Er kann es noch: Nyck de Vries hat das erste von zwei Rennen der Formel E in Monaco an diesem Wochenende gewonnen. Für den Niederländer ist es der fünfte Sieg in der Elektroweltmeisterschaft und der erste seit 2022! Im Anschluss hatte sich de Vries für ein kurzes Formel-1-Abenteuer aus der Formel E verabschiedet und seit seinem Comeback 2024 auf einen Triumph gewartet.

Noch länger ist nur der letzte Sieg seines Mahindra-Teams her: Dort bescherte de Vries seiner Mannschaft sogar den ersten Sieg seit 2021! Für de Vries ist es ein wichtiges Resultat in einer bislang schwierigen Saison. Während sein Teamkollege Edoardo Mortara sich mitten im WM-Kampf befindet, belegte de Vries bislang nach schwierigen Resultaten und vielen Zwischenfällen nur einen Platz in der zweiten Tabellenhälfte.

Mitch Evans neuer WM-Führender, spätes Drama um Podestplatz

Nach den Pit-Boost-Nachladeboxenstopps übernahm de Vries in der 20. von 29 Rennrunden die Führung und gab diese bis ins Ziel nicht wieder her. Im Ziel setzte sich der 31-Jährige um 2,677 Sekunden gegen Jaguar-Werksfahrer Mitch Evans durch. Evans übernimmt mit seinem fünften Podestplatz aus den letzten sieben Rennen auch die Führung in der Fahrer-WM. Für Evans begann das Rennen mit einem Schreckmoment. Bereits in der ersten Runde meldete der Neuseeländer einen Reifenschaden am Boxenfunk, nachdem er am Heck leicht von Wehrlein getroffen wurde. Dieser stellte sich jedoch wohl als falscher Alarm heraus. Evans konnte das Rennen fortsetzen.

Dramatisch wurde es in der 27. Runde im Kampf um Platz drei als Evans-Teamkollege Antonio Felix da Costa von Dan Ticktum im Kundenporsche von Cupra-Kiro in die Mauer bei der Anfahrt auf die Nouvelle-Schikane geschickt wurde. Felix da Costa verlor dabei ein Rad und musste seinen Boliden noch auf der Strecke abstellen. Ticktum konnte mit ramponiertem Fahrzeug weiterfahren und kam auf P3 ins Ziel.

Der Brite musste sich jedoch noch einer Untersuchung durch die Rennleitung unterziehen und konnte sich nicht lange über sein zunächst drittes Karriere-Podest freuen. Denn der 26-Jährige erhielt eine Durchfahrtsstrafe für den Kontakt, die in eine 33-Sekunden-Zeitstrafe umgewandelt wurde. Glücklich zeigte sich auch Ticktum bereits am Funk mit der Kollision nicht. „Was haben wir getan? Was ein Desaster“, funkte Ticktum an sein Team. Die Strafe warf den 73-fachen ePrix-Starter auf den zwölften Rang zurück.

WRC Rallyeauto vs. Formel-E-Bolide - wer gewinnt? (01:16 Min.)

Rookie feiert erstes Formel-E-Podest

Ironischerweise verlor Ticktum das Podium ausgerechnet an seinen Kiro-Teamkollegen Pepe Marti. Der Rookie erreichte nach Startplatz 16 sein bislang bestes Karriere-Ergebnis. Die Kollision sorgte zudem dafür, dass die Schlussphase des Rennens bis auf die letzte halbe Runde unter Full-Course-Yellow-Bedingungen abgehalten wurde. Hinter Marti konnte mit Felipe Drugovich im Kundenporsche von Andretti ein weiterer Rookie sein mit Abstand bestes Karriere-Resultat in der Formel E feiern.

Andretti hatte vor diesem Wochenende die Trennung von Antriebspartner Porsche zum Start der Gen4-Ära ab der nächsten Saison bekanntgegeben, was im Fahrerlager bereits seit längerem kolportiert wurde. Allgemeinhin wird ein Wechsel zu Nissan erwartet, die seit dem McLaren-Ausstieg Ende 2025 ohne Kundenteam dastehen. Die Top-5 wurden von Sebastien Buemi im Envision-Jaguar abgeschlossen, der sich während des Rennens zahlreichen Beschwerden von Fahrer-Kollegen wegen ‚Moving under Braking‘ ausgesetzt sah, aber ohne eine Strafe davonkam. Sein Teamkollege Joel Eriksson erreichte Rang sechs.

Porsche-Drama in Monaco: Teamkollegen crashen!

Ein bitteres Rennen erlebte Porsche. Die Piloten des deutschen Autobauers kollidierten im Rennen! Werksfahrer Nico Müller wurde in der zwölften Runde vom langsam fahrenden Feld vor sich in der Rascasse-Kurve überrascht und fuhr seinem Teamkollegen Pascal Wehrlein ins Heck. Während Müller seinen Frontflügel verlor, aber mit beschädigtem Fahrzeug unbeeindruckt weiterfahren konnte, erlitt Wehrlein einen Reifenschaden und musste an die Box kommen.

Von dort an lag Wehrlein abgeschlagen am Ende des Feldes und beendete das Rennen auf dem letzten Platz. Mit der nun zweiten Nullnummer aus den letzten drei Rennen ist Wehrlein zudem auch die Gesamtführung in der Weltmeisterschaft los. Auch für Nico Müller blieb es bei einem enttäuschenden Resultat. Der Schweizer konnte als Neunter nur noch zwei Punkte für das Porsche-Werksteam mitnehmen.

Maximilian Günther und Abt holen erste Punkte seit Saisonauftakt

Vor Müller belegte das DS-Penske-Duo aus Taylor Barnard und Maximilian Günther die Ränge sieben und acht. Für den Allgäuer Günther sind es die ersten Punkte seit dem Saisonauftakt in Sao Paulo im Dezember 2025. Auf P10 konnte sich mit Lucas Di Grassi auch Lola Yamaha Abt rund um das deutsche Team Abt Sportsline über ein Erfolgserlebnis freuen. Auch für Abt ist es das erste Punkte-Resultat seit dem Saisonauftakt. Di-Grassi-Teamkollege Zane Maloney ging als Zwölfter knapp leer aus.

Wehrlein war derweil nicht der einzige Pilot, der im Rennen einen Reifenschaden erlitt. Nur zwei Runden später verzeichnete dies ebenso der amtierende Formel-E-Weltmeister Oliver Rowland (Nissan). Auch der Brite ging nach dem daraus folgenden zusätzlichen Boxenstopp leer aus und beendete das neunte Saisonrennen nur auf Rang 15.

Zweiter Auffahrunfall in Nouvelle-Schikane sorgt für Safety-Car

Für den ersten großen Aufreger sorgte in der vierten Runde ein Unfall zwischen Jake Dennis im Andretti-Porsche und Nick Cassidy (Citroen-DS) in der Nouvelle-Schikane. Cassidy musste bei der Anfahrt auf die Kurve leicht dem vor sich fahrenden Norman Nato (Nissan) ausweichen, der stark verlangsamte, drückte dadurch aber den heraneilenden Dennis in die Mauer. Dennis stellte seinen Boliden noch auf der Strecke in der Auslaufzone ab, während sich Cassidy an die Box zurückretten und nach einem Reifenwechsel das Rennen fortsetzen konnte. Für die Kollision sprachen die Sportkommissare eine 10-Sekunden-Zeitstrafe gegen Cassidy aus, der dennoch als Elfter die Punkte nur knapp verpasste. Der Vorfall sorgte zudem für eine kurze Safety-Car-Phase von zwei Runden.

Während Auslöser Nato sich aus diesem Vorfall gut heraushalten konnte, ging es kurz darauf für den Franzosen dennoch abwärts. Aufgrund eines Verstoßes gegen den vorgeschriebenen Reifendruck an seinem Nissan-Fahrzeug erhielt der 33-Jährige eine Durchfahrtsstrafe und belegte im Ziel nur den 14. Platz.

Formel E 2026: So geht es weiter

Wie schon im letzten Jahr ist das Formel-E-Rennwochenende in Monaco auch in diesem Jahr ein Double-Header, wobei sowohl am Samstag als auch am Sonntag ein Rennen ausgetragen wird. Folglich findet morgen noch einmal das gleiche Programm wie heute statt. Nach einem Freien Training um 08:30 Uhr deutscher Zeit steht um 10:40 Uhr das Qualifying an. Das Rennen startet um 15:00 Uhr. Der Privatsender DF1 überträgt 2026 alle WM-Läufe der Formel E im Free-TV.