64 Runden lang versuchte Lando Norris alles, um bei der Formel 1 in Zandvoort den vom Start weg führenden Oscar Piastri irgendwie in einen Fehler zu treiben. Das gelang nicht, aber immerhin war Norris 7 Runden vor Schluss auf Kurs, mit Platz zwei den WM-Schaden in Grenzen zu halten. Dann begann sein McLaren zu rauchen, rollte aus. Und Norris verliert plötzlich in der Tabelle den Anschluss.

"Nicht viel", meint Norris zu seiner Gefühlslage, nachdem er es eine gute halbe Stunde später vom Ort des Ausfalles zurück zu den Medien im Fahrerlager geschafft hat. "Ich will einfach jetzt einen Burger, und dann nach Hause gehen." Plötzlich sind es 34 Punkte Rückstand auf Piastri, der das Rennen souverän von Pole kontrollierte und letztendlich gewann.

Das nach Scheivlak stehende Auto muss erst noch zum Team zurückgebracht werden, also kann Teamchef Andrea Stella noch keine Antworten liefern: "Wir haben erste Hinweise aus den Daten, aber wir wollen ohne klare Beweise nicht spekulieren, ob es ein Problem auf Chassis-Seite oder auf Motor-Seite war." Den Motor bezieht McLaren von Mercedes, alles andere inklusive Getriebe baut das Team selbst in Woking.

Norris vermutete direkt nach dem Ausrollen am Funk erst einmal ein Ölleck. Aus dem Nichts war es gekommen: "Ich denke, das war dann ziemlich unmittelbar." Kurz vor dem Ausfall war leichter Rauch aufgetreten, der auch vorne im Cockpit zu sehen war, dann schnell stärker wurde und nach wenigen Kurven schon den Totalschaden hervorrief. Auf der Strecke meldete Piastri unter dem folgenden Safety Car auch eine kleine Ölspur.

Lando Norris nach Ausfall maximal niedergeschlagen: Jetzt jedes Rennen gewinnen

Piastris Sieg sorgt in Sachen WM für den maximal möglichen Schaden. Trotz noch neun zu fahrender Rennen ist Norris über diese 34 Punkte Rückstand jetzt sichtlich bedrückt: "Ich habe einen guten Teamkollegen. Er ist stark. Er ist in jeder Lage schnell, in jedem Szenario. Auf so jemanden aufzuholen ist schwierig."

"Alles, was ich tun kann, ist jedes Rennen gewinnen", findet Norris schon. Auch wenn das mathematisch bei neun Rennen noch nicht nötig ist, so würde es schon fünf Siege (bei jeweils P2 für Piastri) dauern, bis Norris wieder vorne ist. Und praktisch hat er sowieso eigentlich recht: Piastri ist bei McLarens aktueller Form der einzige andere Fahrer, der konstant um Poles um Siege kämpft. Heißt: Wenn Norris nicht gewinnt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Piastri gewinnt. Und die Lücke weiter wächst.

"Das wird schwierig, aber ich werde alles geben", kündigt Norris so jetzt einen neuen Modus an. "Es ist nicht meine Schuld, manchmal ist das eben Racing, aber es hat es mir schwer gemacht, hat mich unter noch mehr Druck gesetzt. Aber die Lücke ist jetzt so groß, dass ich einfach chillen kann und voll reinhalten."

Norris trotzt Ausfall: Zu viel Pech übertüncht gute Zandvoort-Leistung

Wie schwer das wird, zeigt Zandvoort. Norris war hervorragend ins Wochenende gestartet, hatte alle Trainings angeführt, aber Piastri hatte sich bis zum Qualifying aussortiert. Und als es drauf ankam, war er minimal besser. Norris wehrt sich dabei aber dagegen, seine Pace als Problem zu sehen: "Einfach nicht mein Wochenende. Etwas Pech gestern mit dem Wind. Und Pech heute."

"Ich war happy, dass ich für den Großteil des Rennens eineinhalb bis zwei Sekunden dran war", meint Norris. "Das sieht von außen nicht so aus, aber das ist ein beeindruckendes Rennen. Mit der ganzen verwirbelten Luft, da hast du Probleme mit den Reifen, und den Reifentemperaturen, wenn du hinterherfährst. Es war ein positives Rennen, aber das bedeutet natürlich nichts. Vorbei kam ich nicht, Oscar fuhr ein gutes Rennen, er verdient es."

Und Piastri fühlt sich seinerseits auf keinen Fall sicher, wie er nach dem Rennen gleich unterstreicht: "Es ist noch ein langer Weg. Ich muss weiter pushen, weiter Rennen gewinnen. Der Vorsprung ist nicht komfortabel. Wir haben heute erst gesehen, wie schnell ein Ausfall alles ändern kann."