Nur die größten Optimisten mögen noch daran glauben, dass Red Bull und Max Verstappen 2025 noch Chancen auf einen Titel haben. Die einstigen Dominatoren der Formel 1 sind in diesem Jahr nüchtern betrachtet aber schon gescheitert. Etwas anderes lässt sich im Sommer-Fazit von Motorsport-Magazin.com nach 14 Rennen nur schwer sagen.
Ziel vs. Realität: Für das Team mit dem amtierenden Fahrer-Champion ist es schwer, etwas anderes als beide WM-Titel als Ziel anzugeben. Red Bull bemühte sich aber von Beginn an nach Kräften, den Ball flach zu halten. Nach dem Performance-Einbruch von 2024 wurde mit einer technisch unscheinbaren Evolution versucht, die Schwächen des Autos - insbesondere eine sich im Kurvenverlauf stets ändernde Balance - durch Weiterentwicklung loszuwerden. Auf dem Papier schien das Auto ja letztes Jahr stets schnell, nur konnte es höchstens Max Verstappen abrufen.
Nach 14 Rennen lässt sich nicht sagen, dass es gelungen ist. Schon nach dem Test hatte das Team alarmiert festgestellt, dass die Schritte nicht so groß ausgefallen waren wie erwartet. Liam Lawson war völlig überfordert und wurde nach zwei Rennen sofort durch Yuki Tsunoda ersetzt. Keine der Entwicklungen im Verlauf der Saison brachten dauerhafte Linderung. Wie weit mit Tsunoda der zweite Fahrer weiterhin abgeschlagen ist, sagt schon viel über die Fahrbarkeit des RB21. Und dass Verstappen, wohl der beste Pilot im Feld, sogar schon aus dem Rennen um den Fahrer-Titel ist, gibt den Rest.
Die Entwicklung 2025: Red Bull setzte auf rollende Vollgas-Entwicklung und brachte - lange im Glauben, dass zumindest die Fahrer-WM noch nicht verloren sei - jedes neue Teil sofort für Verstappen an die Strecke. Tsunoda löste mit einem heftigen Unfall in Imola einen Ersatzteil-Rückstand aus, den man sich nie bemühte aufzuholen und stets die Produktion neuer Updates für Verstappen vorzog. So blieb Tsunoda bis zum Spa-Wochenende auf einer deutlich schlechter fahrbaren Spezifikation.
Verstappen riss mit den umfangreichen Updates aber auch nie Bäume aus. Zu Saisonbeginn war jedes Basis-Setup freitags ein Desaster. Ein neuer Unterboden schien in Imola wie ein kleiner Durchbruch, danach tat sich das Team auch bei der Setup-Arbeit etwas leichter. Doch relativ zu McLaren wurde der RB21 nicht schneller. Er wurde minimal besser fahrbarer. Wirklich können tut er trotzdem nur Strecken mit langen Highspeed-Kurven. Ihn für andere Kurventypen auszubalancieren ist schwierig bis unmöglich, und resultiert üblicherweise in zu viel Rutschen und damit zu viel Reifenverschleiß.
Red Bull 2025: Ein Formel-1-Auto für nur wenige Fälle
Höhepunkt 2025: Plötzlich schnellstes Formel-1-Auto in Imola
An vier Wochenenden war der RB21 dank Highspeed-Kurvenlayouts McLaren ebenbürtig. Verstappen fuhr einen perfekten Sieg in Japan ein, verlor knapp in Saudi-Arabien, in Silverstone ruinierte ihn das Wetter. Der pacetechnisch beste Auftritt war Imola. Verstappen krallte sich mit Sensations-Manöver außen in der ersten Kurve die Führung und kontrollierte das Rennen von da an. McLaren war hier nie in der Lage, ihn wirklich zu bedrängen. Es sollte ein Einzelfall bleiben. Tsunoda muss man für alle Höhepunkte zwingend ignorieren. In Imola wäre er wohl schnell genug für Q3 gewesen, zerstörte aber ein frisch geupdatetes Auto schon in Q1.
Tiefpunkt 2025: Bahrain stellt alle Red-Bull-Schwächen bloß
Bahrain ist ein guter Tiefpunkt, weil die vorangegangenen Red Bulls der Ground-Effect-Ära mit gutem Traktionsverhalten auf dem harten Asphalt hier üblicherweise stark waren. Eine Stärke, die der RB21, wie sich am Rennwochenende herausstellte, völlig verloren hat. Verstappen war 2025 stattdessen langsam und mit viel zu viel Reifenverschleiß gesegnet. Drei prozedurale Fehler bei vier Boxenstopps garnierten eine wahre Horror-Vorstellung. Verstappen brauchte alle 57 Runden, um auf einem eigentlich überholfreundlichen Kurs Pierre Gaslys Alpine zu biegen.
Max Verstappen & Yuki Tsunoda: Red Bulls Zweiklassen-Fahrergesellschaft
Max Verstappen
WM: 3. Platz (187 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 2,08 (3. Platz)
Eines kann man Verstappen nicht absprechen: Er tat absolut alles, um sich mit klar unterlegenem Material im Titelkampf zu halten. Seine perfekte Vorstellung in Japan zeigt das, aber auch ultimativ sinnlose Abwehrkämpfe wie in Miami, wo er überlegene McLaren rundenlang am Überholen hinderte. Im Wissen des Außenseiter-Daseins schlichen sich aber gelegentlich kleine Fehltritte ein. Schwer, sowas einem anzulasten, der weiß, dass er jede Tausendstel extrahieren muss, um seine Mini-Chance zu erhalten. Bis auf den Ausraster im Duell mit George Russell in Spanien. Der lässt sich nicht verteidigen.
Yuki Tsunoda
WM: 18. Platz (10 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 3,92 (19. Platz)
Ohne Test und Vorbereitung wurde Tsunoda nach zwei Rennen ins Auto gesetzt. Ein Mann mit Erfahrung muss her, um den unbändigen RB21 zu zähmen und zu entwickeln, lautete die Ansage. In Sachen Ergebnissen hat Tsunoda - wie im Vorjahr Sergio Perez - nichts erreicht. Dass er den Update-Rückstand hatte, lag auch darin, dass er den Ersatzteil-Bestand mit seinem heftigen Imola-Crash selbstverschuldet signifikant dezimierte. Darunter schien das Selbstvertrauen zu leiden. Am Limit im Qualifying traut Tsunoda dem RB21 auch nach 12 Wochenenden nicht. Schwer zu sagen, ob die mit der letzten Unterboden-Ausbaustufe zuletzt geschrumpfte Lücke nun einen nachhaltigen positiven Trend zeigt.
Fazit und Ausblick
Red Bulls Saison 2025 ist ein Fehlschlag. Nach 12 Rennen zog der Konzern die Reißleine und feuerte Teamchef Christian Horner. Zu viel Machtkonzentration, zu wenig Fortschritt, und ein Skandal im Hintergrund. Laurent Mekies ist jetzt am Zug. 2025 noch an einen Titel zu glauben ist illusorisch. Es geht nur mehr darum, zu verstehen, wo das Team nicht nur technisch, sondern auch strukturell in den letzten zwei Jahren falsch abgebogen ist, seit man mehrere technische Führungspersönlichkeiten verloren hat. Der seit über einem Jahr immer wieder mit einem Wechsel kokettierende Verstappen bleibt zwar, will aber 2026 hier zweifellos Fortschritte sehen.
Anders als Red Bull startete Williams, das beste Team aus dem F1-Mittelfeld, richtig stark in die Saison 2025. Stagnierte jedoch in den letzten Wochen, und bringt sich damit in Gefahr von hinten:



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