"Eine Sekunde weg vom besten Auto. Eine halbe Sekunde weg von Ferrari. Und McLaren ist jetzt auf deren Level. Wir sind abgeschlagene Vierte." Das Formel 1-Fazit, das Laurent Mekies nach den ersten drei Rennen zieht, ist vernichtend. Als Wurzel allen Übels hat sich das Chassis herauskristallisiert – und damit der direkte Verantwortungsbereich von Technikchef Pierre Waché.

Entsprechend überrascht es wenig, dass die Gerüchteküche über Wachés Zukunft brodelt. Berichten zufolge gibt es interne Unstimmigkeiten über seine methodische Herangehensweise; insbesondere die konzeptionelle Richtung des RB22 steht massiv in der Kritik. Die Situation wirkt wie ein Déjà-vu.

Pierre Waché: Kostet ihn das den Job?

"Wir haben im vergangenen Jahr schon über Waché gesprochen, der damals sagte, er baue das Auto mit den maximalen [Abtriebs-]Werten. Den Rest müssen Fahrer und Ingenieure an der Strecke lösen", erinnert sich Christian Danner im AvD Motorsport-Magazin. Waché, seit 2013 im Team und 2018 zum Technischen Direktor aufgestiegen, trat nach dem Abgang von Adrian Newey ein schweres Erbe an.

Im exklusiven Interview mit Motorsport-Magazin.com beschrieb er den Unterschied zwischen ihm und Newey wie folgt: "Je erfahrener man wird, desto stärker ist die Tendenz, bei dem zu bleiben, was man kennt. Ich bin genauso. Adrian hingegen kann seine Meinung ständig ändern. Das ist der Grund, warum er so lange an der Spitze blieb." Ob ihm diese Beharrlichkeit nun den Job kostet?

Vor 12 Monaten tat es das zumindest nicht. Nach dem enttäuschende Bahrain GP – Max Verstappen fiel zeitweise hinter Esteban Ocon im Haas zurück und wurde zudem von Mercedes-Pilot Andrea Kimi Antonelli sowie Ferrari-Fahrer Lewis Hamilton überholt – folgte noch an der Strecke eine Krisensitzung. Mit dabei: Christian Horner, Helmut Marko, Pierre Waché und Chefingenieur Paul Monaghan. Vom Quartett ist 2025 lediglich das Duo Waché/Monaghan übriggeblieben. Beide sollen langfristige Verträge unterschrieben haben.

Toto Wolff glaubt zu wissen, warum sein früherer Erzrivale Christian Horner noch immer nicht in die Formel 1 zurückgekehrt ist. Mehr dazu:

Schumacher: Bei Red Bull brennt der Baum

Angesprochen auf die Kritik an seiner Person stellte Waché klar: "Ich beschäftige mich damit nicht. Es trifft mich ohnehin schon genug, wenn wir keine gute Performance abliefern. Ich bin nicht darauf angewiesen, dass mir andere sagen, ich würde schlechte Arbeit leisten." 2025 gelang es Red Bull mit einer Update-Offensive den WM-Kampf ab der zweiten Saisonhälfte zu drehen und sogar bis zum letzten Rennen offenzuhalten. Ob man sich damit verzockt hat, liest du hier:

Ralf Schumacher ist überzeugt, dass Neweys Fußstapfen für Waché "zu groß" sind, sieht aber ein Köpferollen nicht als Lösung an. "Ich bin der Meinung, dass im Hintergrund der Baum brennt, aber ich würde nicht sage, dass man ihn [Pierre Waché] ersetzen sollte. Man muss eher gucken, dass man jemanden dazu holt. Gute Leute, entweder erfahrene oder junge Leute", so Schumacher im Podcast "Backstage Boxengasse".

Das Problem: Red Bull verlor zuletzt mehr Personal, als es gewann. Mit Chefdesigner Craig Skinner verließ vor Saisonbeginn eine Schlüsselfigur der Erfolgsära (2021–2024) das Team. Und auch Verstappens langjähriger Vertraute, Ole Schack, soll den Rennstall nach mehr als 20 Jahren verlassen wollen. Nicht zu vergessen droht Verstappen selbst mit seinem F1-Rücktritt.

Verstappen droht mit F1-Rücktritt! Was kann ihn umstimmen? (10:15 Min.)