Die Boxengasse in der Formel 1 ist zum Beginn eines Qualifyings bei jedem Grands Prix ein Nadelöhr, durch das sich gefühlt 20 Autos gleichzeitig durchquetschen wollen. Unsafe-Release-Vorwürfe über Funk stehen dabei beinahe schon auf der Tagesordnung. Das, was beim Belgien-GP passiert ist, kommt jedoch etwas seltener vor.
Im Zentrum: Nico Hülkenberg und Lance Stroll. Der Sauber-Pilot wollte gerade aus seiner Box in die Fastlane abbiegen, während der Aston-Martin-Fahrer sich bereits in dieser befand. Eine Berührung zwischen den beiden war die Folge. Man könnte auch von der vermutlich langsamsten Kollision in dieser Formel-1-Saison sprechen.
Lance Stroll vs. Nico Hülkenberg: Wer ist schuld am Boxengassen-Unfall?
Stroll fuhr Hülkenberg über die Nase, wobei der Frontflügel des Sauber-Piloten Schaden nahm und daraufhin gewechselt werden musste. Der Kanadier sah sich im Recht, da er sich bereits in der Fastlane der Boxengasse befunden hatte, bevor Hülkenberg auf den Plan trat. "Ich musste nicht [vom Gas gehen], ich befand mich in der Schlange", war er von seiner Unschuld überzeugt.
Bei Sauber vertrat man hingegen die Ansicht, dass Hülkenberg sich mit einem Rad bereits in der Fastlane befunden habe. "Ich denke, wenn man einen Reifen über der weißen Linie hat, muss dich der nächste Fahrer reinlassen und ich glaube, dass mein Reifen dort war. Deshalb ging ich davon aus, dass er mich reinlässt, doch das tat er nicht und wir berührten uns", erklärte Hülkenberg die Situation aus seiner Sicht.
Die Stewards entschieden gegen diese Sauber-Version der Ereignisse. Doch sie ließen Hülkenberg davonkommen und erteilten stattdessen dem Team eine offizielle Verwarnung (Reprimand) für ein illegales Fahren in die Fastlane.
Stewards entscheiden gegen Hülkenberg: Die Strafe geht aber an Sauber
Der Teufel liegt im Detail. Laut den Renndirektor-Notes von Rennleiter Rui Marques gilt nämlich, dass sich ein Auto offiziell in der Fastlane befindet, wenn ein Reifen die weiße Linie überschritten hat, die diese von der 'Inner Lane' trennt. Allerdings gilt diese Sortierung nur vor Beginn der Session. Im Falle von Hülkenberg lief das Qualifying schon.
Dem Deutschen war auch es gar nicht möglich, vor dem Q1-Beginn über der Linie zu sein, da an dieser Stelle noch ein Williams im Weg stand. Erst einige Sekunden nachdem das grüne Licht am Ende der Boxengasse erloschen war, konnte dieser losfahren. Hülkenberg rollte auf Team-Anweisung nach vorne und überquerte die Linie erstmals vollständig. Also zu einem Zeitpunkt, an dem die Uhr schon lief. "Wagen 27 hätte in die Fastlane einfahren sollen, sobald es eine 'ausreichende Lücke' gab, und in diesem Fall gab es keine solche Lücke", argumentierten die Stewards.
Für Hülkenberg selbst hat der Zwischenfall keine Auswirkungen, abgesehen vom beschädigten Flügel. Denn in einer zweiten Untersuchung, in der es um das Verursachen der Kollision an sich ging, wurden er und Stroll freigesprochen. Keinem Fahrer könne eine überwiegende Schuld an dem Unfall zugewiesen werden, so der Schiedsspruch.
Wie lief das F1-Qualifying in Spa? Hier kommt ihr zum vollständigen Bericht:



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