Porsche vergrößert sein Werksengagement in der Formel E: Ab der übernächsten Saison 2026/27 sollen vier anstelle der bisherigen zwei Werksautos in der Elektro-Weltmeisterschaft an den Start gehen. Zusätzlich planen die Zuffenhausener die Unterstützung eines weiteren Kundenteams. Die Ankündigung erfolgte rund einen Monat nach der Bekanntgabe, ab 2026 nicht mehr in der WEC und bei den 24 Stunden von Le Mans antreten zu wollen.
Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach spricht von einer "Anpassung des Einsatzkonzeptes". Damit gemeint ist: Schon jetzt fahren sechs Autos mit Porsche-Antriebssträngen in der Formel E, allerdings verteilt auf ein Werksteam sowie zwei Kundenteams (Andretti und Cupra-Kiro). Es ändert sich übernächstes Jahr also nichts an der reinen Anzahl der Fahrzeuge mit Porsche-Motor im Starterfeld, wohl aber die Zusammensetzung.
Porsche-Boss: Formel E im Vergleich hinsichtlich Aufwand und Nutzen sehr attraktiv
Mit dem Werks-Upgrade erhält der Sportwagenbauer eine größere Kontrolle über seine Aktivitäten in der Formel E. Dass Andretti (Fahrer-Champion mit Jake Dennis 2023) und Cupra-Kiro ebenfalls Porsche-Antriebsstränge nutzen, spielt in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle. Mit vier waschechten Werkswagen, die allesamt in Weissach vorbereitet werden sollen, steigen das Marketing-Potenzial und der Einfluss deutlich.
Der Einsatz eines zweiten Werks-Teams erfordert natürlich ebenso höhere Kosten als die Bereitstellung von Kundenautos - aktuell ein ganz heikles Thema bei der Porsche AG, siehe Le-Mans-Ausstieg. Motorsportchef Laudenbach sagt aber: "Im Vergleich zu anderen Rennserien ist die Formel E hinsichtlich Aufwand und Nutzen sehr attraktiv. Zudem haben wir die Möglichkeit, technische Umfänge weiterzuentwickeln, die für unsere Straßensportwagen relevant sind."
Porsche strebt Motorsport-Dynastie in der Formel E an
Nach unserem Verständnis hat Porsche die Startlizenz von McLaren übernommen, für die die Briten nach ihrem Ausstieg keinen direkten Nachfolger gefunden hatten. Kommt übernächstes Jahr auch noch Opel in die Formel E, könnten 2026/27 zwölf Teams mit 24 Autos antreten - Porsche würde mit sechs Fahrzeugen demnach ein Viertel des Starterfeldes bilden. Vieles deutet dann auf einen Zweikampf mit dem Stellantis-Konzern hin, der neben einem eigenen Werksteam auch den aktuellen Neueinsteiger Citroen (zuletzt Maserati) sowie demnächst Opel mit Motoren ausstatten könnte.
Dass Porsches Vorstandsetage um Entwicklungschef Michael Steiner trotz des allgemein überschaubaren Zuschauer-Interesses von der Formel E überzeugt ist, dürfte kein Geheimnis sein: Porsche hat bereits vor geraumer Zeit seinen Verbleib bis mindestens 2030 bestätigt. Konzern-Insider sprechen von einer "Dynastie", die Porsche in der Elektro-WM ähnlich zu den 24 Stunden von Le Mans (Rekordhalter mit 19 Siegen) anstrebe.
"Der Motorsport prägt unsere Marke", sagt Laudenbach dazu passend. "Unser Heritage im traditionellen Motorsport ist einzigartig und spiegelt sich in jedem Porsche wider. Zukünftig wollen wir das auch mit Blick auf den elektrischen Motorsport behaupten können."
Porsche in der WEC: Penske-Alternative wohl vom Tisch
Porsche hält trotz des WEC-Ausstieges auch künftig an den Prototypen fest und engagiert sich weiterhin in der US-amerikanischen IMSA-Meisterschaft. Gerüchte, dass Porsche mittels des mächtigen Partners Penske Motorsport im Jahr 2026 auch der WEC erhalten bleiben könnte, sollen sich nach Informationen von Motorsport-Magazin.com nicht bewahrheiten.
Porsches Werks-Upgrade in der Formel E ab 2026/27 kommt nicht per Zufall, sondern pünktlich zur Einführung der Gen4-Generation. Die mit über 800 PS und permanentem Allradantrieb stärksten Autos in der Geschichte der Elektro-Serie erfordern eine steile Lernkurve. Mit den Daten von sechs Autos kann sich Porsche auch angesichts der stark eingeschränkten Testmöglichkeiten einen potenziellen Vorteil im Wettbewerb verschaffen.
"Bei der Vermarktung der zusätzlichen Fahrzeuge wollen wir möglichst viel Eigenständigkeit kreieren, nicht einfach nur unseren Auftritt vergrößern", erklärt Laudenbach. "Nächstes Jahr schreiben wir 75 Jahre Porsche Motorsport - eine Erfolgsstory, die in Zukunft auch von Geschichten aus dem elektrischen Motorsport geprägt sein soll."
Wechselt DTM-Champion Güven in die Formel E?
Mit dem Ex-Weltmeister Pascal Wehrlein und Neuzugang Nico Müller dürften die beiden Plätze im 'A-Team' für die kommenden Jahre belegt sein. Die baldige Einführung des 'B-Teams' passt zu den Spekulationen der vergangenen Wochen: Der amtierende DTM-Champion Ayhancan Güven gilt schon jetzt als ganz heißer Kandidat für ein Werks-Cockpit. Ob der Türke nächstes Jahr überhaupt noch einmal für Manthey in der DTM antreten wird oder sich stattdessen aufs Formel-E-Debüt vorbereiten soll, ist ungewiss.
Güven ließ nach dem Titelgewinn zu keiner Zeit durchblicken, dass er 2026 erneut in der DTM antreten werde. "Wie genau es in der näheren Zukunft weitergeht, entscheidet sich in den nächsten Wochen", sagte er zuletzt. "Es gibt verschiedene Optionen, gleichzeitig steht aktuell die eine oder andere Veränderung in der Welt des Motorsports an. Es ist daher noch etwas zu früh zu sagen, welche Möglichkeiten sich letztlich realisieren lassen."



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