Nach dem Rennen der Formel 1 in Katar ist Lando Norris ordentlich bedient. Im schnellsten Auto fuhr er vom zweiten Startplatz los, und dann ging der Reihe nach alles schief. Im Fokus steht natürlich der totale Strategie-Aussetzer seines Teams, doch Norris muss sich nach dem Rennen auch noch den eigenen Fehltritten stellen.

"Ich will nur noch ins Bett", wiederholt Norris nach dem Rennen wieder und wieder. Erst in TV-Interviews, dann auch gegenüber den schreibenden Journalisten. Am Start war er erst hinter Max Verstappen zurückgefallen, und dann verschlief McLaren bei beiden Fahrern in Runde sieben einen ultimativ essenziellen ersten Boxenstopp, der genau mit dem in Katar vorgegebenen 25-Runden-Limit zusammenpasste. Nur Norris und Oscar Piastri kamen unter einem perfekt getimten Safety Car nicht zum Stopp.

Die Konkurrenz sparte sich damit praktisch einen Boxenstopp. Piastri kostete das höchstwahrscheinlich den Sieg, aber er konnte noch Platz zwei retten. Norris hätte eigentlich zumindest noch P3 schaffen sollen - doch er war am Ende zu langsam im Mittelstint. So kam er am Schluss hinter Carlos Sainz und Kimi Antonelli auf die Strecke. Ohne eines Ausrutschers von Antonelli auf der vorletzten Runde wäre er gar nur Fünfter geworden: "Er hat einen Fehler gemacht, also danke, Kimi."

Damit wurde Norris Vierter. "Jetzt kann ich nichts mehr dagegen tun", zuckt er mit den Schultern. Sein Punkte-Vorsprung in der WM ist auf 12 Zähler geschrumpft, Max Verstappen lauert. "Es war nicht unser bester Tag, nicht mein bestes Wochenende in Sachen fahren und Dinge hinbekommen."

Lando Norris zum Stopp-Desaster: Hätten viele Dinge anders machen können

Zur Strategie kann er nach dem Rennen noch gar nichts sagen: "Bin ja gerade erst aus dem Auto." Aber dass McLaren beide Autos hätte stoppen sollen, das ist offensichtlich, auch wenn Norris als zweites Auto hinter Piastri warten hätte müssen und mit einem sogenannten Double-Stack potenziell Zeit verloren hätte.

"Ein bisschen Zeit, ich meine, letztendlich hätte ich vielleicht gar keinen Platz verloren", meint Norris. Hinter dem Safety Car hatte es zu dem Zeitpunkt noch kleine Lücken gegeben. Piastri war ein paar Sekunden vor Norris, und Norris knapp vor Antonelli. Allzu viele Positionen drohte Norris da als immer noch Dritter nicht zu verlieren.

"Aber das ist etwas, dass wir uns anschauen und analysieren werden", gibt Norris nach dem Rennen wortkarge Antworten. "Wir hätten viele Dinge anders machen können, aber das haben wir nicht. Wir taten das, von dem wir dachten, dass es richtig sei. Ist alles kein Ding."

Lando Norris zu langsam - und scheitert am Katar-Podium

Nachdem der Rest des Feldes in Runde sieben zum ersten Stopp gekommen war, hatten die McLaren-Piloten auf der Strecke schließlich noch die Chance, mit ihrer starken Pace Schadensbegrenzung zu betreiben, indem sie sich zu möglichst vielen Verfolgern eine Boxenstopp-Lücke auffuhren. Piastri schaffte das mit freier Fahrt gegen alle bis auf Verstappen. In Piastris verwirbelter Luft kam Norris aber nicht wirklich in Schwung. Je länger das Rennen dauerte, desto weiter riss er ab.

Max Verstappen am Sonntag bei der Formel 1 in Katar
Den Verlust von P2 an Max Verstappen am Start war für Norris bitter, Foto: IMAGO / PsnewZ

Vor allem ein spektakulärer Quersteher im Mittelstint kostete Norris Zeit, und wohl auch Reifenleben, aber letztendlich denkt er nicht, dass der allein kriegsentscheidend war: "Ich war wegen des Starts hinter Carlos. Natürlich, der Fehler im Highspeed-Bereich hat mir eine Chance gekostet, Carlos zu holen, aber er hat mir nicht den Platz gekostet. Ich war im Hintertreffen, weil ich den ganzen Stint hinterherfahren musste."

Bis zum letzten Boxenstopp fiel er fast acht Sekunden hinter Piastri zurück. Aber schlimmer noch: Er konnte sich keine Boxenstopp-Lücke zu Carlos Sainz und Kimi Antonelli auffahren, auf den letzten Runden vor seinem zweiten Stopp war er nie schneller als die beiden. Als Piastri daher kurz vor Rennende zum zweiten Stopp kam, konnte er immer noch den zweiten Platz retten. Norris hingegen fiel bis auf den fünften Platz zurück, der dank des Antonelli-Fehlers eben ein vierter wurde.

Über WM-Szenarien mag Norris am Ende von Katar aber nicht nachdenken. Es sind ja trotzdem immer noch 12 Punkte, er hat den Titel also nach wie vor selbst in der Hand. "Der Lauf, den ich davor hatte, war toll, ich habe mich selbst in diese Position gefahren", erinnert er. "Jeder hat schlechte Wochenenden. Wir alle müssen es akzeptieren, und schauen, was nächstes Wochenende geht." Piastris Sicht der Dinge gibt es hier: