Oscar Piastri hatte beim Formel-1-Rennen in Katar alle Trümpfe in der Hand. Er führte und saß im schnellsten Auto. Doch den Sieg holte sich Max Verstappen, da McLaren bei der Strategie komplett danebenlag und so einen aufgelegten Sieg aus der Hand gab.

Der Australier war anschließend frustriert, hatte auf dem Podium nicht viel Lust zum Jubeln und zeigte sich schon auf der Auslaufrunde fassungslos. "Sprachlos! Mir fehlen die Worte", funkte der WM-Zweite mit Frust unterlegter Stimme an sein Team. Eine verständliche Reaktion, denn Piastri war das ganze Wochenende über der schnellste Fahrer gewesen und hatte keinen Fehler begangen. Auch nach dem Strategie-Schnitzer hatte er ein deutlich besseres Rennen gezeigt als Teamkollege Lando Norris.

McLaren verschenkt Sieg durch Strategie-Fehler

Der Fehler lag beim Team oder besser gesagt an der Boxenmauer, als in Runde 7 Piastris Renningenieur Tom Stallard seinem Fahrer auf dessen Nachfrage darüber informierte, dass man keinen Stopp einlegen werde. Dabei war gerade ein Safety Car für die Kollision zwischen Nico Hülkenberg und Pierre Gasly ausgerufen worden. Bei noch 50 zu fahrenden Runden und einem per Reglement vorgeschriebenen Limit von 25 Runden pro Reifensatz eigentlich der ideale Zeitpunkt für einen Stopp, wie alle anderen Teams fanden.

Obwohl man ihm die Enttäuschung klar anmerkte, äußerte sich Piastri im Parc-Ferme-Interview nach dem Rennen gewohnt nüchtern. "Offensichtlich haben wir es heute Abend nicht richtig gemacht", hielt er fest. "Ich fuhr das beste Rennen, das ich konnte, und war so schnell wie ich konnte. Ich habe heute nichts falsch gemacht und mein Bestes versucht. Aber es kam nicht zustande", so Piastri.

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Piastri sah keine Schuld bei sich und betonte, dass die Verantwortung beim Team lag: "In dieser Situation muss man dem Team vertrauen. Sie haben viel mehr Informationen als die Fahrer, über die Abstände und so Sachen. In diesem Szenario muss man der Team-Entscheidung vertrauen." Ein Vertrauen, das sich in diesem Fall nicht bezahlt gemacht hatte.

McLaren-CEO Zak Brown entschuldigte sich nach dem Rennen im TV-Interview von F1TV zwar bei seinen Fahrern. Für Piastri dürfte das aber nur ein schwacher Trost sein, genauso wie das Lob seines Chefs. "Es war die falsche Entscheidung. Ich fühle mich schrecklich für Oscar und Lando. Oscar war das ganze Wochenende absolut unantastbar, wir haben sie im Stich gelassen."

Zweiter gravierender McLaren-Patzer in zwei Rennen

Dass die Entscheidung an der McLaren-Boxenmauer falsch war sei rückblickend betrachtet offensichtlich, betonte er, wollte aber sämtliche Details dazu erst einmal intern abklären: "Ich bin mir sicher, dass wir das als Team diskutieren werden." Nicht nur aufgrund der wertvollen Punkte, die er nun im WM-Kampf verloren hatte, schmerzt der verlorene Sieg ihn: "Die Frustration ist ziemlich hoch, und das bedeutet einiges wenn man sich anschaut wie die letzten Rennen gelaufen sind."

Ihm selbst war im Cockpit ziemlich schnell klargeworden, dass die Entscheidung seines Teams ein Fehler war, und ihm der Sieg zu entgleiten drohte. "Als mir gesagt wurde, dass alle gestoppt hatten außer mir, Lando und Ocon und dann Ocon auch noch auf der nächsten Runde stoppt, da wusste ich, dass wir in Schwierigkeiten waren", erklärte Piastri.

Es ist der zweite weitreichende McLaren-Teamfehler in Folge. In Las Vegas waren sowohl Piastri als auch Norris nachträglich disqualifiziert worden, nachdem die Unterboden-Planke zu viel Abnutzung aufwies. Von zerstörtem Vertrauen in das Team wollte Piastri aber nichts wissen. "Es ist keine Katastrophe. Wir haben heute eine falsche Entscheidung getroffen, aber das ist nicht das Ende der Welt. Es schmerzt im Moment, aber mit der Zeit werden diese Dinge besser."

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