Nach 20 Jahren sitzt an diesem Wochenende ein neuer Mann am Red-Bull-Kommandostand. Laurent Mekies absolviert in Spa-Francorchamps seinen ersten offiziellen Auftritt als Teamchef des mehrfachen Weltmeisterteams. Zwei Wochen zuvor, am Mittwoch nach dem Heimrennen in Silverstone, folgte der große Knall: Red Bull verkündete, dass Christian Horner geht – und Mekies übernimmt. Der Anruf von Oliver Mintzlaff und Dr. Helmut Marko kam für den 48-Jährigen völlig überraschend.

"Ich war gerade in Großbritannien bei Racing Bulls, als der Anruf kam. Ich bat sie [Mintzlaff und Marko], mir ein paar Stunden Bedenkzeit zu geben", verriet der Franzose in der offiziellen FIA-Pressekonferenz. Auch wenn die Beförderung überraschend kam, war für ihn schnell klar, dass er zusagen musste. "Mir wurde schnell klar: Moment mal, das ist Red Bull! Sie bitten dich, einzuspringen. Bei allem, wofür Red Bull steht, ihrem Spirit, ihrer Art, Rennen zu fahren, ruft man zurück und sagt: Es ist mir eine Ehre."

Horner-Aus: Es brauchte einen Moment zum Verdauen

Gleichzeitig war ihm bewusst, dass er nicht nur den dienstältesten, sondern auch einen der erfolgreichsten Teamchefs der Formel 1 ersetzte. Unter der Führung von Horner gewann Red Bull acht Fahrerweltmeisterschaften und sechs Konstrukteurstitel. Eine Leistung, die Mekies noch einmal deutlich wurde, als er die Fabrik in Milton Keynes betrat. "Der erste Wow-Effekt folgte als ich durch den Trophäenraum ging. Man kann sich unmöglich nicht geehrt und privilegiert fühlen. Das Team hat in den letzten 20 Jahren unglaubliche Erfolge erzielt", sagte Laurent Mekies.

Entsprechend mussten auch die Mitarbeiter die Nachricht vom neuen Teamchef erst verdauen, denn wie Mekies verriet, kam die Nachricht nicht nur für ihn, sondern auch für die Red-Bull-Mannschaft überraschend. "Keine Frage, die ersten Stunden nach der Ankündigung waren für alle eine Phase, in der die Neuigkeit erst verdaut werden mussten. Danach habe ich nur noch große Unterstützung von allen Seiten erfahren", betonte Mekies. Für ihn stand in den ersten zwei Wochen daher vor allem eine Aufgabe im Vordergrund: so viele Mitarbeiter wie möglich kennenzulernen und mit ihnen offene Gespräche zu führen.

Dabei wurde ihm schnell eines klar, wie er verriet: "Diese Mannschaft ist unglaublich. Sie haben all diese Erfolge nicht durch Glück oder Zufall erzielt, sondern durch ihr Talent und ihren Racing Spirit. Diese Jungs gehen in jeder Hinsicht bis an ihre Grenzen. Keine einzige Abteilung hält sich zurück oder ruht sich aus." Über strukturelle Veränderungen nachzudenken, sei laut dem 48-Jährigen noch viel zu früh. "Es geht darum, die Dynamiken, die Schwächen und Stärken zu verstehen", so Mekies. Für ihn ist im Moment die wichtigste Aufgabe sicherzustellen, dass jeder einzelne im Team, das bekommt, was er braucht, um sich ausdrücken zu können. Dazu zählen auch die Fahrer, allen voran Max Verstappen.

Mekies: Müssen Verstappen geben, was er braucht

Seit Wochen ranken sich Spekulationen um die Zukunft des vierfachen Weltmeisters. Wechselt er zu Mercedes? Bleibt er bei Red Bull? Für Mekies ist klar: Wenn Verstappen bekommt, was er braucht, dann bleibt er auch. "Wenn wir ihm ein schnelles Auto geben, werden alle anderen Überlegungen in den Hintergrund treten", ist der Franzose überzeugt. Dass diese Aufgabe nicht einfach wird, ist ihm bewusst. Immerhin steht 2026 nicht nur ein großer Umbruch im Reglement an, sondern Red Bull wird erstmals auch mit einer eigenen Power Unit an den Start gehen.

Dafür wurde in den vergangenen Jahren kräftig in den Standort Milton Keynes investiert, Prüfstände angeschafft und Personal von der Konkurrenz abgeworben. "Mit Fug und Recht kann man sagen, dass sich das Spiel verändert, wenn man um Siege und Meisterschaften kämpft und in jedem Bereich bis an die Grenzen gehen muss. Das erfordert sehr mutige Entscheidungen. Das zeigt sich vor allem darin, wie sehr das Team auf Details achtet, um auch noch das letzte Quäntchen Leistung herauszuholen", erzählte Mekies. Unerwartete Unterstützung bekam der Franzose vom entlassenen Teamchef Christian Horner.

"Er hat mich als Erster angeschrieben und angerufen. Er hat mich uneingeschränkt unterstützt, was in dieser Situation sehr beeindruckend ist", erklärte Mekies, der sich aber weniger auf Horner als auf die Stärken des Teams verlassen will. "Wir werden diese Phase gemeinsam angehen, damit sich neue Talente hervortun können und wir uns einen Wettbewerbsvorteil für die nächste Regulierungsphase verschaffen."

Verstappen enthüllt: Spielte keine Rolle bei Horner-Aus! (09:11 Min.)