2026 werden die Karten im Formel-1-Zirkus neu gemischt. Ein komplett neues Reglement für Chassis und Motoren soll Schwung ins Kräfteverhältnis bringen. Für viele Experten und die Konkurrenz geht Mercedes - ähnlich wie zu Beginn der Hybrid-Ära im Jahr 2014 - als großer Favorit in die neue Saison. Von diesem auferlegten Favoritenstatus will Teamchef Toto Wolff aber nichts wissen.

Mercedes Favorit für die Formel-1-Saison 2026? Toto Wolff widerspricht

Mercedes hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Weltmeister-Motoren entwickeln können. Nach der Regel-Revolution im Jahr 2014 und den geänderten Aerodynamik-Vorschriften 2017 fuhr Mercedes zu acht Konstrukteurstiteln in Folge. Erst die moderne Ground-Effect-Ära seit 2022 konnte die Silberpfeile auf ihrer Titeljagd einbremsen. Auch Williams-Teamchef James Vowles, seines Zeichens langjähriger Chefstratege bei Mercedes, merkte bereits beim Grand Prix von Katar 2025 an, dass die Mannschaft aus Brackley und Brixworth bei Regelumbrüchen immer stark hervorgekommen sei. Ausgenommen 2022. Toto Wolff schob diese Zuschreibungen jedoch beiseite und stellte klar, wer die tatsächlichen Favoriten sein werden.

"Ich denke, die Strategien, die wir nächstes Jahr haben werden, bringen fast schon eine kleine Schachkomponente ins Spiel. Daher glaube ich, dass die Generation der Sim-Fahrer hier einen Vorteil haben kann", so Wolff im F1-Podcast "Beyond the Grid". Die neuen Power Units werden zu 50% Elektro- und zu 50% Verbrenner-Motor sein. Das Fahrverhalten würde sich dadurch verändern und die Energie müsse daher laut Wolff präziser eingesetzt werden.

Vorbereitung sei laut dem Österreicher die ausschlaggebende Komponente: "Wer auch immer gerne in der virtuellen Welt ist, sei es in einem Simulator zu Hause oder in einem Werkssimulator, der wird einen Vorteil haben."

Aber erst der richtige Test auf der Strecke wird zeigen, wer am Ende die Nase vorne hat. "Es wird wichtig, um alles einmal abzuspulen, weil es so viel Neues gibt, so viele Interaktionen, so viele neue Autos, Reifen, et cetera", gab Hywel Thomas, Geschäftsführer der Mercedes AMG High Performance Powertrains, preis.

In der Vergangenheit wurde in der Mercedes-Fabrik viel investiert, um für die nächste Saison vorbereitet zu sein. Dennoch geht Thomas bescheiden in die nächste Saison, denn "wir denken nie, dass wir genug Leistung haben, wir denken nie, dass wir genug Zuverlässigkeit haben und wir denken nie, dass wir die Besten darin sind, das auf der Strecke umzusetzen." Für ihn sei diese Denkweise aber eine Motivation dafür, immer noch nach dem kleinen Extra zu streben, um das Team zu verbessern.

Starker Motor allein reicht nicht aus

Die Wahrscheinlichkeit, dass Mercedes im nächsten Jahr wieder ganz vorne mitfahren wird, besteht aber trotzdem. Bereits in der diesjährigen Saison konnten sie den zweiten Platz in der Konstrukteurswertung holen und mit George Russell und Andrea Kimi Antonelli die Fahrerplätze vier und sieben einfahren. Damit belegten die ersten beiden Plätze der Konstrukteurswertung Teams mit Mercedes-Antrieben. Wolff merkte jedoch eines an: Mercedes wurde vom eigenen Kundenteam geschlagen.

Mit 364 Punkten Vorsprung gewann McLaren die Konstrukteurs-WM. Das Team aus Woking habe in Sachen Chassis bessere Arbeit als Mercedes geleistet. Auch deshalb könne man sich laut Wolff 2026 nicht nur auf einen starken Motor verlassen. Vielmehr hänge der Erfolg von einer Vielzahl an Faktoren ab.

"Wenn die Antriebseinheit überlegen wäre, worauf wir uns nie berufen würden, dann müsste man Williams schlagen, man müsste McLaren schlagen und man müsste Alpine schlagen", meinte Wolff in Hinblick auf die neuen Motor-Regularien. "Tatsächlich werden aber einige von ihnen mehr Entwicklungszeit im Windkanal gehabt haben, weil sie in der Konstrukteurswertung nicht so gut platziert waren und andere werden mit Innovationen kommen, die wir vielleicht nicht erkannt haben."

Und wie klingt die neue Power-Unit-Generation? Honda gab am Freitag erstmalig einen Soundclip der neuen Power Unit preis. Wie der Motor für 2026 klingt, das hört ihr hier: