Red Bull um 18 Punkte in der Konstrukteurswertung geschlagen. Noch vor zwei Jahren hätten an dieser Stelle in der Mercedes-Fabrik die Champagnerkorken geknallt. Nicht so 2025, denn auch wenn man Red Bull geschlagen hat, ist man in der Konstrukteurswertung trotzdem Zweiter. Der Rückstand auf Formel-1-Weltmeister McLaren? 364 Punkte. Entsprechend gedämpft fiel James Allisons Ansprache in der Mercedes-Fabrik aus.
"Sich zu sehr über Platz zwei zu freuen, steht ein wenig im Widerspruch zu unserer Mission [zu gewinnen]. Ich glaube, jeder ist sich dessen ein wenig bewusst. [...] Es war ein langes, hartes Jahr, in dem wir technisch gesehen, zwischendurch etwas vom Weg abgekommen sind, aber wir haben es geschafft, uns wieder auf einen respektablen Platz nach vorne zu kämpfen, auf den meiner Meinung nach jeder stolz sein kann."
Ground-Effect-Ära war brutaler Realitätsschock
Vor allem ist der zweite Platz in der Konstrukteurswertung ein versöhnlicher Abschluss des Ground-Effect-Zeitalters, in dem sich der Wagen wie eine zickige Diva verhielt. Die vierjährige WM-Flaute war für Mercedes ein brutaler Realitätsschock, nachdem man von 2014 bis 2021 durchgehend um den Titel gekämpft hatte. Doch Mercedes erwischte das neue Reglement 2022 auf dem falschen Fuß. Zwei Jahre lang setzte das Team auf eine Design-Basis, die auf der berüchtigten "Zeropod"-Idee der maximal verschlankten Seitenkästen fußte.
Beim Lösen der Probleme tauchten immer wieder neue Probleme auf. Es gab Theorien, aber anscheinend keine Lösungen. Erst als Allison den Cheftechniker-Sessel von seinem eigentlichen Nachfolger Mike Elliott wieder übernahm, folgte der Wechsel auf das gängige Basis-Konzept des restlichen Feldes. Das konnte aber nicht den Erfahrungsrückstand wettmachen, den Mercedes aufgebaut hatte, wenn es um das Zusammenspiel zwischen Aerodynamik, Aufhängung und dergleichen ging.

Shovlin verteidigt Innovation vor Kopie
"Im Laufe der vier Jahre mit diesem Reglement gab es so viele Situationen, in denen wir zurückgerudert sind – sei es beim Sidepod-Design am Anfang oder bei komplett unterschiedlichen Fahrwerkskonzepten. Man kann durchaus argumentieren, dass manche dieser Entscheidungen uns Entwicklungszeit gekostet haben. Wenn man sich für einen neuen Weg entscheidet, dann kostet das einfach Zeit im Windkanal", räumte Trackside Engineering Director Andrew Shovlin ein. Gleichzeitig verteidigte er Mercedes' Entscheidung, etwas Neues auszuprobieren, anstatt einfach von der Konkurrenz zu kopieren. Schließlich hätte das Team die Weltmeisterschaften nie durch Kopien, sondern immer durch Innovationen gewonnen.
Mit der Saison 2026 startet die Formel 1 in ein neues Motoren-Reglement. Zieht das das Feld wie einst 2014 auseinander? Das sagen die Teamchefs dazu.
"Es gab bestimmte Entwicklungsrichtungen, in die wir früher hätten einsteigen können. Manchmal waren wir vielleicht zu analytisch. Ein einfacherer, experimenteller Ansatz hätte uns in der Anfangsphase des Reglements mehr Fortschritte gebracht. Aber wenn man beginnt, diese Kultur von Innovation und Ehrgeiz zu kritisieren, landet man bei einem Team, das solide ist - aber ich glaube nicht, dass man mit diesem Team Titel gewinnt", so der Mercedes-Chefingenieur. Im kommenden Jahr steht abermals ein Reglementumbruch auf dem Programm. Im Gegensatz zu 2022 ändert sich nicht nur die Aerodynamik, sondern auch der Motor.
Bei der letzten großen Motoren-Revolution 2014 war Mercedes der große Gewinner, entsprechend gibt es einige im Fahrerlager, die mit einem Mercedes-Aufschwung 2026 rechnen. Doch Shovlin stellt klar: "Im Team gibt sich niemand der Illusion hin, dass das neue Reglement für Mercedes eine Rückkehr zur alten Stärke bedeutet, nur weil es ein wenig mehr dem ähnelt, was wir 2020 und 2021 hatten. Es ist eine komplett neue Herausforderung. Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir es uns hart erarbeiten", so der Brite.
2026 bringt große Veränderungen in der Formel 1. Noch herrscht Skepsis, doch Mercedes Trackside Engineering Director Andrew Shovlin ist sicher: Die Piloten werden dankbar sein. Mehr dazu hier:



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