Seit Wochen fuhr Yuki Tsunoda am hinteren Ende der Formel 1 herum. Seit seinem heftigen Crash in Imola hatte er es sieben Qualifyings in Serie nicht in die Top-10 geschafft, und bei vieren nicht einmal raus aus Q1. Dann kam der Samstag in Spa, und plötzlich ist Tsunoda wieder Siebter. Dank einer Entscheidung von Red Bull, die seine Erklärungen der letzten Wochen bestätigen zu scheinen.

"Wir haben sein Auto knapp vor dem Qualifying geupdatet und ihm denselben neuen Unterboden wie Max gegeben", bestätigt der neue Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies. Seit Wochen, eigentlich seit dem Imola-Crash, war Tsunoda mit teilweise völlig anderen Spezifikationen diverser Aero-Teile gefahren als Max Verstappen.

"Es war schon ein ziemlicher Unterschied", bestätigt Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko auch. Red Bull zögerte seit Wochen jedoch, Tsunoda neuere Teile zu geben. Denn die Ersatzteilbestände sind knapp. Weil das Team versucht, Verstappens schwindende WM-Chancen am Leben zu halten, produziert man aktuell nämlich in sehr hoher Frequenz Updates.

Red Bull riskiert sehr späten Technik-Wechsel bei Tsunoda

Um zugleich Ressourcen zu managen, gibt es von vielen Komponenten infolgedessen recht wenige Ersatzteile. Da Verstappen absolute Priorität hat, ist Red Bull bereit, viele Teile sofort einzusetzen, sobald genügend für ein Auto - Verstappen - da sind. Und dann kommt schon das nächste Update. Jedes Mal bleibt Tsunoda auf der Strecke.

So ist die Lage auch in Belgien bei weitem keine lockere. Für den Sprint bekam Tsunoda den neuesten Unterboden noch nicht. "Wir sind dann vor dem Qualifying das Risiko eingegangen, da wir immer bei unseren Teilen am Limit sind, deshalb waren wir auch sehr spät dran mit dem Rausfahren", verrät Mekies gegenüber 'F1TV'.

Tsunoda bekam auch nur einen Unterboden - nicht den in Spa erst eingeführten neuen Frontflügel. Da ist man noch knapper am Limit. "Hängt davon ab, wie die Produktion zurechtkommt", meint Marko im Hinblick auf einen Zeitrahmen hierfür. "So ein Flügel braucht fast drei Wochen, und in erster Linie müssen immer für Max Ersatzteile da sein."

Tsunoda belohnt Red-Bull-Vertrauen im Spa-Qualifying

Tatsächlich ist dieser Ablauf erst einmal eine Kopie von Imola. Auch dort baute das Team erst Samstagmittag die neuesten Teile ans Auto. Tsunoda fuhr raus, und anstatt sich in Q1 an das neue Fahrgefühl heranzutasten, überzog er es maßlos und fabrizierte einen Überschlag. In Spa hatte er sich viel besser im Griff, baute das Vertrauen in die neue Konfiguration auf, und schaffte es schließlich bis auf 0,381 Sekunden an Verstappen ran und auf P7.

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"Das Update hat es mir erlaubt, mehr als davor ans Limit zu gehen, denn das Auto rutscht weniger und vergibt mehr", erklärt Tsunoda die Auswirkungen. "Es hat einfach mehr Grip. Sprichwörtlich!" Eine richtiggehende Bestätigung seiner Aussagen der letzten Wochen, wo er immer und immer wieder herunterbetete, dass die fehlenden Teile womöglich sogar mehrere Zehntel im Qualifying-Trimm kosteten.

"Wir haben auf dem Papier schon gesehen, wie groß seit ich weiß nicht wie vielen Rennen der Unterschied war", meint Tsunoda auch nach dem Qualifying erneut. "Im Angesicht dieses Unterschiedes war das Zeit-Delta zwischen mir und Max nicht so groß. Ich wusste, mit meinen Ingenieuren, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Jetzt freue ich mich, es bewiesen zu haben."

Das war das Qualifying, jetzt folgt das Rennen. Ist es trocken, so muss Tsunoda ohne Longruns mit dieser Konfiguration auskommen, nachdem er seit Wochen teils Reifenmanagement-Probleme hat. Ist es nass, dann ist es erst recht eine Herausforderung.