Zwei Wochenenden hatte die Formel 1 frei - eine gute Gelegenheit für viele Teams, ihre letzten Update-Pakete vor der Sommerpause noch einmal zu überarbeiten. Erst recht, weil der Circuit Spa-Francorchamps technisch sowieso Spezial-Teile verlangt. Red Bull, Ferrari und Mercedes bringen aber mehr als nur ein paar Spezial-Heckflügel.
Für viele Teams ist Belgien grundsätzlich das erste Rennen für das jährliche Low-Downforce-Paket. Das setzt sich bei allen Teams mindestens aus einem verkleinerten Heckflügel zusammen, oftmals ergänzt durch einen ebenso verkleinerten Frontflügel, um die Aero-Balance anzupassen. Was die Teams in Spa fahren, werden sie auch nach der Sommerpause in Monza wieder einsetzen.


Spa verlangt aber noch mehr Besonderheiten. So sorgen die Highspeed-Kurven in Verbindung mit der Auf-und-Ab-Charakteristik dafür, dass die Unterböden unverhältnismäßig stark belastet werden - und nicht nur die berüchtigte Bodenplatte selbst. Auch die filigranen Karbon-Elemente werden teils bis auf den Asphalt gedrückt. Aston Martin setzt beispielsweise den in Silverstone eingeführten Unterboden hier nicht ein, weil er für diese Strecke schlicht nicht geeignet ist.
McLaren hat in Silverstone zuletzt auch einen neuen Unterboden getestet, dann aber nicht eingesetzt. Unklar bleibt am Freitag, ob er nun in Spa seinen Weg an den MCL39 finden wird. Fest steht: Wirklich neu ist an diesem Wochenende außer dem Low-Downforce-Heckflügel bei den WM-Führenden nichts. Das sieht bei ihren Kontrahenten anders aus.
Red Bull von Top-Teams in Spa mit größtem Update?
Die Teile-Liste von Red Bull ist überraschend lang. Vor einem Rennen führte man schon einen neuen Unterboden ein, hat davon aber noch immer nicht genügend Ersatzteile, um ihn beiden Fahrern zur Verfügung zu stellen. In Spa kommt indessen noch deutlich mehr ans Auto. Es beginnt mit einem neuen Frontflügel, bei dem der Anstellwinkel der ersten beiden Elemente adaptiert wurde. Insgesamt soll das durch neue Verteilung der Belastung mehr Abtrieb erzeugen.

Der Flügel ist eine eher kleine Evolution des Vorgängers mit Zugewinnen, die man bei den kontinuierlichen Tests gefunden hat. Mehr Arbeit hingegen wurde in die nächste Evolution der Seitenkästen gesteckt, für die man die kurze Pause nutzte. "Es Troubleshooting zu nennen, wäre etwas vereinfacht - wir haben es getan, weil es insgesamt Rundenzeit bringt", urteilt Chefingenieur Paul Monaghan. Die zwei Lufteinlässe wurden zu einem fusioniert, der obere Bereich wurde verbreitert. Die Motorabdeckung wurde rückwärtig leicht anders geformt, um diese Änderungen aufzufangen.

Durch die Änderungen soll die Kühlung effizienter werden. Weiters wurde die Verkleidung der Vorderradaufhängung modifiziert, um den Luftstrom zum Seitenkasten anzupassen. Die Flügelelemente an der hinteren Bremskühlung wurden stärker angestellt, um mehr Abtrieb zu erzeugen, ohne dass das Redesign den Luftfluss destabilisieren soll. Was Red Bull nicht hat, ist ein neuer Heckflügel. Denn den Low-Downforce-Flügel hat man schon in Silverstone eingesetzt.
Ferraris neue Hinterachse ist in Spa da
Alle haben bei Ferrari gespannt die neue Hinterachse erwartet und nun ist sie da. Neue Geometrie, was auch bei den Verkleidungen sowie den Aero-Elemente rundherum Änderungen nötig macht. Was genau es mit der neuen Aufhängung - die die Fahrer schon in der Vorwoche bei einem Filmtag fuhren - auf sich hat, wird in diesem Artikel erklärt:
Mercedes führt sein relativ zu Ferrari und Red Bull eher kleinteiligeres Update-Programm in Spa erneut nur mit kleineren Anpassungen am Frontflügel fort. Die Spannweite des zweiten Elements nahe der Endplatte wurde erhöht, was den Luftfluss rund um den Vorderreifen verbessern soll. Details wurden an der hinteren Bremskühleinheit verbessert, um die Umströmung der Hinterreifen besser zu kontrollieren.
Williams hofft auf dringenden Update-Sprung, Aston Martin im Test-Modus
Seit Monaten hat Williams das Auto kaum angegriffen. Spa ist jetzt der Moment des einzigen größeren Update-Pakets. Direkt im Anschluss an ersten kleinen Anpassungen in Silverstone gibt es hier eine größere Revision des Unterbodens. Die Elemente am Einflussbereich vorne haben ein neues Profil. Das Flügelelement in der Seitenkante ebenso, und das Loch dahinter wurde neu modelliert.
Das alles soll im Zusammenspiel den Luftfluss verändern und sowohl im vorderen Bereich als auch im Seitenbereich mehr Last erzeugen, und auch den Luftfluss hinein in den Diffusor verbessern. Die Unterlippe vom Lufteinlass des Seitenkastens wurde auf der Innenseite tiefer, außen höher gesetzt. Am Rest des Seitenkastens wurde die Unterseite der Ausbuchtung weiter nach oben gesetzt. Die Änderungen des Luftstroms sollen mit der neuen Unterboden-Seitenkante zusammenspielen. Mit den Zuverlässigkeitssorgen der letzten Wochen hat das nichts zu tun. Das Team rechnet hier mit separaten Änderungen in ein bis zwei Rennen.

Aston Martin bringt eine komplett neue Frontflügel-Nasen-Einheit nach Spa. Wird die aller Voraussicht nach aber nur in FP1 am Auto von Fernando Alonso testen und dann wieder ablegen. Beim neuen Modell wurde die Nase verkürzt, rundherum wurden die Elemente adaptiert. Das soll die Performance des Flügels über ein breiteres Arbeitsfenster fahrbar machen.

Das einzige verbleibende Team, welches (abgesehen von Low-Downforce-Flügeln) Updates nach nach Spa gebracht hat, sind die Racing Bulls. Ein paar kleine Änderungen an den Winglets der hinteren Bremskühleinheit, plus ein deutlich signifikanteres Umgestalten des Diffusors für gesamtheitlich besseren Luftfluss am Heck. Das Team geht davon aus, dass es das letzte große Update-Paket sein wird. Sauber und Haas haben gar keine neuen Teile in Spa. Zumindest bei Sauber steht ohnehin fest: Große Updates gibt es keine mehr.



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