Die Formel-1-Fahrer im Red-Bull-Universum müssen sich in Spa an neues Management gewöhnen. Laurent Mekies wechselt als Teamchef von den Racing Bulls zu Red Bull. Eine Änderung, durch die sich der Konzern neuen Schwung im performancetechnisch angeschlagenen Hauptteam erhofft. Die Fahrer, die bereits unter Mekies gearbeitet haben, können sich gut vorstellen, warum das klappen könnte.
Mekies kam vor fast 25 Jahren in die Formel 1 und durchlief keine Management-Schule, sondern stieg langsam über die Ingenieurs-Seite auf. Sprich, über den Weg des Renningenieurs, über das Ingenieurs-Management, bis er schließlich erst Sportdirektor bei Ferrari wurde, und dann Teamchef bei den Racing Bulls. Mehr über Mekies' Werdegang gibt es hier:
Die Konsequenz: "Er versteht den Fahrer sehr gut." So sieht es Carlos Sainz, der fast drei Jahre lang bei Ferrari mit Mekies zusammenarbeitete. "Er hat ein spezielles Gefühl und eine spezielle Kommunikation mit Fahrern, was es für sie sehr angenehm und offen macht." Daran hat sich nichts geändert, als Mekies danach bei den Racing Bulls zum Teamchef wurde.
Ingenieur statt Rennfahrer: Warum die F1-Piloten Laurent Mekies mögen
"Es ist immer für einen Fahrer hilfreicher, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der aus dem Ingenieurswesen kommt", meint Rookie Isack Hadjar. Das unterscheidet Mekies grundlegend von seinem Vorgänger Christian Horner, der seine Karriere als aktiver Rennfahrer begonnen hatte und dann praktisch direkt ins Management wechselte - erst in Nachwuchsklassen, dann bei Red Bull.
"Das heißt nicht, dass Christian nichts wusste, er weiß viel über Autos, und du bekommst als Fahrer immer noch viel Feedback", stellt Yuki Tsunoda klar. Für einen Vergleich ist Tsunoda genau der Richtige. Über ein Jahr lang fuhr er für Mekies bei den Racing Bulls, ehe er dieses Jahr zumindest 10 Rennen unter Horner bei Red Bull erlebte.

"Dass Laurent ein Ingenieur war, ist eine seiner Stärken", ist sich Tsunoda sicher. "Er hat nach jeder Session immer versucht zu verstehen, was die Einschränkungen des Autos sind. Er war in vielen Bereichen da in direktem Kontakt. Diese Reaktivität, und das Einholen von spezifischem Feedback, sowie sein Verständnis auf Ingenieursseite, das war alles sehr stark."
Helmut Marko verrät: Erste Red-Bull-Umstellungen schon erfolgt
Da Red Bull seit über einem Jahr an Problemen auf der technischen Seite hadert, könnte ein Neustart mit so einer Führungs-Philosophie genau das sein, was es braucht. Tatsächlich bestätigt Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko gegenüber der 'Kleinen Zeitung': "Mekies hat bereits ein paar Details in der Simulator-Präparation umgestellt."
"Grundsätzlich konzentriert er sich mehr auf das Renngeschehen und ist nicht so in andere Abteilungen involviert", sagt Marko. Red Bull will das Management-Konstrukt, bei dem zuletzt alle Fäden bei Horner zusammenliefen, aufbrechen und dadurch individuelle personelle Ressourcen besser freisetzen. "Der Übergang ist sehr gut erfolgt. Laurent ist ein Menschenkenner, der geht auf die Leute zu, und das hat hoffentlich einen positiven Effekt."
"Ich weiß, dass er sowieso einen guten Job machen wird", prognostiziert mit Liam Lawson noch ein Racing-Bulls-Pilot. "Schwer zu sagen, ob er das ist, was das Team braucht. Wahrscheinlich braucht es Konstanz. Ich weiß einfach, dass er gute Arbeit machen wird. Ich hoffe, sie vertrauen ihm, den Job zu machen, in dem er sehr gut ist."
Red-Bull-Fahrer vor Spa: Gute Management-Vibes
Das könnte alles auch Tsunoda helfen, der seit seinem heftigen Überschlag von Imola hinterherhinkt. Im Vorjahr war Mekies noch voll des Lobes für seinen damaligen Racing-Bulls-Schützling gewesen. "Wenigstens weiß ich, dass wir eine gute Beziehung haben", meint Tsunoda. "Ich kann mit ihm sprechen, da muss ich nichts ändern, das ist gut. Ich bin gerade erst mit ihm gemeinsam ins Fahrerlager, dabei haben wir lange gesprochen. Fühlt sich an, als wären wir zurück bei den Racing Bulls."
Nebenbei erhielt Tsunoda übrigens auch Zuspruch von Ex-Teamchef Horner: "Er hat mir gestern erst eine Nachricht geschrieben. 'Zeig, was du kannst.' Ganz nett." Auf der anderen Seite des Fahrerlagers müssen Lawson und Hadjar währenddessen jetzt aber den Verlust von Mekies wegstecken.
An Mekies' Stelle tritt Alan Permane. Auch er ist ein Ex-Ingenieur, die ehemalige Nummer zwei im Team. Anders als Mekies bei Red Bull wird Permane bei den Racing Bulls aber kaum große Änderungen anstoßen. Hier geht es wohl eher darum, das von Mekies über die letzten Monate aufgesetzte System auf Kurs zu halten. "Das ändert für unser Wochenende nichts, gar nichts", stellt Hadjar klar.



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