Prominenter Personalwechsel in Zuffenhausen: Sebastian Golz, seit vielen Jahren als Projektleiter für den Porsche 911 GT3 R in Kundensport-Serien wie der DTM, WEC, IMSA oder beim 24h-Rennen Nürburgring tätig, wird Porsche zum Saisonende verlassen. Seinen letzten Rennstrecken-Einsatz hat er demnach am kommenden Wochenende beim FIA-Weltcup in Macau (14.-16. November 2025).

Was Golz in Zukunft macht, ist noch unklar. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com aus unterschiedlichen Kreisen war es die persönliche Entscheidung des Noch-Projektleiters, einen anderen Weg in seiner Karriere einzuschlagen. Über Golz' bevorstehenden Abschied hatte 'Motorsport aktuell' zuerst berichtet. Sein Nachfolger ist noch nicht bekannt.

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Sebastian Golz verlässt Porsche nach überaus erfolgreicher GT3-Saison

Golz zählte in seiner Funktion zu den bekannten Größen in den Fahrerlagern dieser Welt. Er war 2016 zu Porsche gewechselt und hatte in seinen rund zehn Jahren zuletzt die Projektleitung für den GT3-Rennwagen auf Basis des 911 inne. Golz war zuvor mehrere Jahre im Kundensport-Bereich von BMW tätig.

Golz und Porsche Motorsport blicken auf zahlreiche Erfolge im wichtigen Kundensport rund um den Globus zurück: Mit der aktuellen Generation des Porsche 911 GT3 R gewann Manthey jüngst durch Ayhancan Güven zum zweiten Mal nach 2023 (Thomas Preining) die Fahrer-Meisterschaft in der DTM, auch der Team-Titel ging zum zweiten Mal an den Rennstall aus Meuspath.

Sebastian Golz und Manthey-Porsche-Fahrer Ayhancan Güven in der DTM
Sebastian Golz feiert den DTM-Titelgewinn mit Ayhancan Güven, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Manthey blickt 2025 sogar auf das erfolgreichste Jahr seiner Unternehmensgeschichte mit dem Neunelfer zurück: zum Gewinn der DTM-Meisterschaft gesellten sich der Fahrer- und Team-Titel in der Langstrecken-WM (WEC) sowie ein LMGT3-Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Alle drei Erfolge konnte die Manthey-Truppe erfolgreich aus dem Vorjahr verteidigen.

Hinzukommen der Meister-Titel in der Asian Le Mans Series im Winter sowie Platz zwei beim 24h-Rennen Nürburgring 2025 hinter Rowe-BMW - letzteres würde Lokalmatador Manthey angesichts der eigenen hohen Ansprüche wohl nicht unbedingt als Erfolg verbuchen...

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Manthey-Porsche verteidigt sämtliche LMGT3-Titelgewinne in der WEC, Foto: Porsche AG/Jürgen Tap

Porsche 911 GT3 R: Prestige-Erfolge von Bathurst bis nach Amerika

Nicht nur Manthey fuhr mit dem 2023 eingeführten GT3-Porsche auf Basis der 992-Generation von einem Erfolg zum nächsten. Golz konnte sich in seiner Funktion als Projektleiter auch über den Titelgewinn durch das Team AO Racing in der IMSA-Meisterschaft 2024 freuen. Laurin Heinrich, der beim WEC-Saisonfinale in Bahrain erstmals das Porsche-Hypercar fahren durfte, führte den bei US-Fans beliebten, grünen Rexy-Porsche zur GTD-Pro-Meisterschaft.

Weitere Erfolge des Porsche 911 GT3 R in der jüngeren Vergangenheit: Sieg beim 12-Stunden-Rennen in Bathurst 2024, Herstellertitel in der Intercontinental GT Challenge, Siege und Meisterschaften in der GT World Challenge Amerika, Asien und Europa sowie zahlreiche Gesamtsiege in der NLS auf der Nürburgring-Nordschleife.

Der aktuelle Porsche 911 GT3 R, von dem bislang mehr als 100 Einheiten an Kunden aus aller Welt ausgeliefert worden sind, erhält für die Saison 2026 ein Technik-Update. Im Mittelpunkt der Evolution standen Optimierungen des Fahrwerks und der Aerodynamik. Ziel: ein noch ausgeglicheneres, auch für Nicht-Profis bei unterschiedlichen Bedingungen gut beherrschbares Handling im Renneinsatz.

Sebastian Golz: Seine Gründe für den Abschied

Golz teilte seine Gründe am Dienstagabend in einem Statement mit, das Motorsport-Magazin.com veröffentlichen darf:

"Es gibt Momente im Leben, da blickt man zurück und spürt, dass man Teil von etwas wirklich Großem war. Neun Jahre bei Porsche Motorsport - das war für mich mehr als ein Job. Es war Leidenschaft, Verantwortung, Vertrauen und Teamgeist in seiner reinsten Form. Es war das Zusammenspiel von Menschen und Technik, von Emotionen und Präzision, das mich jeden Tag aufs Neue fasziniert hat."

"Wenn ich an diese Zeit denke, dann denke ich an Gesichter - an Kolleginnen und Kollegen, an Kundenteams, an Fahrer "around the world". Erfolge entstehen nie allein. Sie sind das Ergebnis gemeinsamer Leidenschaft, des gegenseitigen Respekts und des unerschütterlichen Willens, das Beste zu geben. Ich durfte erleben, wie aus Ideen Fahrzeuge wurden, aus Konzepten Siege - und aus Projekten Geschichten, die Teil der Porsche-DNA geworden sind."

"Porsche Motorsport hat mich geprägt - durch unzählige Stunden in Weissach, durch Nachtschichten an der Strecke, durch Entscheidungen, die in Sekunden getroffen und in Millisekunden bestätigt oder widerlegt wurden. Motorsport ist ein Hochleistungssport - nicht nur auf der Strecke, sondern in jedem Prozess, in jeder Entwicklung, in jedem Moment."

"Gemeinsam mit meinem Projektteam durfte ich den Porsche 911 GT3 R in mehreren Generationen entwickeln - vom 991 bis zum 992 - und damit weltweit Siege feiern: bei den 24 Stunden von Le Mans, Spa und Nürburgring, in der DTM, bei den 12 Stunden von Bathurst, im IMSA- und WEC-Championship."

"Diese Erfolge erfüllen mich mit Stolz, weil sie zeigen, was möglich ist, wenn Menschen mit Hingabe, Disziplin und Vertrauen zusammenarbeiten. Der Abschied fällt mir nicht leicht. Porsche ist mehr als ein Arbeitgeber - es ist ein Lebensgefühl."

"Doch nach fast 20 Jahren im Motorsport möchte ich bewusst einen Moment innehalten. Meine Familie hat mich auf diesem Weg begleitet, getragen und vieles aufgefangen, was im Alltag auf der Strecke geblieben ist. Jetzt ist die Zeit gekommen, etwas davon zurückzugeben."

"Ich weiß noch nicht, wohin mich der Weg führen wird. Aber ich weiß, dass ich weitermachen möchte - mit der gleichen Leidenschaft, der gleichen Neugier, dem gleichen Drang, Dinge zu schaffen, die man sehen, anfassen und erleben kann. Das bin ich - und das wird immer so bleiben."