War es das mit dem WM-Titel von Lando Norris? Diese Frage ging nicht nur den Norris-Fans durch den Kopf, als am MCL39 Rauch aufstieg. De facto könnte der Ausfall in Zandvoort das Zünglein an der Waage sein. Statt als Zweiter nur sieben Punkte auf Oscar Piastri zu verlieren, steht er nach 16 von 21 Formel 1-Rennen mit einem Rückstand von 34 Zählern da. Ein herber Rückschlag, den Norris ungewohnt cool und schnell wegsteckte.

Norris steckt Ausfall cool weg: Einfach nur Pech

"Natürlich ist es frustrierend, aber die Gründe für den Ausfall machen es mir ziemlich einfach, weiterzumachen. Es fällt mir leicht, das hinter mir zu lassen, denn es lag nicht an mir, an meiner Fahrweise oder meinen Entscheidungen", erklärte der Brite. Es sei schlichtweg Pech gewesen. Nach dem Rennen in Zandvoort hätten sich Andrea Stella und Zak Brown zwar bei ihm entschuldigt, doch das sei laut Norris gar nicht nötig gewesen. "Sie haben sich entschuldigt, weil sie das Gefühl hatte, mich enttäuscht zu haben. Aber es nicht die Schuld von Andrea oder Zak. Niemand hat einen schlechten Job gemacht. Es waren einfach verschiedene Dinge, die zusammenkamen", meinte Norris.

Noch am Funk vermutete er ein Ölleck an seinem McLaren, das Team ortete direkt nach dem Rennen ein Chassis-Problem. Mittlerweile hat McLaren das Problem analysiert und reagiert – für den Italien GP wurde die Ölleitung am MCL39 verstärkt. "Für das Team war die Diagnose dessen, was passiert ist, ziemlich einfach. Es ist ein ziemlich kleines Teil, das jetzt stärker hergestellt wird – auch wenn es in der Formel 1 darum geht, die Teile leichter und stärker zu machen", so Norris. Der Gewichtsnachteil durch die verstärkte Ölleitung ist allerdings nur marginal. Beide Fahrer sind überzeugt, dass das Problem nicht wieder vorkommen wird.

Unfaire Manöver von Norris? Wohl kaum!

Doch wie geht es in der WM weiter? Sehen wir die restliche Saison einen anderen Norris? Volle Attacke, ohne Rücksicht auf Verluste? Sowohl McLaren-Teamchef Andrea Stella als auch Oscar Piastri erwarten keine fragwürdigen Aktionen von Norris in den noch verbleibenden neun Rennen. "Wir versuchen beide, so schnell wie möglich zu fahren. Es ist nicht so, dass wir uns in dieser Hinsicht zurückhalten. Ich denke, dass wir weiterhin auf die gleiche Weise gegeneinander fahren werden", meinte Piastri. Über den WM-Titel will er erst nachdenken, sobald der Abstand zu Norris weiter angewachsen oder die Anzahl der Rennen geringer geworden ist.

Immerhin sind es noch neun Rennen und 249 Punkte, die in dieser Saison noch zu holen sind. "Es ist viel zu früh, um mit dem Rechnen anzufangen und sich mit Plätzen zufrieden zu geben", so der McLaren-Pilot. Denn er weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell ein Vorsprung auf den Konkurrenten schmelzen kann. "In meiner Karriere hatte ich in einer Meisterschaft einen größeren Vorsprung als diesen. Bis zum letzten Rennen hatte ich ihn fast vollständig eingebüßt, daher weiß ich, dass das kein komfortabler Vorsprung ist", betonte Piastri. Entsprechend geht er weiterhin in jedes Rennen, mit dem Ziel zu gewinnen.

Norris wünscht Piastri keinen Ausfall

"Es ist viel zu früh, um mit dem Rechnen anzufangen und sich mit Plätzen zufrieden zu geben", betonte Piastri. Im Fall von Norris macht Rechnen durchaus Sinn. Wenn er alle neun Rennen plus die drei Sprints gewinnt und Piastri jedes Mal Zweiter wird, würde er auf Piastri nicht nur die notwendigen 34, sondern sogar 66 Punkte gutmachen. "Ich muss richtig ins Zeug legen und bei verschiedenen Dingen und der Rennstrategie entschlossener sein", sagte Norris. Die aktuelle Dominanz von McLaren würde sein Leben allerdings aktuell erschweren.

"Es würde mir das Leben leichter machen, wenn es zwischendurch einfach ein paar mehr Fahrer gäbe [die zwischen mir und Oscar liegen; Anm der Red.]", meinte der Brite. Trotzdem wünscht er Piastri kein technisches Problem oder einen Ausfall. Wenn er die WM gewinnen sollte, dann auf faire Weise. "Ich kann die WM immer noch gewinnen, auch wenn (Oscar) nichts passiert, und so möchte ich sie auch gewinnen. Wenn ich den Titel wegen dieser Punkte verliere, muss ich einfach den Kopf hochhalten und es nächstes Jahr wieder versuchen", so Norris.

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