Motorsport-Macht Manthey! Die Mannschaft aus Meuspath blickt auf eine meisterliche Saison 2025 im internationalen Geschehen zurück - noch mehr: Es war tatsächlich das erfolgreichste Jahr seit der Teamgründung anno 1996 durch Olaf Manthey.

Am vergangenen Wochenende hat das Porsche-Team seiner Saison wortwörtlich die Krone aufgesetzt: Beim Finale der Langstrecken-WM im Königreich Bahrain gelang Manthey die Titelverteidigung sowohl in der Fahrer- als auch in der Team-Meisterschaft der LMGT3-Klasse. Hinzukommt ein wiederholter Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans, womit Manthey seit der Einführung der GT3-Kategorie 2024 restlos alles abgeräumt hat, was es in der WEC zu gewinnen gab.

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Manthey-Porsche: DTM-Meister, WEC-Champions, Le Mans-Sieger

Dem Porsche 911 GT3 R um Richard Lietz reichte beim 8-Stunden-Rennen in Bahrain der vierte Platz, um Manthey den erneuten Titelgewinn zu sichern - nach Start von Platz 17. Der 41-jährige Österreicher und seine Teamkollegen Riccardo Pera sowie Ryan Hardwick hatten den Weg zur Meisterschaft mit Klassensiegen in Imola sowie Le Mans bereitet. Die Crew des blauen #92 Porsche setzte sich in der Endabrechnung vor AF-Corse-Ferrari (Rovera/Heriau/Mann) und ASP-Lexus (Lopez/Schmid/Umbrarescu) durch.

Für Manthey endete die Saison 2025 genauso wie sie begonnen hatte: mit einem Titelgewinn, nachdem das Team während des Winters bereits in der Asian Le Mans Series (Klaus Bachler/Joel Sturm/Antares Au) triumphiert hatte. Dazu gesellen sich die zweite DTM-Meisterschaft nach 2023 mit Ayhancan Güven (samt ungeklärter Zukunft) sowie der erneute Gewinn der Team-Wertung in der deutschen Traditionsserie. Manche würden auch den zweiten Gesamtplatz des Grello-Porsche beim 24h-Rennen Nürburgring als einen Erfolg werten - bei den siebenmaligen Siegern von Manthey sieht man das vermutlich anders...

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WEC-Champions und Le-Mans-Sieger: Ryan Hardwick, Riccardo Pera und Richard Lietz, Foto: WEC

Dem Erfolgsgeheimnis von Manthey auf der Spur

Was ist also das Erfolgsgeheimnis des langjährigen Porsche-Teams, das zu 51 Prozent der Porsche AG gehört? "Wir haben eine Struktur, die es uns erlaubt, sehr gute Leute in Festanstellung zu beschäftigen", erklärt Rennleiter Patrick Arkenau bei Motorsport-Magazin.com. "Wir haben über 20 Ingenieure, die sich Tag ein, Tag aus damit beschäftigen, wie man mit bunten Autos schnell im Kreis fährt. Das gibt uns Möglichkeiten, die andere Teams so vielleicht nicht haben, weil sie einen anderen Weg gehen."

Während zahlreiche GT-Kundenteams an den Rennwochenenden mit freien Mitarbeitern antreten, damit die laufenden Kosten nicht explodieren, ist bei Manthey in den vergangenen Jahren auch dank Unterstützung von Porsche ein eingeschworener Haufen zusammengewachsen. Auffällig: Die Motorsport-Schlüsselfiguren um Geschäftsführer Nicki Raeder und Arkenau sind praktisch bei allen Rennen zugegen - von der NLS auf der Nordschleife über die DTM bis hin zu den weltweiten WEC-Einsätzen. Gründer Olaf Manthey schaut aus dem Hintergrund ebenfalls ganz genau hin und meldet sich bei Bedarf.

Arkenau: "Es ist dieses Zusammenspiel, das sehr einzigartig ist und einen ganz, ganz großen Teil des Erfolgs ausmacht. Dass wir das so haben, macht mich unglaublich stolz. Wir haben eine sehr starke Truppe, die alles aus einer Hand macht. Es gibt viele Leute, die mehrere Programme für uns abdecken, von der DTM bis zur WEC. Wir haben dort die gleichen Schlüsselpersonen, einen sehr engen Austausch, und das ist am Ende ein Konstrukt, das einfach sehr gut funktioniert."

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Mantheys Meister-Porsche 911 GT3 R in der Langstrecken-WM, Foto: IMAGO/PsnewZ

Aus Meuspath über den großen Teich: Manthey-Porsche goes USA

Dieses Prinzip will Manthey auch in der IMSA-Serie fortführen, wenn die Meuspather 2026 den Sprung in die US-Sportwagenmeisterschaft wagen und je einen GT3-Porsche in der GTD-Pro- sowie GTD-Klasse an den Start führen werden. Zusammen mit dem IMSA-Engagement und den fortgeführten Projekten in der DTM, WEC (trotz Porsches Hypercar-Aus) sowie auf der Nordschleife ist Manthey-Porsche dann in den weltweit wichtigsten Kategorien des GT3-Sports vertreten.

Dem Unternehmen aus der Eifel, das mit seinen exklusiven Tuning-Produkten weit über den Motorsport hinaus bekannt ist, ist die Umstrukturierung in den vergangenen Jahren nahezu perfekt gelungen. Nach dem Ende der GTE-Pro-Klasse in der WEC Ende 2022, die Manthey als Porsche-Werksteam jahrelang erfolgreich bestritten hatte, mussten sich die Raeder-Brüder Nicki und Martin auf der Rennstrecke neu orientieren. "Nach dem Ende des RSR-Programms haben wir intern sehr viel umstrukturiert, wir haben eigentlich ein komplett neues Team aufgebaut", bestätigt Arkenau.

Der Einstieg in die DTM mit dem direkten Titelgewinn 2023 durch Thomas Preining sollte sich als Glücksgriff erweisen. Und auch das Engagement in der WEC - wo der Einsatz jedes einzelnen GT3-Autos mit fast schon irrsinnigen 4,5 Millionen Euro jährlich zu Buche schlägt - stellte sich gemessen an den Erfolgen als goldrichtige Entscheidung heraus.

"Ich kann das gar nicht richtig beschreiben", blickt Arkenau auf die vergangenen drei Jahre zurück. "Das ist extrem selten, und ich weiß es auch einzuordnen. Ich bin sehr dankbar, dass wir die Chance und die Möglichkeiten haben, überall als Manthey anzutreten - und dass wir so erfolgreich sind. Ein bisschen Glück gehört immer dazu, klar. Aber es ist überwältigend, das jetzt so zu haben."

Patrick Arkenau und Manthey-CEO Nicolas Raeder bei der WEC
Pokalsammler statt Feierbiester: Patrick Arkenau (links) und Manthey-CEO Nicki Raeder, Foto: Porsche AG/Jürgen Tap

"Das beste Team im Langstrecken-Rennsport"

Ein gutes Händchen bewies Manthey vor allem in der WEC, wo der Einsatz von Fahrern der FIA-Kategorien Bronze und Silber vorgeschrieben ist. Während die Profis (Platin) in den GT3-Autos größtenteils auf einem vergleichbar hohen Niveau performen, können die Amateure während ihrer Mindestfahrzeiten noch immer entscheidende Unterschiede ausmachen - wenn dank Fahrhilfen wie ABS und Traktionskontrolle auch nicht mehr ganz so sehr wie zu GTE-Zeiten.

Der Trick besteht darin, Amateur-Piloten für die WEC zu finden, die einerseits den Gesamteinsatz mitfinanzieren und andererseits konkurrenzfähig sind. Vorzuweisende Team-Erfolge erleichtern die Suche ungemein. Mit dem 45-jährigen US-Unternehmer Ryan Hardwick fand Manthey einen Bronze-Piloten, der beide Vorgaben erfüllte - und der 2026 auf eigenen Wunsch für das Team in der IMSA an den Start gehen wird. "Ich bin unglaublich stolz, Teil von Manthey zu sein - für mich das beste Team im Langstrecken-Rennsport", sagte Hardwick nach dem WEC-Titelgewinn.

Manthey-Mann Arkenau, der auch den zweiten WEC-Porsche mit dem Damen-Trio Rahel Frey/Michelle Gatting/Celia Martin (P18 in der Meisterschaft) hervorhob, erklärt: "Ein großer Teil des Erfolges ist, dass wir bei den Fahrer-Lineups das Glück und die Möglichkeit haben, sehr kompromisslos aufstellen zu können. Wir gehen stark auf Performance, die BoP gleicht das dann irgendwo an. Eine BoP schafft Rahmenbedingungen, aber sie macht eben nicht alles gleich. Das hilft uns und gibt uns viele Freiheiten."

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