Sehr punktiert kamen die Erfolge für Max Verstappen bisher in dieser Formel-1-Saison. Die WM mag praktisch gelaufen sein, aber heute in Monza hat Verstappen von Pole startend endlich einmal wieder eine realistische Chance auf den Sieg über McLaren. Der Favoritencheck erklärt, was dafür nun aber in Erfüllung gehen muss, damit es auch wirklich funktioniert. Und ob Außenseiter Charles Leclerc noch eine Rolle spielt - schließlich gewann er im Vorjahr von P4 kommend...

Leclerc spielte im Pole-Kampf 2025 definitiv keine Rolle. Den ersten Startplatz für das Rennen in Italien machten sich im Qualifying letztendlich Max Verstappen und Lando Norris unter sich aus. Oscar Piastri, der am Freitag im 1. Training zugunsten von McLarens Junior Alex Dunne zugesehen hatte, hinkte seither in Sachen Qualifying-Balance hinterher. Auch in Q3 war das Fazit: Gut, aber nicht gut genug für Pole.

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Norris verlor womöglich, weil er im Qualifying fast durchwegs neben der Spur war, in Q2 fast sogar ausfiel und erst am Ende von Q3 den Rhythmus wiederfand, mit dem er zwei Trainings angeführt hatte. Verstappen hingegen exekutiert bisweilen ein perfektes Wochenende. Das Auto rollte gut aussortiert am Freitag auf die Strecke, und Verstappens Setup-Arbeit lief durchwegs in die richtige Richtung.

Monza-Rennen kommt Red Bull heute entgegen

Im Qualifying war der RB21 so gut ausbalanciert wie nur selten, was sogar die schnellste Formel-1-Runde aller Zeiten ermöglichte. Verstappen mahnte dennoch: "Das Gefühl war auch in Zandvoort gut, aber das Rennen nicht wirklich. Ich sitze nicht hier und gehe davon aus, dass es morgen fantastisch wird und ich konkurrenzfähig gegen McLaren sein werde."

Doch in der Realität ist Monza die beste Chance seit langem für Verstappen, so viel ist klar. Die Umstände sind ideal, wie McLaren-Teamchef Andrea Stella am Samstagabend erklärte. In Monza wird mit dem kleinstmöglichen Flügel gefahren, und dafür ist der MCL39 nicht gebaut. Je weniger Abtrieb er fährt, desto weniger effizient wird er. Und desto mehr schwingt das Pendel in Richtung Red Bull.

Der zweite Faktor ist der geringe Reifenverschleiß. Im Vorjahr war Monza noch eine grenzwertige Angelegenheit zwischen einem und zwei Stopps gewesen, welche Leclerc am Ende mit einem Stopp für sich entschied. Doch die großen Graining-Probleme sind 2025 nicht existent. Pirellis über den Winter veränderte Reifen-Konstruktion ist robuster, und der Asphalt hat mehr Grip. So steht diesmal fest, dass sich 53 Runden mit Medium-Hard locker ausgehen werden.

McLaren würde weniger Grip und mehr Reifenprobleme brauchen, um gegen Verstappen anzukommen. So droht Norris und Piastri eine Wiederholung des Japan-Szenarios. Ein Einstopp-Rennen, bei dem nie ausreichend Reifenverschleiß auftritt, um mit fortschreitenden Stints relativ zum Red Bull signifikant schneller zu werden und ihn schließlich im Endspurt eines Stints zu überholen, wie es die Formel 1 bei vielen anderen Rennen dieses Jahr schon gesehen hat.

Hilft Norris & Piastri der Doppelschlag von McLaren?

Dass der Pace-Vorteil in Monza signifikant sein muss, ist auch keine gute Nachricht für McLaren. Ja, auf dieser Strecke sind die Geraden sehr lang und der Windschatten ist sehr stark. Aber für Überholmanöver braucht man eine große Geschwindigkeits-Differenz. Die erzeugt die Formel 1 stets mit Hilfe von DRS. Weil die Heckflügel in Monza aber sowieso schon so klein sind, ist der DRS-Effekt hier zu klein. Wer den Flügel aufklappt, wird nur unwesentlich schneller.

So bilden sich meist DRS-Züge ohne Positionsveränderungen. Der Windschatten hilft zwar, das Feld künstlich zusammenzuhalten - aber strategisch sind die Optionen bei geringem Reifenverschleiß für die Verfolger mager. Der Undercut ist schwach, und obendrauf davon abhängig, dass das Mittelfeld sehr zeitig stoppt, um der Spitze Platz für Strategie-Spiele zu machen.

Verstappen hat nüchtern betrachtet also eine sehr gute Ausgangsposition. In den Longruns am Freitag zeigte er mit nicht allzu viel langsamerer Pace als McLaren auf. Mit zwei Hard und einem Medium ist er auch für Überraschungen gerüstet. Die McLaren haben bloß je einen Hard und einen Medium. Gewinnt Verstappen den Start, dürfte es zäh werden für seine Verfolger.

Bei fast 500 Metern zum ersten Bremspunkt ist der Start für Verstappen aber eine Gefahrenquelle. Gut für ihn: Die McLaren sind auch sehr mit sich selbst beschäftigt. Norris muss nach seinem Ausfall in Zandvoort dringend gewinnen. Piastri ist neun Rennen vor Schluss mit 34 Punkten Vorsprung in der WM dafür schon in einer Position, wo er schon darüber nachdenken wird, das Ankommen vor Norris dem Sieg vorzuziehen.

Außenseiter Charles Leclerc in der Monza-Rakete von Ferrari

Auf dem Weg zur ersten Kurve hilft McLaren auch nicht, dass das Auto selbst mit kleinstmöglichem Flügel einen wenig erbauenden Topspeed hat. Und hier kommt der Ferrari ins Spiel. Charles Leclerc war in der Spitze im Qualifying 2 km/h schneller als Verstappen (obwohl der für das Qualifying noch eine zusätzliche Einkerbung im Heckflügel verlangte und bekam), und gleich 5 km/h vor McLaren zu finden.

Und Leclerc steht immer noch in der zweiten Startreihe neben Piastri. Der bekanntlich Aggressive hat dann am Start zwei Schikanen Zeit, um einen guten Windschatten, einen guten Bremspunkt und dann eine Lücke zu finden, um so vielleicht die McLaren zu sprengen oder sogar sich in Führung zu schummeln. Sollte er das schaffen, bleibt er aber trotzdem Außenseiter. Denn die Rennpace des Ferrari ist ein Fragezeichen.

Die Scuderia setzte viel aufs Qualifying und fuhr am Samstag erneut eine noch kleinere Version des ohnehin schon kleinen Low-Downforce-Flügels. Mit dem hatten Leclerc und Lewis Hamilton am Freitag große Probleme damit, selbst im Renn-Trimm konstante Rundenzeiten zu fahren. Zu sehr auf Messers Schneide war die Balance, zu häufig waren infolgedessen die Fehler.

Leclerc vor einem McLaren könnte da wohl ein Vorteil für McLaren sein. Leclerc vor Verstappen? Weniger klar. Doch das Feld ist in Monza eben 2025 äußerst eng. Prognosen sind gefährlich. Zumindest die Top-4 haben Chancen. George Russell auf P5 hat weder bei Topspeed noch Rennpace einen verwertbaren Vorteil: "Wir müssen am Start überholen. Sonst sind wir ziemlich erledigt."

Der Rest fährt erst recht hinterher. Kimi Antonelli fand bis zum Qualifying immerhin endlich einmal in einen Rhythmus. Dann folgen mit Gabriel Bortoleto und Fernando Alonso schon die ersten aus dem Verfolgerfeld. Yuki Tsunoda musste Q3 ohne Windschatten und mit älterem Red-Bull-Unterboden bestreiten. Und Lewis Hamilton startet wegen fünf Strafplätzen für ein Gelb-Vergehen in Zandvoort nur von P10.