht mehr in der DTM an den Start gehen. Stattdessen soll der 27-Jährige auf sein bevorstehendes Debüt in der Formel E vorbereitet werden und parallel in der WEC fahren.
Dass Güven ab der übernächsten Formel-E-Saison, die Ende 2026 beginnt, eines der Porsche-Werkscockpits bekommt, gilt als fast sicher. Die Zuffenhausener rüsten für dann zusätzlich auf und setzen zum Debüt der Gen4-Ära sogar vier Werksautos ein - in einem der zusätzlichen Cockpits soll Güven Platz nehmen, der die Verantwortlichen mit schnellen Rundenzeiten im Simulator und beim Rookie-Test in Berlin überrascht hat. Bei Porsche bevorzugt man Fahrer aus den eigenen Reihen, statt welche von der Konkurrenz zu holen.
Auszeichnung: Güven jetzt Porsche-Werksfahrer
Dass Porsche große Stücke auf Güven hält, bewies unter anderem sein jüngster Aufstieg in den elitären Kader der Werksfahrer - obwohl er noch gar kein Werksauto fährt. Güven soll sich 2026 in die knifflige Formel E reinfuchsen und ebenso bei der Entwicklung des neuen Gen4-Autos, einem Geschoss mit über 800 PS und permanentem Allradantrieb, unterstützen.
Parallel dazu soll für Güven ein Cockpit in der WEC samt dem Highlight des Jahres, den 24 Stunden von Le Mans, vorgesehen zu sein, um die Rennschärfe zu behalten. Damit würde er seinem DTM-Meister-Team Manthey treu bleiben, das trotz des werksseitigen Porsche-Ausstieges weiterhin zwei Porsche 911 GT3 R in der Langstrecken-WM einsetzen will. Manthey ist das Nonplusultra in der 2024 eingeführten LMGT3-Klasse und hat sämtliche Titelgewinne und zwei Klassensiege in Le Mans errungen.
Das WEC-Programm würde sich wohl nicht mit Güvens Formel-E-Vorbereitungen überschneiden. Und bei Manthey ist nach dem Aus des Frauen-Trios der Iron Dames (Rahel Frey, Michelle Gatting und Celia Martin) ein Cockpit für einen Profi-Rennfahrer frei geworden - die Kombination Güven/Manthey-Porsche/WEC würde also gut passen.
DTM 2026: Ricardo Feller vor Wechsel in Manthey-Porsche?
Wer Güvens Nachfolge in der DTM bei Manthey antreten soll, ist ebenfalls noch nicht öffentlich kommuniziert worden. Die Anzeichen verdichten sich allerdings, dass Ricardo Feller diesen Platz an der Seite des früheren Champions Thomas Preining einnehmen wird. Der Schweizer wusste 2025 im Land-Audi zu überzeugen und holte auf dem Red Bull Ring sogar einen vielumjubelten Sieg. Die kurzfristige Rückkehr ins Audi-Cockpit war für den Porsche-Vertragsfahrer eine Ausnahme mit Freigabe der Verantwortlichen. Feller saß kürzlich auf Wunsch von Porsche bereits beim Test der neuen DTM-Reifen in Paul Ricard am Steuer eines Neunelfers.
Eine weitere Saison mit Land-Motorsport in der DTM ist für Feller hingegen nicht vorgesehen. Der Rennstall aus Niederdreisbach hat unterdessen am späten Samstagabend – sehr zur Freude vieler Fans - seine Rückkehr in die DTM bekanntgegeben, dann mit einem Porsche 911 GT3 R, der für 2026 ein Evo-Paket erhält.
Am Steuer sitzt der talentierte Bastian Buus, der schon dieses Jahr sein DTM-Debüt an Fellers Seite beim Team Allied Racing hätte geben sollen - dazu kam es bekanntermaßen nicht. Ein zweiter Land-Porsche in der DTM gilt bis zum Saisonstart als nicht ausgeschlossen, aber definitiv nicht mit Feller.

Deutsches Talent steigt zum Porsche-Werksfahrer auf
Neben Güven begrüßt Porsche mit Laurin Heinrich einen weiteren Neuzugang im Werksfahrer-Kader. Der 24-Jährige steigt 2026 in der IMSA-Meisterschaft aus dem Porsche 911 GT3 R in den LMDh-Prototypen auf. Heinrich wird bei den Endurance-Rennen in Daytona, Sebring und beim Saisonfinale auf der Road Atlanta als dritter Fahrer an der Seite der Stammpiloten Felipe Nasr und Julien Andlauer an den Start gehen. Der Würzburger gab beim letzten WEC-Auftritt von Porsche in Bahrain sein Debüt im Porsche 963 und wusste dabei zu überzeugen. "Wir werden noch viel von Laurin sehen", gab es in Weissach ein Sonderlob von Porsche-Motorsportchef Laudenbach.
Bei Porsche halten sich die weiteren Änderungen im Werkskader trotz des WEC-Ausstieges in Grenzen. Nicht mehr dabei sind die Motorsport-Veteranen Romain Dumas und Patrick Pilet, die allerdings schon seit Längerem keine Rennen mehr für Porsche bestritten hatten. Vertragsfahrer Patric Niederhauser wird Porsche ebenfalls mit noch unbekanntem Ziel verlassen.
Neu im Reigen der Vertragsfahrer sind unterdessen der Brite Harry King, der ehemalige Porsche-Junior Alessandro Ghiretti sowie der von Porsche Asia geförderte Dorian Boccolacci. Als neue Junioren wurden Flynt Schuring, der jüngere Bruder von DTM-Debütant Morris Schuring, sowie Porsche-Carrera-Cup-Frankreich-Meister Marcus Amand ernannt.
Trotz WEC-Aus: Die meisten Prototypen-Fahrer bleiben an Bord
Michael Christensen, der als Stammkraft in die WEC-Saison auf dem #5 Porsche gestartet war, bei den letzten beiden Rennen aber nicht mehr am Prototypen-Steuer saß, bleibt ein Teil des Aufgebots. Da für den Dänen in den beiden IMSA-Boliden (Kevin Estre/Laurens Vanthoor und Nasr/Andlauer) kein Platz mehr war, wird er wohl bei GT3-Rennen in Kundensportprogrammen antreten. Ähnlich läuft es bei Nick Tandy, der das Prototypen-Cockpit 2026 gegen den IMSA-Porsche von AO Racing (Laurin Heinrichs Ex-Team) eintauschen wird. Tandy, der einzige Sieger der sechs wichtigsten Langstreckenrennen der Welt, erhielt am Samstagabend eine Sonderehrung und Standing Ovations.
Matt Campbell, der 2026 nur die drei langen IMSA-Rennen zusammen mit Estre und Vanthoor bestreiten wird, bleibt zumindest im kommenden Jahr Teil des Werkskaders. Der amtierende IMSA-Meister Mathieu Jaminet hatte sich bereits in Richtung WEC-Neueinsteiger Genesis verabschiedet und wurde am Samstagabend in Weissach gebührend verabschiedet.

Formel E: Neuer Teamkollege für Pascal Wehrlein
In der Formel E, dem zweiten verbliebenen Porsche-Werksprogramm neben der IMSA, waren die Fronten schon länger geklärt. Ex-Weltmeister Pascal Wehrlein erhält mit dem zweimaligen DTM-Vizemeister Nico Müller (kam für Antonio Felix da Costa) einen neuen Teamkollegen. David Beckmann bleibt Porsche-Vertragsfahrer und kehrt nach einer glücklosen Saison mit dem Porsche-Kundenteam Cupra-Kiro als Ersatzfahrer ins Werksteam der Zuffenhausener zurück.
Für Wehrlein, Müller und Co. beginnt die neue Saison schon am kommenden Samstag, 06. Dezember in Sao Paulo. Am Dienstag tritt Porsche die Reise nach Brasilien an. Wer die Formel E 2026 in Deutschland überträgt, ist offiziell noch immer nicht geklärt. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com sollen die Rennen weiter bei DF1/ServusTV, bei Eurosport und via DAZN ausgestrahlt werden.
Ansonsten herrscht Konstanz in Zuffenhausen: Langjährige Porsche-Vertragsfahrer wie Klaus Bachler, Nico Menzel, Marco Holzer oder Sven Müller bleiben an Bord und kommen in den unterschiedlichen Kundensport-Programmen - darunter NLS, GT World Challenge oder LMGT3-Klasse in der WEC - zum Einsatz. Für die Markenpokale wie die DTM-Rahmenserie Porsche Carrera Cup Deutschland oder den Supercup im Rahmen der Formel 1 kommt ein neues Fahrzeug auf Basis des 911.
Porsche-Fahrerkader 2026
| Fahrer | Status |
|---|---|
| Julien Andlauer | Werksfahrer |
| Matt Campbell | Werksfahrer |
| Michael Christensen | Werksfahrer |
| Kevin Estre | Werksfahrer |
| Ayhancan Güven | Werksfahrer |
| Laurin Heinrich | Werksfahrer |
| Richard Lietz | Werksfahrer |
| Nico Müller | Werksfahrer |
| Felipe Nasr | Werksfahrer |
| Thomas Preining | Werksfahrer |
| Nick Tandy | Werksfahrer |
| Laurens Vanthoor | Werksfahrer |
| Pascal Wehrlein | Werksfahrer |
| Klaus Bachler | Vertragsfahrer |
| David Beckmann | Vertragsfahrer |
| Dorian Boccolacci | Vertragsfahrer |
| Bastian Buus | Vertragsfahrer |
| Ricardo Feller | Vertragsfahrer |
| Michelle Gatting | Vertragsfahrer |
| Alessandro Ghiretti | Vertragsfahrer |
| Wolf Henzler | Vertragsfahrer |
| Marco Holzer | Vertragsfahrer |
| Gabriela Jilkova | Vertragsfahrer |
| Harry King | Vertragsfahrer |
| Nico Menzel | Vertragsfahrer |
| Sven Müller | Vertragsfahrer |
| Alessio Picariello | Vertragsfahrer |
| Morris Schuring | Vertragsfahrer |
| Marco Seefried | Vertragsfahrer |
| Joel Sturm | Vertragsfahrer |
| Marcus Amand | Junior |
| Flynt Schuring | Junior |



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