Nach zwei spannenden Rennen der Formel E in Berlin, nach denen Oliver Rowland als neuer Weltmeister feststeht, geht es in Deutschlands Hauptstadt schon wieder weiter. Auf dem Kurs am ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof standen die in Berlin mittlerweile schon fast traditionellen Rookie-Testfahrten an. Teilnehmen durften 22 Fahrer, die bislang noch kein Formel-E-Rennen bestritten haben.
In zwei dreistündigen Sessions zwischen 09:00 und 12:00 Uhr sowie zwischen 14:00 und 17:00 Uhr erhielten die Piloten die Fahrer die Möglichkeit, sich mit dem Gen3-Evo-Boliden vertraut zu machen. Alljährlich ist der Rookie-Test auch für das ein oder andere prominente Gesicht aus der Welt des Motorsports gut. In diesem Jahr nahm so etwa der in der DTM für Manthey-Porsche startende Ayhancan Güven für das Porsche-Werksteam am Test teil, oder auch Charles Leclercs Bruder Arthur. Mit Daniil Kvyat (DS Penske) war auch ein ehemaliger Formel-1-Pilot im Feld vertreten.
Gabriele Mini holt Bestzeit, Ayhancan Güven Zweiter
Die Tagesbestzeit ging schlussendlich an Gabriele Mini, der ausgerechnet im Weltmeister-Boliden von Stammfahrer Rowland ans Lenkrad greifen durfte. Der Italiener benötigte für seine schnellste Runde auf der 2,374 Kilometer langen Strecke 57,428 Sekunden. Diese Zeit war damit sogar 0,328 Sekunden schneller als jegliche Zeiten im normalen Wochenendverlauf. Große Teile desselbigen, unter anderem beide Qualifying-Sessions, fanden jedoch auch auf nasser Strecke statt.
Platz zwei ging mit 0,226 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit an Güven, die Top-3 wurden von Kush Maini im Mahindra-Werksboliden abgeschlossen. Aston Martins Formel-1-Junior Jak Crawford im Andretti-Porsche und Formel-3-Pilot Callum Voisin (Cupra-Kiro) komplettierten die Top-5. Rang sechs ging an Alex Dunne im Kunden-Nissan von McLaren.
McLaren-Youngster überzeugt Teamchef
Der 19-jährige Ire gilt als großes Nachwuchs-Talent und belegt aktuell in seiner Rookie-Saison in der Formel 2 den dritten Meisterschaftsrang. McLarens Formel-E-Teamchef Ian James berichtete im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com vor allem von einem Erlebnis mit dem Youngster, das ihn nachhaltig beeindruckte. Dieses fand statt, nachdem Dunne 2025 beim Formel-1-Wochenende in Österreich für das Formel-1-Team von McLaren das erste Freie Training absolvierte.
"Zwei Tage später war er bei uns für die Formel E im Simulator", berichtete James. "Ich hatte die Befürchtung, dass er vielleicht in seinem Kopf immer noch bei der Formel 1 ist. Aber das war einfach nicht der Fall. Er war voll auf die Formel E fokussiert, hochprofessionell und hat einfach einen super Job gemacht."
Güven von Formel-Boliden überrascht: Dachte mein Helm ist kaputt
Wie im Vorjahr sammelten einige Piloten ihre ersten Erfahrungen in einem Formel-E-Boliden überhaupt, darunter auch Güven und Formel-4-Pilot Elia Weiss, der erst rund drei Wochen vor dem Test seinen 16. Geburtstag feiern durfte und somit gerade so alt genug ist, um überhaupt am Test teilnehmen zu dürfen.
“Beide haben einen sehr guten Job abgeliefert“, lobte Porsche-Teamchef Florian Modlinger in der Mittagspause auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com seine beiden Fahrer. Speziell für Güven sei der Testtag eine besondere Herausforderung gewesen, so Modlinger weiter, denn: „Wenn ich nicht falsch informiert bin, ist er bis aufs Kart noch nie ohne Dach gefahren. Er hat einen ganz lustigen Kommentar nach seiner ersten Ausfahrt abgegeben, dass es windig, kalt und anders ist.“

Darauf von Motorsport-Magazin.com in einer Medienrunde angesprochen, ging Güven noch mehr ins Detail. „Als ich zum Rennen fahren nach Deutschland gekommen bin, war es schon zu spät, um in den Einsitzer-Sport einzugsteigen“, erklärte Güven. „Ich habe das Team gefragt, ob sie meinen Helm überprüfen können, denn ich hatte so viel Wind im Cockpit, aber sie sagten das ist normal. Anfangs dachte ich, etwas wäre falsch mit meinem Helm, es war zu viel Wind. Dann habe ich mich daran gewöhnt und es begann normal zu werden.“
Rat von Claudia Hürtgen an 16-Jährigen Elia Weiss: Lass das Auto heil
Nicht nur DTM-Sieger Güven durfte sich über Lob des Teamchefs freuen. Auch für Youngster Weiss hatte Modlinger warme Worte übrig: „Er war gleich im ersten Run beeindruckend und auch die ganze Vormittags-Session lang. Man muss überlegen, er ist vor drei Wochen 16 geworden und was so ein Auto für eine Herausforderung ist.“
Auch grundsätzlich sei die Situation beim Rookie-Test nicht einfach. „Die zwei müssen immer im Hinterkopf haben, dass das unsere Renn-Einsatzautos sind. Das Thema ist im Cost Cap mit drin und kann sportliche Strafen nach sich ziehen, wenn sie etwas kaputt haben“, so Modlinger. „Und das als Rookie im Hinterkopf zu haben und dann schnell im Auto zu fahren, ist eine doppelte Herausforderung.“

Doch wie kam der 16-jährige Weiss überhaupt zu seinem Formel-E-Gastspiel? „Ich bin Teil des Motorsport Team Germany, das Hilfe von Porsche bekommt. Ich hatte also die Möglichkeit, im Simulator in Weissach zu sein“, erklärte der Sohn von Claudia Hürtgen. „Und anscheinend mochten sie die Art, wie ich gearbeitet habe und im Simulator war. Und dann haben sie mich gefragt, ob ich den Rookie-Test für sie fahren möchte. Und ich habe natürlich ja gesagt, es ist eine großartige Gelegenheit.“ Einen Ratschlag für Weiss gab es von Rennfahrermutter Hürtgen vor dem Porsche-Einsatz auch noch, verriet Weiss: „Lass das Auto in einem Stück.“
Weiss belegte schlussendlich den 20. Platz. Für Lola Yamaha Abt rund um das deutsche Team Abt Sportsline gingen beim Test ebenfalls zwei Nachwuchsfahrer an den Start, der Australier Hugh Barter und der Franzose Alessandro Giusti. Im Gesamtklassement belegten die beiden Piloten die Positionen sieben und neun.
Steine sorgen für Unterbrechung, 4 Frauen am Start
Anders als in den Vorjahren blieb der Rookie-Test in diesem Jahr unfallfrei. Lediglich rund 35 Minuten vor dem Ende der Vormittags-Session gab es eine fünfminütige Rotphase. Der Grund hierfür war zunächst schwierig auszumachen, für den Rookie-Test produziert die Formel E keine Live-Übertragung mehr. Wie Motorsport-Magazin.com aber von Streckenposten erfuhr, waren Steine auf der Strecke für die Unterbrechung verantwortlich, die in der Folge aufgesammelt wurden.
Beim Rookie-Test waren in diesem Jahr auch vier Frauen im Feld vertreten. Die zweifache Meisterin der mittlerweile nicht mehr existenten W Series, Jamie Chadwick, ging für das Jaguar-Werksteam an den Start. Abbi Pulling, die amtierende Meisterin der F1 Academy, griff für Nissan ans Lenkrad. Mit Ella Lloyd (McLaren-Nissan) und Bianca Bustamante (Cupra-Kiro) waren auch eine weitere aktuelle und eine ehemalige Pilotin aus der F1 Academy in Berlin unterwegs. Die beste Platzierung von ihnen erreichte schlussendlich Pulling auf P17.
Der Test ist nicht nur für die Piloten eine willkommene Gelegenheit, Erfahrung in den komplexen Formel-E-Boliden zu sammeln und sich den Teams zu präsentieren. Die Teams selbst nutzen den Testtag, um angesichts stark eingeschränkter Testmöglichkeiten durch das Reglement wichtige weitere Daten zu sammeln.
Formel E 2025: So geht es weiter
Nach dem erfolgreich absolvierten Rookie-Test steht die Formel-E-Saison 2025 kurz vor ihrem Ende. Nur noch zwei Rennen in der britischen Hauptstadt London stehen am 26. und 27. Juli an. Die Fahrer-WM ist zwar schon entschieden, dennoch ist Spannung garantiert: In der Team- und Hersteller-Wertung liefern sich Porsche und Nissan ein knappes Rennen, aktuell mit leichtem Vorteil für Porsche.
Formel E Berlin Rookie Test 2025: Kombiniertes Ergebnis
| Pos. | Fahrer | Team | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Gabriele Mini | Nissan | |
| 2 | Ayhancan Güven | Porsche | |
| 3 | Kush Maini | Mahindra | |
| 4 | Jak Crawford | Andretti-Porsche | |
| 5 | Callum Voisin | Kiro-Porsche | |
| 6 | Alex Dunne | McLaren-Nissan | |
| 7 | Hugh Barter | Lola Yamaha Abt | |
| 8 | Frederik Vesti | Andretti-Porsche | |
| 9 | Alessandro Giusti | Lola Yamaha Abt | |
| 10 | Theo Pourchaire | Maserati-DS | |
| 11 | Daniil Kvyat | DS Penske | |
| 12 | Dino Beganovic | Mahindra | |
| 13 | Arthur Leclerc | Maserati-DS | |
| 14 | Nikita Bedrin | DS Penske | |
| 15 | Leonardo Fornaroli | Jaguar | |
| 16 | Zak O'Sullivan | Envision-Jaguar | |
| 17 | Abbi Pulling | Nissan | |
| 18 | Ella Lloyd | McLaren-Nissan | |
| 19 | Jamie Chadwick | Jaguar | |
| 20 | Elia Weiss | Porsche | |
| 21 | Johnathan Hoggard | Envision-Jaguar | |
| 22 | Bianca Bustamante | Kiro-Porsche |


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