Beinahe hätte das Strategie-Versagen von McLaren bei der Formel 1 in Katar Lando Norris bis auf Platz fünf zurückgeworfen. Beinahe. Denn zwei Runden vor Schluss schummelte Norris sich an Kimi Antonellis Mercedes vorbei auf P4. Antonellis doppelter Fahrfehler rief sofort Verdächtigungen von Red Bull auf den Plan. Als das zu Mercedes durchdringt, rastet Teamchef Toto Wolff aus.
Natürlich ist McLaren ja ein Mercedes-Motorenkunde. Der implizierte Verdacht: Antonelli streute mit Absicht Fahrfehler ein, um Norris zwei Runden vor Schluss einen Platz und damit zwei weitere wichtige Punkte im engen WM-Kampf mit Verstappen zu schenken. Die Theorie deutete schon Verstappens Renningenieur GP Lambiase gleich am Funk an. Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko setzte wenige Minuten später noch eins drauf.
Erst brachte er das Thema bei Sky Deutschland ungefragt auf: "Der hat ihn vorbeigewunken!" Als Motorsport-Magazin.com Marko etwas später im Fahrerlager traf, hatte er seine Meinung auch mit etwas Abstand nicht geändert: "Wenn man so zweimal auf die Seite fährt ... das kann man ja erwähnen."
Helmut Marko legt gegen Mercedes nach, Toto Wolff fassungslos
Antonelli hatte sich in Runde 56 erst im Highspeed-Knick von Kurve 9 mit einem Rutscher vertan. Dann eierte er durch Kurve 10, stand erneut quer, und Norris ging endlich vorbei. "Es ist zweimal passiert!", unterstreicht Marko und greift süffisant einer möglichen Ausrede vor: "Zweimal, da war der Unterboden glaube ich noch nicht beschädigt."
Schon die Sky-Unterstellungen waren zugleich zu Mercedes-Teamchef Toto Wolff durchgedrungen. Erhitzt schoss er daraufhin in seiner Presserunde scharf zurück: "Absoluter, völliger Nonsens. Das macht mich komplett fertig. Wir kämpfen um Platz zwei in der Konstrukteurs-WM. Das ist wichtig für uns. Kimi kämpft um einen dritten Platz. Ich meine, wie hirnlos kannst du sein, sowas überhaupt zu sagen?"
"Es nervt mich, denn das Rennen an sich nervt mich, wie es abgelaufen ist, der Fehler am Ende nervt mich, die anderen Fehler nerven mich, und dann höre ich so einen Nonsens, das macht mich fertig", redet sich Wolff richtiggehend in Rage. "Warum würden wir auch nur ansatzweise daran denken, in die Fahrer-WM einzugreifen? Da musst du dich selbst checken lassen, ob du Geister siehst."
Verstappen-Renningenieur nimmt Aussagen zurück - Helmut Marko nicht
Wolff hatte sich kurz davor schon mit Verstappen-Ingenieur GP Lambiase unterhalten, nachdem er bereits mitbekommen hatte, dass dessen Funkspruch für Wirbel sorgte: "Ich sagte zu ihm, [Kimi] ist einfach rausgerutscht. Er hatte einen kleinen Moment in der vorherigen Kurve, dann weniger Speed am Eingang der Linkskurve, dann ist er auf Gas und es ist passiert. Das kann passieren. Mit GP ist alles klar. Er meinte, er habe die Situation nicht gesehen."
Alle diese Aussagen hatte Wolff bereits getätigt, bevor Motorsport-Magazin.com noch einmal mit der anderen Seite sprach. Das verbale Feuerwerk seines Kontrahenten lässt Marko völlig kalt: "Das kann ich gerne kontern. Man soll sich das anschauen. Es ist ja nicht nur einmal passiert."



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