Jenson Button hat am vergangenen Wochenende beim WEC-Finale in Bahrain das letzte Rennen seiner langen Profi-Karriere bestritten - nicht allzu erfolgreich und mit einem ungeplanten Knall... In Zukunft will der Formel-1-Weltmeister von 2009 nur noch Freude am Fahren: Historische Rennwagen sind das Ding des Briten, mit viel Sound und wenig Software.

Die hochkomplexe Technologie in Rennwagen wie dem Cadillac V-Series.R, den er dieses Jahr in der Langstrecken-WM an der Seite von Sebastien Bourdais und Earl Bamber pilotierte, wird Button ebenso wenig vermissen wie die ausufernden Ingenieurs-Briefings.

Cockpit und Lenkrad des Cadillac V-Series.R in der WEC
POV: Du bist der Fahrer eines Cadillac V-Series.R, Foto: IMAGO/justpictures.ch

Button vermisst Adrenalin im modernen Motorsport

"Ich liebe das Racing, aber es ist so kompliziert geworden", sagte der 45-Jährige in Bahrain zu Motorsport-Magazin.com. "Die Technologie hat sich so weit entwickelt. Man gibt uns so viele Tools an die Hand, mit denen wir im Auto arbeiten können. Das ist schon toll, aber: Es nimmt ein Stück weit das Adrenalin und die Aufregung, die man vom Fahren eines Autos bekommt. Was man tatsächlich noch mit Händen und Füßen macht, ist inzwischen nur noch ein sehr kleiner Teil davon."

Button spielt dabei auf die Software-Programmierung des Antriebsstranges an. Die Hybridantriebe - in den LMDh-Autos mit einheitlichem System von Bosch, bei den LMH-Boliden komplett selbstentwickelt - ermöglichen voreingestellte Mappings, um möglichst effizient durch die Kurven zu fahren. In der WEC steht jedem Auto pro Stint eine begrenzte Menge an virtueller Energie - die Kombination aus Sprit für den Verbrennungsmotor und der Elektro-Batterie - zur Verfügung.

Ferrari ist WEC-Weltmeister 2025! Porsche-Klatsche zum Abschied (19:51 Min.)

"Autos sind so komplex, dass man damit auch Bitcoin minen könnte"

Wie aufwendig die Technologie in der WEC inzwischen für Fahrer und Software-Ingenieure geworden ist, erklärte Alpine-Pilot Ferdinand Habsburg mit einem wunderbaren Vergleich in Bahrain: "Diese Autos sind so komplex, dass man damit auch Bitcoin minen könnte!"

Button dazu: "Die Technologie ist weit über dem, was in der Formel 1 erlaubt ist. Wir können das Auto von Kurve zu Kurve programmieren, jeden Teil dieser Kurve, jedes Segment, und wir können das sogar unmittelbar machen. Du kannst durch eine Kurve fahren, etwas auswählen - ob Traktionskontrolle, Differenzial, was auch immer - es für diese Kurve verändern, es programmieren, und in der nächsten Runde macht das Auto dann genau das, was du ihm gesagt hast."

Mussten die Fahrer zu früheren Langstrecken-Zeiten in erster Linie auf das Material, ihren Spritverbrauch und den Reifenverschleiß achten, hat die Elektro-Komponente für eine ganz neue Qualität des Rennfahrens gesorgt. Ganz extrem zeigt sich das in der Formel E, wo die Software zu den wichtigsten Parametern zählt. Die Elektro-Formelwagen gelten für Rennfahrer wegen des Energie-Managements als extrem anspruchsvoll zu bedienen.

Jenson Button in der Cadillac-Box bei einem WEC-Rennen
Jenson Button beendet seine Profi-Karriere zum Jahresende, Foto: IMAGO/PsnewZ

Button: "Oh mein Gott, ich will doch einfach nur fahren!"

Ähnlich geht es in den heutigen Langstrecken-Prototypen zu, wie Button mit etwas Bedauern bestätigte: "Es gibt so viele verschiedene Dinge, die du auf diese Weise machen kannst, dass du irgendwann denkst: 'Oh mein Gott, es gibt so viel zu tun, aber ich will doch einfach nur fahren.' Und ich glaube, deshalb liebe ich die historischen Autos so sehr."

Als Button in der WEC-Saison 2024 für das damalige Kunden-Team Jota - heute Cadillacs Werksteam - einen Porsche 963 fuhr, muss das ein kleiner Schock gewesen sein. "Als ich letztes Jahr zum ersten Mal in den 963 eingestiegen bin, hat es lange gedauert, bis ich damit zurechtgekommen bin", räumte er ein. "Wenn du in deinen 40ern bist, brauchst du länger zum Lernen als in deinen 20ern. Wahrscheinlich habe ich alles erst so nach fünf Rennen wirklich komplett verstanden."

Dass Button im gehobenen Rennfahrer-Alter dennoch mit der Elite des Langstrecken-Sports mithalten kann, bewies er eindrucksvoll beim 6-Stunden-Rennen in Sao Paulo: Button, Bamber und Bourdais belegten den zweiten Platz hinter dem siegreichen Schwesterauto (Stevens/Nato/Lynn). Im internen Duell war der 'Triple-B-Cadillac' allerdings unterlegen: Button und Co. beendeten die Saison auf dem zehnten Gesamtplatz, mit nur halb so vielen Punkten wie der Schwester-Caddy.

Welcher DTM-Fahrer Jenson Button 2026 in der WEC ersetzt und mit welchen Piloten das Cadillac-Werksteam in der Langstrecken-WM an den Start gehen wird, erfahrt ihr in diesem Artikel: