Für zwei Fahrer könnte bei der Formel 1 in Abu Dhabi der große Kindheitstraum wahr werden. Doch erst einmal müssen Lando Norris und Oscar Piastri in den letzten drei Tagen des Jahres im Kampf um die WM immensem Druck standhalten. Hat der einzige siebenfache Weltmeister im Feld vielleicht Hilfe parat? Nein, das ist ganz und gar nicht im Sinne von Lewis Hamilton.
"Ich würde niemandem Ratschläge geben, sie sind meine Konkurrenten", meint Hamilton am Donnerstag in Abu Dhabi. "Ich würde sie wahrscheinlich anflunkern." Niemand könnte schließlich wertvollere Infos liefern als Hamilton, der schon so ziemlich alles erlebt hat, inklusive eines ähnlichen Dreikampfes (2007), sechs Showdowns im letzten Rennen (2008, 2014 gewonnen; 2007, 2010, 2016, 2021 verloren) und zwei entscheidende Manöver auf der letzten Runde (2008 gewonnen; 2021 verloren).
Nervosität gehört für Hamilton aber jedenfalls dazu. Was die drei 2025er-Anwärter Norris, Piastri und Max Verstappen in der Pressekonferenz am Donnerstag alle bemüht überspielten, war für Hamilton jedenfalls in jungen Jahren ganz normal: "Das erste Mal ist so lang her, aber ich war auf jeden Fall nervös."
Lewis Hamiltons nervenaufreibender zweiter Formel-1-Titel
"Dann hieß es lange warten auf den zweiten", denkt Hamilton zurück an 2014. Trotz nun viel größerer F1-Erfahrung war das Gefühl aber keineswegs besser, als er damals in Abu Dhabi gemeinsam mit seinem damaligen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg zum Titel-Showdown antrat.
"Bei dem habe ich wirklich nicht geschlafen", erinnert sich Hamilton gegenüber Motorsport-Magazin.com. Trotz damals 17 Punkten Vorsprung auf Rosberg: "Vor allem, weil jemand versucht hat, mit neuen Regeln potenziell das Ergebnis zu ändern." In diesem Jahr hatte die Formel 1 mit doppelten Punkten beim Saisonfinale experimentiert. Im Bestreben, es bis zum Schluss offenzuhalten.
So war es für Rosberg mathematisch möglich, den Titel mit einem Sieg zu holen, selbst wenn Hamilton Dritter wurde. Und obwohl der Mercedes 2014 an und für sich überlegen war, so fährt auf dem überholfeindlichen Kurs von Abu Dhabi stets die Angst mit, dass man aufgrund unglücklicher Umstände im Rennen weiter hinten stecken bleiben könnte.
Lewis Hamiltons Tipp? Besser Jäger als Gejagter
"Das war nervenaufreibend", denkt Hamilton zurück. Letztendlich spielte es keine Rolle. Die Mercedes fuhren vorneweg, ehe Rosberg von Motorproblemen ausgebremst wurde. Für Hamilton ist 2014 einmal mehr auch der Beweis, dass es zumindest in Sachen mentaler Vorbereitung besser ist, der Jäger zu sein.
"Wenn du verteidigen musst, ist es viel schwieriger", beschreibt Hamilton. "Wenn du eingeholt wirst, ist es viel härter, den Platz zu halten. Du kannst den vor dir als Referenz nehmen. Und so ist es auch, wenn du nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hast. Wenn du alles zu verlieren hast, nichts gewinnen kannst und nur die Position halten musst, ist es ganz anders."
Dass die WM-Anwärter von 2025 aber sehr ruhig an die Sache herangehen, ist auch Hamilton am Donnerstag bereits aufgefallen: "Die scheinen sehr entspannt. Ich bezweifle, dass sie die gleichen Gefühle haben werden wie ich damals."



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